HafenCity

Wie die Spiele Barcelona mit dem Meer verbanden

Die Licht- und Schattenseiten von Olympia 1992 – und ein Vergleich mit Hamburg

HafenCity.  Die Bürger von Barcelona wurden nicht nach ihrer Meinung gefragt, als sich ihre Stadt vor 30 Jahren um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1992 bewarb. Würde man es nachholen, Marisol García vermutet, es gäbe nur sehr wenige Gegenstimmen. „Olympia war ein Beschleuniger für die Entwicklung der Stadt“, sagte die Stadtsoziologin von der Universität Barcelona bei einem Vortrag in der HafenCity-Universität. Thema: „Barcelona: das Vorbild für erfolgreiche Spiele?“ Alles in allem muss die Antwort darauf wohl lauten: Ja.

Der Plan, die in der Franco-Zeit heruntergekommene Innenstadt wiederzubeleben, geht bereits auf das Jahr 1979 zurück. Das Modell hierfür entwickelte der Stadtplaner Joan Busquets: Demnach sollten in der katalanischen Metropole mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern zehn Unterzentren entstehen. Die Spiele wurden zum Motor dieses Masterplans – aber sie waren laut García eben nur ein Teil davon, denn die Stadterneuerung hat 1992 nicht aufgehört. Die Investitionen sind später sogar deutlich gestiegen.

Parallelen zu Hamburg, wie Barcelona eine zweitgrößte Stadt im Land, drängen sich beim olympischen Dorf auf: Ein zuvor industriell genutztes Gelände unmittelbar am Wasser wurde in ein Wohngebiet umgewidmet. Dies habe, neben der Verlegung der Küsteneisenbahnlinie unter die Erde und dem Bau einer Umgehungsstraße, dazu geführt, „dass die Stadt wieder mit dem Meer verbunden wurde“.

Diesem Umstand habe Barcelona seinen heutigen touristischen Reiz zu verdanken – wie auch den Kunst- und Architekturdenkmälern, die seither entstanden sind. Die Zahl der dauerhaften Jobs, die die Spiele in die Stadt brachten, wird auf 20.000 geschätzt.

Allerdings seien auch negative Folgen spürbar. Die Quadratmeterpreise haben sich von 1996 bis 2008 auf bis zu 6000 Euro vervierfacht. Den Preis für den gestiegenen Lebensstandard zahlte die alteingesessene Bevölkerung. Sie wurde durch wohlhabendere Schichten verdrängt. Dämpfende Maßnahmen gegen Gentrifizierung, wie sie Hamburg plant – ein Drittel der Wohnungen im Dorf sollen gefördert werden –, gab es nicht. In Spanien liegt der Anteil sozialen Wohnungsbaus bei nur zwei Prozent. „Das wirft einen Schatten auf die Entwicklung“, sagte García.

Insgesamt aber hätten die Spiele ihre Stadt enorm aufgewertet. Wobei man mit Vergleichen vorsichtig sein müsse: „Barcelona war 1986 nicht so schön, wie Hamburg heute ist.“

Die Reihe „Olympia als Chance und Risiko für die Stadtentwicklung“ der HafenCity-Universität wird am 8. Dezember (18 Uhr) mit einem Vortrag von Martin Müller (Zürich) zu den Spielen in Sotschi fortgesetzt.