Hamburg

Wohnungsbau für alle – und eine neue Fahrradstraße

Das Abendblatt stellt in einer Serie vor, was die sieben Hamburger Bezirke 2016 planen. Zum Auftakt: Hamburg-Nord

Friederike Ulrich

Was haben die Hamburger Bezirke im Jahr 2016 vor? Welche Projekte und Bauvorhaben stehen an? Das Abendblatt stellt in den kommenden Tagen die Pläne aller sieben Bezirke vor. Heute Teil 1 der Serie: Hamburg-Nord.

1Tarpenbek-Ufer:
Nachdem die irische McGarrell Reilly Group das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Lok­stedt an das Bauunternehmen Otto Wulff verkauft hat, kommt Bewegung in das Projekt. 750 Wohnungen, darunter mindestens 225 öffentlich geförderte, lässt der gültige Bebauungsplan „Groß Borstel 25“ auf dem Grundstück zu. Die Planungen für die Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Tarpenbek und für die etwa 1100 Meter lange Lärmschutzwand beginnen demnächst. Nach Angaben von Pit Schubert, stellvertretender Projektleiter bei Otto Wulff, werde sie sich kaum sichtbar entlang der Bahngleise durch das gesamte Quartier erstrecken. Der Baubeginn für die ersten vier- bis fünfgeschossigen Gebäude ist für den Herbst geplant. Die etwa 50 bis 60 Kleingärten, die für das Bauprojekt weichen müssen, würden innerhalb Groß Borstels umgesiedelt, sagt Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD). Das beliebte Möbelhaus und Restaurant Le Marrakech bleibt an seinem Standort.

2 Grundschule St. Nikolai: Die sanierungsbedürftige Ganztagsgrundschule St. Nikolai an der Robert-Koch-Straße in Eppendorf soll durch Zubauten und eine denkmalschutzgerechte Sanierung fit gemacht werden, um künftig auch vierzügig zu werden. Die Schulhöfe sollen nicht beschnitten werden. Platz für Zubauten gibt es aber unter anderem auf dem Lehrerparkplatz.

3 Quartier am Weißenberg: Der erste Abschnitt eines der größten Bauvorhaben in Ohlsdorf ist bereits fertig. Im zweiten Bauabschnitt des Projekts der Saga GWG entstehen 97 Wohnungen und drei Mehrfamilienhäuser. Im Oktober 2015 wurde bereits Richtfest gefeiert. Die Häuser werden mit einer großen Tiefgarage unter­kellert. Alle Wohnungen (Durchschnittsgröße 57 Quadratmeter) sind barrierefrei und bekommen einen Balkon oder eine Terrasse. Darüber hinaus sollen Gärten für die Mieter entstehen. Insgesamt sind auf dem 12,5 Hektar großen Baugebiet 480 Wohnungen geplant – inklusive einer Kita und einer Seniorenwohnanlage. Zum Gesamtprojekt gehört auch die denkmalgeschützte Modernisierung der ehemaligen sogenannten Wärterhäuser der JVA.


4Flughafen Hamburg
: Beim neuen Luftfrachtzentrum – dem Hamburg Airport Cargo Center (HACC) – wurde im Oktober 2015 Richtfest gefeiert. Der Hamburger Flughafen investiert etwa 50 Millionen Euro in das neue Logistikzentrum. Die Eröffnung ist nach Angaben von Flughafensprecherin Katja Bromm für das zweite Quartal 2016 vorgesehen. Der Weg beim Jäger ist noch bis Ende Januar teilweise gesperrt. Erneuerung des Vorfelds: Der Flughafen erneuert bis 2020 das Hauptvorfeld auf einer Fläche von 330.000 Quadratmetern. Die etwa 120 Millionen Euro teure Investition wird in zehn Abschnitte aufgeteilt, um die Auswirkungen auf den Flugverkehr gering zu halten. Der Baustart für den ersten Projektabschnitt auf 59.000 Quadratmetern ist für März geplant. Die Flugzeuge sollen nach Angaben von Flughafenchef Michael Eggenschwiler danach besser und leiser rollen.

5 Langenhorner Mitte: Der etwa zehn Millionen Euro teure Umbau des Langenhorner Markts ist nach fünf Jahren abgeschlossen. Nach dem Verkauf des Einkaufszentrums an einen neuen Investor, die Matrix Immobilien GmbH, plant das Unternehmen, von Januar an einen Teil der Gebäude an der nördlichen Geschäftszeile abzubrechen und durch moderne größere Einzelhandelsflächen zu ergänzen. Auch der Bau von Wohnungen über den Geschäften ist geplant. Das Seniorenwohnheim mit 93 Wohnungen für Bewohner über 60 Jahren an der Ecke Krohnstieg/Tangstedter Landstraße soll bis zum Sommer fertiggestellt werden. „Die Wohnungen gehen weg wie geschnitten Brot“, weiß Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Im Erdgeschoss entstehen Ladenflächen.

