Jan Spille

Hamburger Goldschmied fertigt Schmuck für gutes Gewissen

| Lesedauer: 4 Minuten
Natalia Matter
Dieses ökologische Waschgold stammt von der Puna-Hochebene in Argentinien

Dieses ökologische Waschgold stammt von der Puna-Hochebene in Argentinien

Foto: Jan Spille / epd

Kinderarbeit und Zerstörung. Jan Spille nennt Zustände bei Goldgewinnung „dramatisch“. Er arbeitet nur mit "sauberen" Rohstoffen.

Kinder schuften in Stollen, die für Erwachsene zu eng sind. Familien sind in Slums zusammengepfercht, weil ihr Land von Baggern zerfressen wurde - Verbrechen an Mensch und Natur sind alltäglich bei der Gewinnung der Rohstoffe für Schmuck. „Die Zustände im Goldbergbau sind dramatisch“, sagt der Goldschmied Jan Spille. Für Silber, Kupfer und Edelsteine gilt das gleiche.

Als einer der ersten in Deutschland hat Spille deshalb versucht, an „saubere“ Rohstoffe zu gelangen. Das ist mehr als zehn Jahre her. Seine Arbeit mache ihm deutlich mehr Spaß, wenn er nicht nur schönen, sondern auch sinnvollen Schmuck herstelle, sagt er.

Eheringe ohne Kinderarbeit, Zwangsprostitution und Gewalt

Mehr als die Hälfte des gesamten geförderten Goldes geht in die Schmuckherstellung. Dabei werden die Edelmetalle meist unter ausbeuterischen Bedingungen und dem Einsatz hochgiftiger Chemikalien gefördert, zahlreiche bewaffnete Konflikte werden damit finanziert. Die industrielle Goldgewinnung verwandelt ganze Landstriche in Wüsten, Dörfer müssen weichen, die Wasservorkommen werden verbraucht. Zurück bleiben Tausende Tonnen von giftigem Schlamm und Gestein - und oftmals verseuchte Flüsse.

Der Kleinbergbau beschäftigt nach UN-Angaben weltweit zehn bis 15 Millionen Menschen, vier bis fünf Millionen davon Kinder und Frauen. Er findet meist in abgelegenen Gegenden statt, wo die Schürfer in Camps hausen. „Dort herrschen Kinderarbeit, Zwangsprostitution und Gewalt“, sagt der Hamburger Spille.

Immer mehr Goldschmiede bieten deshalb Gold an, das nicht den üblichen Weg über den Großhändler gegangen ist und bei dem man nicht weiß, wie und wo es abgebaut wurde. Abnehmer gibt es genug. „Die Nachfrage ist groß, die Kunden kommen gezielt, auch aus dem Umland“, sagt Lucas Küpper, der eine Goldschmiede in Frankfurt betreibt. „Gerade bei Trauringen ist es für viele wichtig, dass das Gold unter guten Bedingungen abgebaut wurde.“ Insgesamt nehme das Bewusstsein zu, und vor Weihnachten steige das Interesse zusätzlich.

Eheringe aus „sauberem“ Gold rund 200 Euro teurer

Noch ist es in Deutschland allerdings kompliziert, an fair gehandelte Metalle zu kommen. „Silber gibt es derzeit gar nicht mehr“, bedauert Küpper. Gold in geringen Mengen vertreibt die kleine Initiative Oeko Andina um den Geologen Thomas Siepelmeyer. Es wird im Norden Argentiniens chemikalienfrei und unter würdigen Arbeitsbedingungen abgebaut. „Auch mit sogenanntem Waschgold, das beispielsweise in Finnland oder dem nordhessischen Edersee nur durch Schwerkraft gewonnen wird, arbeiten manche Goldschmiede. Viele verwenden recyceltes Altgold.

Zertifiziertes Gold mit dem Fairtrade-Siegel gibt es derzeit aus zwei Minen in Peru, demnächst zudem aus sechs Minen in Ostafrika. Allerdings ist es bislang nur über Nachbarländer wie die Schweiz, die Niederlande oder Großbritannien erhältlich. Das soll sich aber im Februar ändern, sagt Claudia Brück vom Verein Transfair, der in Deutschland das Fairtrade-Siegel vergibt. “Ab dem 14. Februar können Goldschmiede in Deutschland zertifiziertes Gold über mehrere deutsche Scheideanstalten beziehen. „Diese Importeure bezögen das Metall dann direkt von den zertifizierten Minen.

Der Preis für fair gehandeltes Gold liegt etwa 15 bis 20 Euro pro Gramm über dem herkömmlichen (derzeit rund 1.070 US-Dollar pro Feinunze, also 31,1 Gramm, an der Londoner Börse). Zudem ist die Verarbeitung aufwändiger, da das Gold oftmals nicht so ist, dass man es sofort verwenden kann. Bei Küpper kostet das Paar Eheringe aus “sauberem„ Gold daher etwa 200 Euro mehr.

Kritik am Transfair-Siegel

Um das Fairtrade-Siegel zu erhalten, müssen sich sowohl die Goldschmiede als auch die Schürfer zertifizieren lassen. Diese müssen sich dafür organisieren, zum Beispiel in Kooperativen, Schutzkleidung tragen, Sicherheitstrainings absolvieren, den Einsatz von Chemikalien reduzieren und dürfen keine Kinder einsetzen. Dann erhalten sie einen festgelegten Mindestpreis von 95 Prozent des Londoner Goldpreises und eine Prämie für Gemeinschaftsprojekte wie Brunnen oder Schulen.

Dass beim Gold mit dem Fairtrade-Siegel nicht komplett auf den Einsatz von giftigen Chemikalien verzichtet wird, kritisieren einige in der Branche wie Geologe Siepelmeyer. “Wir hätten gerne ein Siegel mit strengeren Kriterien als das von Transfair.„ An das von seiner Initiative vertriebene Gold komme nur Wasser und die Schwerkraft. Doch insgesamt begrüßen die Goldschmieden das von Transfair zertifizierte Gold als einen Schritt in die richtige Richtung. “Es erlaubt uns eine bessere Planbarkeit, und wir können die Nachfrage bedienen“, sagt Stefanie Holtz aus Berlin.

( epd )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg