Hamburg

Bürgermeister will Touristen über die Stadt verteilen

Damit die Hamburger sich nicht „fremd in ihrer eigenen Stadt“ fühlen – beispielsweise in der Schanze – sollen die Touristenströme entzerrt werden

Damit die Hamburger sich nicht „fremd in ihrer eigenen Stadt“ fühlen – beispielsweise in der Schanze – sollen die Touristenströme entzerrt werden

Foto: Marcelo Hernandez / HA

2025 werden mehr als 18 Millionen Übernachtungen in Hamburg erwartet. Olaf Scholz will Besucher an noch weniger populäre Orte locken.

Hamburg.  Der Tourismus in Hamburg wächst und wächst. Bis Ende des Jahres werden es 12,6 Millionen Übernachtungen sein und damit rund fünf Prozent mehr als 2014. Diese Zahlen sind allerdings noch harmlos gegen das, was die Elbmetropole erwartet: Nach Abendblatt-Informationen geht die Stadt davon aus, dass die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2025 in Hamburg schon bei mehr als 18 Millionen liegen wird.

Auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ist sich der großen Bedeutung dieser Branche – von der rund 100.000 Arbeitsplätze abhängen und ein Bruttoumsatz von mehr als sechs Milliarden Euro generiert wird – bewusst.

Bei einer Veranstaltung des Tourismusverbands Hamburg am Mittwoch im Hotel Atlantic machte Scholz deutlich, vor welchen Herausforderungen die Stadt und vor allem auch die rund 1,8 Millionen Einwohner stehen: „Die Hamburger sind gute Gastgeber, aber manchmal ist ihnen die Bude einfach zu voll.“ Dem Bürgermeister ist wichtig: „Bei allem Streben nach Wachstum müssen wir darauf achten, dass die Bürger nicht anfangen, sich in Teilen der eigenen Stadt fremd zu fühlen.“

Deshalb will der Bürgermeister, dass die „Tourismusströme“ dort „entzerrt werden“, wo sie drohen „zur Belastung“ zu werden.

Mit Blick auf das weitere Wachstum arbeitet die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) aktuell an einem nachhaltigen Tourismuskonzept, das sich mit der Verteilung der Gäste in der Stadt und der Region beschäftigt.

Zurzeit hat Hamburg mehr als 52.300 Hotelbetten

Dazu HHT-Chef Dietrich von Albedyll: „Ziel ist es, die Touristen auch für die vielen anderen sehenswerten Orte in Hamburg zu begeistern, die bislang noch nicht so populär sind.“ Von Albedyll erklärte weiter: „Nur so können Hotspots wie zum Beispiel die Landungsbrücken oder auch Szeneviertel wie St. Georg oder die Schanze von dem Besucherandrang entlastet werden, bevor es für die Einheimischen zu einer Belastung wird.“

Zurzeit hat Hamburg mehr als 52.300 Hotelbetten. Zahlreiche weitere Projekte werden realisiert, aber Bürgermeister Scholz ist das zu wenig: „Trotz zahlreicher Neueröffnungen brauchen wir mehr Hotelbetten. Wir hatten schon Engpässe bei Großveranstaltungen, die uns zwangen, lukrative Messe- oder Kongressanfragen abzulehnen, und das darf nicht sein.“ Der Bürgermeister zieht nun Konsequenzen: „Die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung wird deshalb die Zahlen zu Angebot und Bedarf erheben, damit wir eine Datengrundlage für den Bau neuer Hotels haben.“

Die Hansestadt ist bekannt für ihre Großveranstaltungen. Der Hafengeburtstag, die Harley Days oder diverse Sportveranstaltungen locken ein Millionenpublikum an. Für den Tourismus seien sie wichtig, weil sie zur Auslastung der Hotels beitragen, zahlungskräftige Gäste in die Stadt bringen und eine fantastische Hamburg-Werbung seien, so Bürgermeister Scholz. Doch dem Spitzenpolitiker ist bewusst: „Niemand wird auf der anderen Seite bestreiten, dass so große Events auch Belastungen für die Anwohner mit sich bringen“, sagte er. „Aber wir reduzieren diese, wo es geht, etwa indem wir die Konzentration auf die Innenstadt lockern und andere Stadtteile mit einbeziehen.“

Seit Jahren ist es ein Thema, dass Hamburg zwar immer mehr Übernachtungen generiert, die Zahl der internationalen Gäste aber weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleibt. Deshalb setzt der Bürgermeister nun auf die Elbphilharmonie, die 2017 eröffnet werden soll. Die Elbphilharmonie sei beileibe nicht die einzige Investition der Stadt in ihre Anziehungskraft, aber dabei doch die Prominenteste, so Scholz. In Bezug auf das neue Hamburger Wahrzeichen scheut der Bürgermeister nicht den Vergleich mit dem Eiffelturm in Paris oder dem Brandenburger Tor in Berlin.

Diese weltweite Leuchtkraft sei wichtig, weil Hamburg trotz positiver Entwicklung in der internationalen Wahrnehmung noch immer eine „Second City“ sei. Wenn man die Zahl der internationalen Gäste betrachtet, liegt Hamburg laut Scholz noch deutlich hinter Berlin, München und Frankfurt und erst recht hinter Paris, Wien und Barcelona.

Geplantes „Welcome Center“ muss an einen anderen Ort in der Innenstadt

Das gilt wohl auch dafür, wie Hamburg seine Gäste empfängt. Noch immer gibt es keine repräsentative Tourismusinformation im Herzen der Stadt. Wie berichtet, sollte diese auf dem Rathausmarkt entstehen. Das sogenannte Welcome Center sollte baulich in die denkmalgeschützten grünen Pavillons in­tegriert werden. Aber dort ist offensichtlich zu wenig Platz, um das Vorhaben nach den Vorstellungen der HHT und ihrer Partner umzusetzen. Deshalb wird es keine Tourismusinfo auf dem Rathausmarkt geben. Dem Abendblatt bestätigte Bürgermeister Scholz am Mittwoch, dass man sich wohl nach einem neuen Ort in der Innenstadt umsehen müsse.