Hamburg

Nachhaltige Spiele für die Welt

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium: Olympische Spiele sind ein Zeichen gegen Hass, Intoleranz und Zerstörung

Die Hamburger und Kieler haben die Wahl. Sie entscheiden darüber, ob Deutschland sich mit den Städten Hamburg und Kiel weiterhin um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 bewerben wird. Ich hoffe, sie werden es tun und damit den Weg öffnen für fröhliche, faire, nachhaltige Spiele in Deutschland. Ich bin davon überzeugt, wir können damit ein großartiges Zeichen setzen: für den Sport, für einen nachhaltigen und respektvollen Umgang mit unserem Planeten und gegen Hass, Intoleranz und Zerstörung!

Die Mitbewerber um die Spiele sind ebenfalls großartige Städte: Paris, Rom, Los Angeles, Budapest. Hamburg kann sich diesem Wettbewerb selbstbewusst stellen. In den vergangenen Jahren wurde häufig kritisiert, dass bei der Planung und Durchführung von Sportgroßveranstaltungen kein nachhaltiger Ansatz verfolgt wurde. Ein Extrembeispiel hierfür sind die „weißen Elefanten“, die nach der Veranstaltung nicht oder kaum mehr genutzt wurden.

Das Internationale Olympische Komitee hat mit seiner Agenda 2020 einen Schwerpunkt auf gut durchdachte, nachhaltige Konzepte für die Spiele gelegt. An diesem Anspruch müssen sich auch die übrigen Bewerbungen messen lassen. Vor einigen Wochen habe ich mir die Planungen detailliert darlegen lassen. Mich haben die Arbeiten an den Bewerbungsunterlagen sehr überzeugt, weil deren Hauptaugenmerk auf einer nachhaltigen Planung und entsprechenden Umsetzung der Spiele ausgerichtet ist.

Dies bietet aus umweltpolitischer wie auch aus städtebaulicher Sicht nicht nur für die Bewerberstädte, sondern auch in ganz Deutschland große Chancen für die ökologische Gestaltung einer Stadt. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass der in der Bewerbung formulierte Ansatz konsequent verfolgt wird und zudem Modellcharakter hat. Dann können die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 zum internationalen Vorzeigeprojekt werden.

Für die Bewerbung wurde ein Konzept ausgearbeitet, das die drei Aspekte der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales – berücksichtigt und in alle Planungsbereiche der Spiele hineinreicht. Die darin als verpflichtend formulierten Leitlinien bieten einen soliden Rahmen für eine nachhaltige Gestaltung. Über das Umweltscreening zur Auswahl der Sportstätten wird eine Kompensation der flächenbezogenen Eingriffe ermöglicht.

Dieser Ansatz der maximalen Schonung von Ressourcen muss fortgeführt werden – etwa bei der weiteren Umsetzung zahlreicher Infrastrukturvorhaben im Bau- und Verkehrsbereich, aber beispielsweise auch beim Abfallmanagement und der Energieversorgung. Zentral ist es ebenfalls, die Nachnutzungskonzepte im Blick zu behalten und somit dem langfristigen Nutzungsschwerpunkt aller entstehenden Infrastruktur Rechnung zu tragen.

Es ist gut, dass sich Hamburg für die Umsetzung klimaneutraler Spiele entschieden hat. Dies beinhaltet, die Energieversorgung größtenteils durch erneuerbare Energien zu gewährleisten, ein Höchstmaß an Energieeffizienz zu realisieren und den nicht vermeidbaren Teil der Treibhausgasemissionen durch Klimakompensationsprojekte sowie einen Klimaschutzfonds auszugleichen. Eine umfassende Klimakompensation mit internationaler Anerkennung ist die Grundvoraussetzung für die Durchführung der Spiele.

Attraktiv ist auch die Idee, die OlympicCity mit dem olympischen Dorf und den zentralen Sportstätten als „Schaufenster für Nachhaltigkeit“ zu konzipieren. Auf dem Kleinen Grasbrook soll ein neuer Stadtteil entstehen, der auch nach den Olympischen Spielen seine besondere Strahlkraft als Modell für eine nachhaltige Stadtentwicklung erhält. Zugleich entstünde durch die Erschließung des Kleinen Grasbrooks die seit Langem angestrebte Anbindung der Bereiche südlich der Elbe an das Hamburger Zentrum.

Mit den im Nachhaltigkeitskonzept formulierten Zielen hätte Deutschland die Gelegenheit, sein Profil als Vorreiter beim Umwelt- und Klimaschutz weiter zu schärfen und den zukünftigen internationalen Standard für Sportgroßveranstaltungen entscheidend zu prägen.

Vom aktuellen Terror dürfen wir uns nicht einschüchtern lassen. Die olympische Idee eines friedlichen Wettstreits zu unterstützen und für ein faires, sportliches Miteinander von Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt zu stehen, ist heute wichtiger denn je. Deutschland hat bereits mit der Austragung der Fußballweltmeisterschaft gezeigt, dass es ein freundlicher und weltoffener Gastgeber ist. Wir dürfen die Welt nicht den Hasserfüllten überlassen, nicht den Spaltern, sondern den Zukunftsgestaltern und Brückenbauern!