6 Schwimmbad Ohlsdorf: In Ohlsdorf entsteht ein neues Familienbad mit einem ganzjährig nutzbaren Becken und einer flexibel zu öffnenden Fassade. Auch weiterhin soll es eine etwa 6000 Quadratmeter große Liegewiese geben, dazu kommt ein Wasserspielplatz. Das neue Bad soll 2018 eröffnet werden. An der Stelle des bestehenden Hallenbads sollen dann etwa 120 Wohnungen errichtet werden.

7 Stadtparkquartier: Auf dem ehemaligen Güterbahnhof Barmbek entsteht in unmittelbarer Nähe des Stadtparks ein neues Wohnquartier mit 650 Wohnungen, 220 von ihnen sind öffentlich gefördert. Viele der neuen Gebäude wurden schon fertiggestellt und bezogen. 2016 werden die Arbeiten an dem Projekt mit 16 Baufeldern abgeschlossen. In die Kopfbauten ziehen Geschäfte zur Nahversorgung ein, außerdem entsteht ein Quartiersspielplatz mit Anbindung an den Stadtpark.

8 Pergolenviertel: Nach jahrelanger Planung, nach Protesten und Gerichtsverfahren beginnen jetzt die Vorbereitungen für das Pergolenviertel, einem Megaprojekt zwischen Hebebrandstraße und Alte Wöhr. Auf einer acht Hektar großen Fläche werden rund 1400 Wohnungen gebaut, weitere sechs Hektar werden als Kleingartengelände gesichert, auf sieben Hektar sind Park-, Bolz- und Spielplätze geplant. Für die Erschließung müssen zunächst die Kleingärtner aus dem Verein „Heimat“ enger zusammenrücken oder umziehen.

Von den 330 Parzellen der insgesamt drei Kleingartenvereine fallen 110 weg. Um möglichst viel Vegetation zu erhalten, ermitteln Gutachter den erhaltenswerten Baumbestand. Im Herbst wird zwischen Hebebrandstraße und Jahnring mit dem ersten Bauabschnitt begonnen. Geplant sind drei- bis achtstöckige Gebäude mit 60 Prozent öffentlich geförderten Wohnungen. Ähnlich wie in der Jarrestadt soll es im Pergolenviertel große, durchlässige grüne Innenhöfe geben.

9 Dieselstraße: In Barmbek-Nord sind im Plangebiet Dieselstraße zwischen den Straßen Langenfort im Norden und Habichtstraße im Süden auf zehn Hektar 675 Wohnungen für insgesamt 1700 Menschen sowie Dauerkleingärten und Grünflächen geplant. Auf dem Gelände befinden sich die ehemalige Schiffsbauversuchsanstalt und der Opernfundus, der 2019 – ein Jahr später als geplant – umzieht. Das Stadion des HSV Barmbek-Uhlenhorst wurde mittlerweile an einen neuen Standort verlagert, das Gelände bereits vom Kampfmittelräumdienst untersucht. Auf dem „Baufeld 1“ macht der Bauverein der Elbgemeinden wohl noch dieses Jahr mit dem Bau von etwa 160 teilweise öffentlich geförderten Wohnungen den Anfang.

10 Hertie: Mit dem Hertie-Gelände nördlich des Barmbeker Bahnhofs geht es nach sechs Jahren Stillstand endlich voran. Nachdem sich die vorherigen Investoren, TransArt aus Düsseldorf und OFB aus Frankfurt, überraschend zurückgezogen hatten, hat das Immobilienunternehmen Development Partner aus Düsseldorf das Filetgrundstück erworben. Es hatte sich schon früher mit der Entwicklung des Grundstücks beschäftigt, seine Pläne aber nicht realisieren können. Pro­bleme ergaben sich unter anderem aus der konkreten Aufgabenstellung des städtebaulichen Vertrags, die Bestandteil des Bebauungsplans ist und hier großflächigen Einzelhandel vorsieht. „Das konnten wir damals an diesem Standort nicht rentabel umsetzen“, sagt Ralf Bettges, Sprecher von Development Partner. Jetzt habe man „an den Stellschrauben gedreht“ und ein wirtschaftliches und machbares Projekt entwickelt: Neben Einzelhandel ist unter anderem ein Hotel geplant. Die Fertigstellung soll 2018 sein, der Baubeginn könnte bereits 2016 erfolgen. Die vorbereitenden Maßnahmen laufen jedenfalls schon.


11 Eppendorfer Marktplatz:
Erst musste alles ganz schnell gehen, jetzt herrscht Stillstand am Eppendorfer Markt. Nachdem im vergangenen Frühjahr das alte Brauhaus und die drei davor stehenden Kastanien trotz großer Proteste aus dem Stadtteil Hals über Kopf gefällt und abgerissen wurden, stören sich die Eppendorfer seit Monaten an der Brachfläche dort. Dem ehemaligen Hamburger Fußballspieler Roberto Sciorilli, mittlerweile der zweite Eigentümer des Grundstücks, wurde im Februar 2015 die Baugenehmigung für ein fünfgeschossiges Eckgebäude erteilt. Innen sind 18 Wohnungen, ein Gastronomiebetrieb im Erdgeschoss und Gewerbe vorgesehen. Außerdem müssen neue Bäume gepflanzt werden.

