Hamburg

Sag niemals noch nie

Eine der schicksalhaftesten Eigenschaften des Menschen ist seine Unfähigkeit, einfach mal die Klappe zu halten, wenn ihm positive Gedanken durch den Kopf schießen. Nehmen wir zum Beispiel Paul (meinen guten Bekannten, Sie wissen schon): Vergangenen Montag, auf der turnusmäßigen Sitzung des Hammer Rats der Weisen, trompetete er geradezu beseelt heraus, dass er sich mit seiner neuen Freundin in zehn Monaten noch nie gestritten habe. Nun ja, am Donnerstag machte sie dann leider Schluss mit ihm.

Und natürlich können wir uns alle auch noch gut an den vergangenen März erinnern, als Paul – was ja selten genug passiert – eine Runde Mexikaner schmiss – für 20 Jahre unfallfreies Fahren. Drei Stunden später krachte ein Betrunkener ungebremst in seine alte Möhre, als er sich auf dem Heimweg befand. Zum Glück passierte ihm damals nichts, aber sein Auto war ein Fall für die Schrottpresse.

Dieses Phänomen nennt die Wissenschaft „NSSEP“, die Abkürzung für „Negative sich selbst-erfüllende Prophezeiung“. Ja, es gibt sie wirklich, diese rätselhafte, paranormale, spirituelle aber leider noch ziemlich unerforschte Verbindung zwischen den Gehirnströmen des Menschen, seinem Lebensumfeld – und dem Wörtchen „nie“.

Sagen Sie zum Beispiel laut „Ich musste noch nie Antibiotika einnehmen!“. Schon verwandelt sich Ihr harmloser Novemberhusten in eine Lungenentzündung. Oder Sie loben Ihre Waschmaschine, dass die noch nie kaputtgegangen sei. Wetten, dass bei Ihrer Rückkehr nach Hause die Küche unter Wasser steht, weil der Wasserschlauch geplatzt ist? Extrem gefährlich ist jedoch dieser Satz: „Ich fahre jetzt schon seit 40 Jahren Ski und habe mir noch nie was gebrochen!“ Nein: Sagen Sie jetzt bitte nichts. Und wenn doch, dann sagen Sie lieber: „Ich habe noch nie im Lotto gewonnen.“