Steinwerder

Passagiere beschweren sich über Kreuzfahrtterminal

| Lesedauer: 6 Minuten
Martin Kopp
Bei der Eröffnung des Terminals im Juni: Hafenchef Jens Meier (l.), Sacha Rougier, Chefin der Betreibergesellschaft, und Flughafenchef Michael Eggenschwiler

Bei der Eröffnung des Terminals im Juni: Hafenchef Jens Meier (l.), Sacha Rougier, Chefin der Betreibergesellschaft, und Flughafenchef Michael Eggenschwiler

Foto: Klaus Bodig / HA

Der Anleger in Steinwerder ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar. Spätestens im Frühjahr soll Lösung vorhanden sein.

Hamburg.  Funktional ist an dem neuen Kreuzfahrtterminal nichts auszusetzen. Seit einem halben Jahr ist das Cruise Center Steinwerder in Betrieb, und die Passagierabfertigung läuft zur allgemeinen Zufriedenheit. Man muss nur erst einmal hinkommen zu diesem abgelegenen Terminal. Und genau da beginnt das Problem. Viele Passagiere nervt dies inzwischen. In den einschlägigen Internetforen der Passagiere sammelt sich der geballte Frust: Wer unter Kreuzfahrten.de, cruisetricks.de oder pooldeck24.de nachschaut, stößt allenthalben auf negative Erfahrungsbeiträge wegen der schlechten Erreichbarkeit des Cruise Centers. „Ein Armutszeugnis“, liest man da. „Mitten im Industriehafen“, oder: „Mir schaudert’s vor der Anreise.“ Dabei hatte der Senat einst etwas ganz anderes versprochen. „Zufahrt: bequem und barrierefrei“ – so warb die Regierung bei der Eröffnung: Die Nutzer sehen das anders.

Schon als die Planungen für den dritten Kreuzfahrtanleger vorgestellt wurden, gab es harsche Kritik: Zwar konnten die Kosten im Rahmen gehalten werden, weil die Kaianlagen und die große Terminalfläche bereits vorhanden waren. Aber Steinwerder ist eben sehr weit ab vom Schuss: Mitten im Hafen gelegen, am anderen Elbufer, noch hinter den Docks von Blohm + Voss. Anders als bei den beiden Kreuzfahrtterminals in Altona und in der HafenCity gibt es dort keinen direkten Anschluss an das öffentliche Transportsystem.

Cruise Terminal in Steinwerder noch nicht voll ausgelastet

Wer also nicht zu den gehobenen Kreuzfahrtticketpreisen auch noch einen Extrabeitrag für einen Shuttlebus entrichten will oder sich gleich auf die Luxus-Variante, Anreise per Taxi (23 Euro ab Hauptbahnhof, 41 Euro ab Flughafen) einlässt, sollte gut zu Fuß sein. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Kreuzfahrtterminal Steinwerder derzeit über die Buslinien 156 und 256 von der Haltestelle Argentinienbrücke aus zu erreichen. Nach einer Anfahrtszeit von bis zu 40 Minuten erwartet die Reisenden ein langer Fußmarsch von der Haltestelle bis zum Kreuzfahrtterminal von rund einem Kilometer. Mit Koffern und Taschen wird das zur Herausforderung.

Da die Busse insbesondere am Wochenende zudem nur unregelmäßig verkehren, ist die Anreise mit dem Bus beschwerlich. Theoretisch wäre auch eine Anbindung mit der Fährlinie 73 ab Landungsbrücken (durchschnittliche Reisezeit zwölf Minuten) möglich,. Da die Fähre jedoch nur von Montag bis Freitag im 40-Minuten-Takt fährt und die Mehrzahl der Kreuzfahrtschiffe am Wochenende ablegt, ist auch diese Anreiseform kaum zu empfehlen.

Noch ist das Problem überschaubar, da das dritte Cruise Terminal in Steinwerder nicht voll ausgelastet ist. Aber spätestens wenn im Frühjahr die „AIDAprima“ mit ihren insgesamt rund 4000 Passagieren einmal wöchentlich zum Bettenwechsel festmacht, sollte eine Lösung vorhanden sein.

„Eine Stadt wie Hamburg kann es sich nicht leisten, dass Tausende Besucher schwitzend ihren Rollkoffer kilometerweit neben dem Schwerlastverkehr über die Argentinienbrücke ziehen müssen, um ihre Kreuzfahrt anzutreten“, sagt der hafenpolitische Sprecher der CDU, Ralf Niedmers. „Wie soll das bei Sturm und Regenwetter gehen?“ Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Senat keine bessere Nahverkehrsanbindung schaffe. Die CDU hat in der Bürgerschaft den Bau einer weiteren Bushaltestelle am Kreuzfahrtterminal sowie die Ausdehnung des Fährverkehrs der Linie 73 auf das Wochenende beantragt. Doch die Regierung von SPD und Grünen schmetterte den Antrag vor einigen Wochen ab. Das Problem genießt beim Senat offensichtlich keine Priorität. „Es gibt keine Überlegungen, den Betrieb der Fährlinie 73 auf die Wochenenden auszuweiten“, schrieb er kürzlich in einer Drucksache.

Anbindung per Fähre oder Bahn?

Ursprünglich hatte der Senat die Idee, dass Kreuzfahrtterminal direkt durch eine Fährlinie der Hadag anfahren zu lassen. So könnten die Passagiere ihre große Reise gleich mit einer kleinen Hafenrundfahrt beginnen. Dazu wurde extra der Fähranleger in Steinwerder renoviert.

Die Betriebsgesellschaft des Kreuzfahrtterminals, die Cruise Gate Hamburg (CGH), findet diese Idee gut: „Grundsätzlich hat die Cruise Gate Hamburg GmbH ein großes Interesse an einer solchen Anbindung“, so ein Sprecher. Möglichkeiten und Kosten seien auch besprochen worden, aber zum aktuellen Stand gebe es noch kein konkretes Ergebnis.

Es habe Gespräche mit der CGH gegeben, sagt Hadag-Geschäftsführerin Gabriele Müller-Remer. „Wir haben erklärt, dass wir einen regelmäßigen Fährdienst erst einrichten können, wenn wir einen nennenswerten Pendlerverkehr nach Steinwerder haben“, so Müller-Remer weiter. „Es gibt aber auch die Möglichkeit Extra-Touren nach Steinwerder zu buchen, wie sie beispielsweise von den Musical-Besuchern genutzt werden.“ Seitdem habe die Hadag keine Bitte um weitere Gespräche erhalten. Dabei wäre eine solche Regelung durchaus denkbar, sagt Müller-Remer. „Wichtig wäre aber eine einheitliche Regelung der Fahrtkosten für Shuttlebusse und Fähren.“

Bei den Kreuzfahrtreedereien stößt die Idee mit der Fähre weiter auf große Zustimmung. „Ein solches Angebot wäre wünschenswert“, sagt Ingo Thiel von Cunard. Gleichwohl macht sich die Branche inzwischen andere Gedanken zur Anbindung des Terminals. „Wir sind auch in Gesprächen mit der Bahn, ob man Passagiere für das Terminal in Steinwerder sinnvollerweise in Harburg aussteigen lässt. Dazu müssten die Züge aber dort halten“, sagt der Präsident von AIDA Cruises, Felix Eichhorn. Auch das ist beim Terminalbetreiber offenbar noch nicht angekommen: „Bisher ist die CGH nicht in Gespräche mit der Deutschen Bahn involviert“, sagte eine Sprecherin.


Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg