Hamburg

Kinder gesünder als vor zehn Jahren

Fortschritte bei Impfschutz, Übergewicht und chronischen Krankheiten. Sozial Schwache und Migranten aber öfter krank

Hamburg. Weniger Übergewicht und chronische Erkrankungen, höhere Impfquoten und eine gesteigerte Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen – in Bezug auf Gesundheit und Prävention waren Hamburger Kinder bei der Einschulung zuletzt deutlich besser gestellt als zehn Jahre zuvor. Das geht aus einem Bericht der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hervor, der auf knapp 26.300 Schuleingangsuntersuchungen in den Jahren 2013 und 2014 beruht. Es ist die zweite derartige Studie in der Hansestadt – die erste war 2007 erschienen und basierte auf den Jahrgängen 2004 und 2005.

„Es gibt aber auch schlechte Nachrichten“, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), die den Bericht am Donnerstag vorstellte. „Nicht alle Kinder haben die gleichen Chancen, gesund aufzuwachsen.“ So seien Kindern aus sozial schlechter gestellten Familien, Kinder von Alleinerziehenden und Kinder mit Migrationshintergrund häufiger Gesundheitsrisiken ausgesetzt und zeigten auch häufiger Anzeichen für eine schlechtere Gesundheit. Diese Zusammenhänge seien allerdings nicht typisch für Hamburg, sondern hätten sich schon mehrfach in bundesweiten Studien gezeigt, sagte Prüfer-Storcks.

Informationen über einen Migrationshintergrund werden in Hamburg seit 2011 bei den Einschulungsunter­suchungen erhoben. Ein Migrationshintergrund liegt etwa vor, wenn das Kind und mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren sind. Das trifft in Hamburg auf jedes dritte einzuschulende Kind zu, in Hamburg-Mitte und Harburg auf jedes zweite Kind.

Die Ergebnisse im Detail:

Allgemeinbefinden

Im Vergleich zu 2004 und 2005 litten in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt weniger Kinder unter Bauchschmerzen (3,7 Prozent, früher 4,8 Prozent), Kopfschmerzen (1,9 vs. 2,7 Prozent) und Schlafstörungen (1,4 vs. 2,2 Prozent). Kinder von Alleinerziehenden allerdings klagten häufiger über solche Beschwerden, etwa über Kopfschmerzen (4,8 Prozent).

Impfschutz

Diphtherie, Hepatitis B, Polio – gegen diese und weitere Erkrankungen waren bei der Einschulung 2013/2014 mehr Kinder geschützt als zehn Jahre zuvor. Verbesserungen zeigten sich vor allem beim Impfschutz gegen Masern, Mumps und Röteln. Die Masernimpfquote wurde von rund 75 auf 93 Prozent gesteigert. Kinder mit Migrationshintergrund haben einen besseren Impfschutz als Kinder ohne Migrationshintergrund, etwa gegen Hepatitis B. Vermutlich liege dies daran, dass solche Familien in ihren Heimatländern stärker mit bestimmten Krankheiten konfrontiert seien, sagte Cornelia Prüfer-Storcks.

Insbesondere beim Impfschutz gegen Masern offenbart die Studie große Unterschiede je nach Stadtteil: In Ottensen, Rotherbaum und im Norden in den sogenannten Walddörfern (etwa Lemsahl-Mellingstedt und Duvenstedt) waren zuletzt nur 82 bis 88 Prozent der einzuschulenden Kinder gegen Masern geimpft; in Rothenburgsort und Billstedt dagegen 93 bis 95 Prozent und in Wilhelmsburg 95 bis 100 Prozent.

Mit Blick auf den geringeren Impfschutz in einigen Stadtteilen sprach Cornelia Prüfer-Storcks von einem „Mittelschichtsphänomen“: „Einige Eltern überschätzen völlig die Risiken und Nebenwirkung einer Impfung und unterschätzen stark, was es bedeuten würde, wenn ihr Kind die Krankheit durchmachen würde“, sagte die Senatorin. „Wir dürfen nicht nachlassen, darauf hinzuweisen, dass Impfen die beste Möglichkeit ist, Kinder vor Krankheiten zu schützen.“

Vorsorgeuntersuchungen

Im Vergleich zu 2004 und 2005 hatten zehn Jahre später mehr Kinder an allen Früherkennungsuntersuchungen (U1 bis U9) teilgenommen. Dies trifft insbesondere auf die Untersuchungen ab U7 zu. So stieg die Teilnahmequote bei der U7 von knapp 88 auf fast 93 Prozent. Kinder mit Eltern, die einen niedrigeren Berufsstatus aufweisen, nehmen allerdings seltener an Vorsorgeuntersuchungen teil; das Gleiche gilt dem Bericht zufolge für Kinder mit Migrationshintergrund.

Übergewicht und Fettleibigkeit

Vor zehn Jahren waren noch etwa zwölf Prozent der Kinder von Übergewicht betroffen; 2013/2014 hatten nur noch rund zehn Prozent der Kinder Übergewicht. Kinder von Eltern mit niedrigem Berufsstatus hatten häufiger Übergewicht (rund 16 Prozent) als Kinder von Eltern mit höherem Berufs­status (4,6 Prozent). Kinder mit Migrationshintergrund waren deutlich häufiger von Übergewicht und Fettleibigkeit betroffen (16 Prozent) als Kinder ohne Migrationshintergrund (8 Prozent).

Chronische Erkrankungen

Gegenüber 2004 und 2005 litten zehn Jahre später weniger Kinder unter Asthma (3,5 vs. 4,2 Prozent), Neurodermitis (6 vs. 9,1 Prozent) und Hautallergien (3,9 vs. 6,8 Prozent).

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks sagte, sie erhoffe sich von mehreren Projekten weitere Verbesserungen. Sie verwies etwa auf das neue Einladungswesen, das 2014 vom Senat verabschiedet wurde. Seitdem werden jährlich die Eltern von etwa 33.000 Kindern in Hamburg per Anschreiben zur Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen U6 und U7 eingeladen. Die Kindergesundheit ver­bessern soll auch das Programm „Migranten für Migranten“ (MiMi). Dabei werden Migranten zu Mediatoren ausgebildet, um ihren Landsleuten das deutsche Gesundheitssystem nahezubringen. Auf weitere Stadtteile übertragen werden könnte ein Programm, das seit 2012 in Rothenburgsort erprobt wird. Dort sollen 25 Akteure – vom Gesundheitsamt über Kinderärzte bis zu Sportvereinen – für eine lückenlose Betreuung sorgen.