Hamburg

Das öffentliche W-Lan kommt mit Verzögerung

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Jens Meyer-Wellmann
Bald ist das Surfen an der Alster gratis: Im neuen Jahr soll endlich der erste Versuch für das öffentliche WLAN in der Hamburger City beginnen

Bald ist das Surfen an der Alster gratis: Im neuen Jahr soll endlich der erste Versuch für das öffentliche WLAN in der Hamburger City beginnen

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die Internetversorgung in der City kommt ein Jahr später als geplant. Erster Test beginnt im Januar. Kritik gibt es von der CDU.

Hamburg.  Beim Ausbau des öffentlichen WLANs in Hamburg geht es langsamer voran als gehofft. Eigentlich sollte der Ausbau eines flächendeckenden und kostenlos nutzbaren Netzes in der Innenstadt 2015 beginnen und 2016 weitgehend abgeschlossen sein. Das hatte der Geschäftsführer der Firma willy.tel, Bernd Thielk, vor einem Jahr im Abendblatt angekündigt.

Die Firma stand damals schon kurz vor Abschluss eines Vertrags mit der Stadt. Der ist allerdings bis heute noch nicht zustande gekommen. „Wir haben uns den Ausbau etwas schneller gewünscht, aber es mussten einige technische Details für die Stromversorgung geklärt werden“, sagt Thielk heute.

Probleme bei der Stromversorgung der Router

Das Problem: Für die rund 7000 Zugangspunkte zum WLAN („Access-Points“), die willy.tel mit Unterstützung des Senats in der City bis 2020 installieren will, gab es bisher keine sichere Stromversorgung. Zunächst hatte man gehofft, die Geräte an Straßenlaternen anschließen zu können. „Die Laternen sind aber nicht immer mit Dauerstrom ausgestattet und bieten selten Platz für unsere Technik, also Glasfaserumsetzung, Router usw.“

Nun aber hat man offenbar eine Lösung gefunden. Die städtische Netzgesellschaft Stromnetz Hamburg soll innerhalb des Rings 1 insgesamt 50 Zugänge zum Stromnetz zur Verfügung stellen. Diese Netz-Hubs sollen, sobald man sich mit dem Senat auf einen Vertrag geeinigt hat, im Abstand von rund 200 Metern in der Innenstadt vergraben werden und digitalen Anbietern so einen Stromzugang ohne hohe Anschlussgebühren ermöglichen. Finanziert werden sollen die Anschlüsse aus Bundesmitteln für die Digitalisierung der Innenstädte. Ein erster Versuch am Alstertor im Januar soll zeigen, ob die Technik wie gewünscht funktioniert.

Sobald die letzten technischen Probleme beseitigt und der Vertrag mit der Stadt unterschrieben sei, könne seine Firma loslegen, sagt willy.tel-Chef Thielk. „Unsere Planungen für die ersten 150 Access Points in der Innenstadt sind komplett abgeschlossen.“ Auch die Stromnetz Hamburg könnte zügig loslegen. Man könne die geplanten 50 Netz-Hubs binnen zweier Monate fertigstellen, verspricht Stromnetz-Geschäftsführer Dietrich Graf.

Kostenfreie Nutzung für die ersten 24 Stunden

Ziel ist ein flächendeckendes Netz von WLAN-Zugängen, das jeder nach einmaliger Anmeldung für 24 Stunden kostenfrei nutzen kann: einmal einloggen und in der gesamten Innenstadt per WLAN surfen, das ist das Ziel. Carsten Brosda, Leiter des Amts Medien in der Senatskanzlei, betont, dass die jetzt gefundene Lösung zur Stromversorgung „auch anderen Anwendungen der Digitalen Stadt offensteht“.

Langsamer als erhofft geht es in Sachen WLAN allerdings auch an anderer Stelle voran. So ist die Hochbahn nach einem Jahr nicht viel weiter mit ihren Plänen, ein freies WLAN anzubieten. Die Gespräche liefen noch, man hoffe nun, im Frühjahr 2016 etwas dazu mitteilen zu können, sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. Dass es bei der WLAN-Versorgung im öffentlichen Personennahverkehr trotz großer Ankündigungen bisher noch ziemlich trübe aussieht, belegt auch die Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der beiden CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Carsten Ovens und Dennis Thering.

Danach wird bisher nur auf den Buslinien M3 und 31 der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) kostenloses WLAN angeboten – und dessen Nutzung ist zuletzt sogar zurückgegangen. Bei WLAN in Bahnen und weiteren Bussen tut sich nichts. Die Hochbahn sei noch bis Mitte 2016 in der Planungsphase, so der Senat. WLAN auch auf Hafenfähren einzurichten hält man im rot-grünen Senat offenbar für überflüssig. Die Hadag habe „keine diesbezüglichen Kundenwünsche festgestellt“, heißt es in der Antwort. Nicht einmal am ZOB gibt es bisher öffentliches WLAN.

Neues Gesetz soll Rechtssicherheit schaffen

„Der rot-grüne Senat hat die Digitalisierung immer noch nicht ganz verstanden. Hamburg entgehen so reichlich Chancen“, kritisiert CDU-Politiker Carsten Ovens. „Groß angekündigt wurde der immer noch fehlende Aufbau eines kostenfreien WLAN-Netzes in Hamburg, doch nicht mal im städtischen Nahverkehr passen Realität und Wunschvorstellung zusammen.“

Kaum besser sieht es mit den Plänen aus, auch Behörden und Kundenzentren mit freiem WLAN für alle auszustatten. Ein wesentlicher Grund dafür, dass Deutschland in Sachen kabelloses Internet derzeit von der Welt abgehängt wird, liegt in der eigenwilligen Rechtssprechung, der Störerhaftung. Danach haften private WLAN-Anbieter, also beispielsweise auch Restaurantbesitzer, die Gäste über ihre Router surfen lassen, für möglichen Missbrauch. Lädt sich ein Kunde dann zum Beispiel Spielfilme von illegalen Seiten herunter, ist der Gastwirt persönlich haftbar. Deshalb ist die Bereitschaft zur WLAN-Öffnung naturgemäß gering. Derzeit wird das Gesetz überarbeitet – eine erste Fassung machte allerdings wenig Hoffnung auf grund­legende Änderungen. Nun wird über Nachbesserungen verhandelt.

„Einen weiteren Schub im WLAN-Ausbau kann es geben, wenn die bundesrechtliche Regelung endlich geändert wird“, sagt Carsten Brosda vom Amt Medien. „Hamburg hat sich im Bundesrat für eine Regelung starkgemacht, die es Privaten oder Behörden erleichtern würde, ihr WLAN für eine Nutzung durch Dritte zu öffnen.“ Erst dann sei damit zu rechnen, dass es auch in Kundenzentren WLAN für alle gebe. Der SPD-Medienpolitiker Hansjörg Schmidt gibt sich optimistisch: Sollten die technischen Probleme tatsächlich behoben sein, werde es noch 2016 flächendeckend WLAN in der City geben.

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