12 Fuhlsbüttler Straße: Die Sanierung der Fuhlsbüttler Straße, die im August 2014 begonnen hat, wird voraussichtlich in diesem Sommer mit dem Aufstellen der Möblierung abgeschlossen. Besonders aufwendig ist der Schutz der Straßenbäume. Er besteht aus Metalleinfassungen, die etwa 50 Zentimeter hoch sind. „Da die Bäume sehr flach wurzeln, muss jede Einzäunung individuell angefertigt werden“, sagt Carina Ahrens vom Baustellenmanagement des Sanierungsgebiets Barmbek-Nord S1, Fuhlsbüttler Straße. An den straßenabgewandten Seiten der Einfassungen werden Bänke befestigt. „Bei rund 50 Bäumen ein teures Unterfangen“, sagt Carina Ahrens. „Aber es lohnt sich, denn die Bäume sind ein prägendes Merkmal für diesen Teil der Fuhlsbüttler Straße.“


13 Der Leinpfad wird zur Fahrradstraße:
Als Teil der Veloroute 4 und Fortführung der neuen Fahrradstreifen entlang der Bebelallee wird der Leinpfad 2016 zur Fahrradstraße umgebaut. Im Zuge dessen werden auch die Gehwege verbessert. Anlieger können den Leinpfad künftig noch mit dem Auto befahren, für den Durchgangsverkehr wird die Fahrradstraße gesperrt. Die Parkplätze bleiben weitestgehend bestehen.

14Museum der Arbeit: Die alte Fabrikhalle hinter dem Museum der Arbeit wird Mitte Februar für etwa ein Jahr zur Unterkunft für rund 40 bis 50 Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder. „Das ist für uns eine aufregende und besondere Sache“, sagt Museumssprecher Matthias Seeberg. Der Freundeskreis des Museums und die Museumspädagogin hätten bereits angekündigt, sich für die Geflüchteten engagieren zu wollen. Betrieben werde die Einrichtung von „Fördern & Wohnen“. Auch der Umbau des Torhauses – ein weiterer historischer Teil der Museumsanlage – könnte eventuell 2016 beginnen. Dort ist unter anderem ein Welcome-Café geplant. Der Bund hat das Geld bereits bewilligt.

15 Drosselgärten: An der Drosselstraße 15 in Barmbek-Nord wird ein ehemaliges Parkhaus für die Wohnnutzung umgebaut. Unter dem Namen „Drosselgärten“ sollen 48 Eigentumswohnungen mit Terrassengärten und mehr als 250 Parkplätze entstehen. Der Schwerpunkt liegt bei Zwei- bis Dreizimmerwohnungen zwischen 70 und 100 Quadratmetern, der Quadratmeterpreis bewegt sich im Schnitt bei 4000 Euro.


16 Planetarium:
Das Planetarium im Stadtpark ist noch bis Ende 2016 geschlossen. Der Sockel wird ausgebaut, hier entsteht ein neues Foyer. Der Umbau kostet 7,5 Millionen Euro.


17 Flüchtlingsunterkünfte:
„Wir haben keine Flächen, auf denen wir 3000 Flüchtlinge unterbringen können“, sagte Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Durch die Lockerung der Bauvorschriften könnten aber künftig auch in Gewerbegebieten Flüchtlingsunterkünfte entstehen. Für dieses „Express-Wohnungsbauprogramm“ habe der Bezirk drei Flächen im Visier. Auch in Eppendorf wird eine größere Unterbringung geplant: Für eine Fläche an der Osterfeldstraße, die als Gewerbegebiet ausgewiesen ist, verhandelt der Bezirk mit den Eigentümern über den Bau von Wohnungen. Die Planung sieht vor, dass der Eigentümer 480 Wohnungen errichtet und für 15 Jahre an „Fördern & Wohnen“ vermietet, um Flüchtlinge unterzubringen. In einem ersten Bau­abschnitt sollen 180 Wohnungen entstehen. Harald Rösler ist zuversichtlich, dass es rasch zu einer Einigung mit den Investoren kommt und die Wohnungen noch 2016 bezogen werden können. Auch ein Grundstück am Ohkamp in Fuhlsbüttel-Nord, das als Park-and-ride-Fläche ausgewiesen ist, sei denkbar, um etwa 300 Wohnungen zu bauen, sagt Rösler. Eine weitere Fläche an der Maurienstraße in Barmbek-Nord eigne sich für etwa 100 Wohnungen. Etwa 3000 Flüchtlinge sollen insgesamt in den neuen Wohnungen untergebracht werden. „Dieses Programm nimmt den normalen Mietern nichts weg“, sagt Rösler. Es sei nicht verwerflich, „dass wir Wohnungen bauen, die nachhaltig sind und 100 Jahre stehen.“