Hamburger Versandhändler

Zu wenige Nutzer: Otto stellt Smartphone-Bezahldienst ein

Otto-Konzernchef
Hans-Otto
Schrader
ist dabei, sich
von unrentablen
Aktivitäten zu
verabschieden, um
insgesamt wieder
in die Gewinnzone
zu kommen. Jetzt
triftt es Yapital

Otto-Konzernchef Hans-Otto Schrader ist dabei, sich von unrentablen Aktivitäten zu verabschieden, um insgesamt wieder in die Gewinnzone zu kommen. Jetzt triftt es Yapital

Foto: Sven Hoppe / dpa

Handelskonzern gibt Tochtergesellschaft Yapital weitgehend auf. 90 Mitarbeiter in Hamburg und Luxemburg müssen gehen.

Hamburg.  Als der Hamburger Otto-Konzern im Sommer 2011 mit seiner Tochtergesellschaft Yapital an den Start ging, da hatte der Vorstand große Pläne. Nicht weniger als den Bezahlvorgang beim Einkaufen wollte das Unternehmen revolutionieren. Statt mit Bargeld sollten die Kunden in normalen Läden mit dem Smartphone bezahlen können, die Lösung sollte zugleich aber auch in diversen Shops im Internet funktionieren.

Doch gut viereinhalb Jahre später stampft der Handels- und Dienstleistungkonzern den mit einem zweistelligen Millionenbetrag finanzierten Service weitgehend wieder ein. Yapital werde mit Wirkung zum 31. Januar 2016 vom Endkundenmarkt genommen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. 70 Mitarbeiter in Hamburg und 20 in Luxemburg verlieren ihren Arbeitsplatz. Lediglich zehn Beschäftigte sollen sich weiter um Bezahllösungen für andere Firmen kümmern.

Der Grund für den Rückzug: Die Hamburger konnten zwar Einzelhändler wie Görtz oder Rewe als Partner gewinnen, haben aber nicht genügend Nutzer von ihrem Bezahldienst überzeugen können, um das Projekt profitabel zu machen. „Die Geschäftsentwicklung und vor allem die Entwicklung der Endkundenzahl ist in diesem Bereich zum aktuellen Zeitpunkt schlicht nicht kalkulierbar“, sagt Yapital-Chef Marc Berg. „Bereits vor drei Jahren sprach man vom Mobile-Payment-Durchbruch, und dennoch gibt es heute laut Studien gerade einmal 200.000 Nutzer in Deutschland.“ Yapital selbst soll zuletzt weniger als 100.000 Nutzer gehabt haben, für ein tragfähiges Geschäftsmodell wären hingegen drei bis fünf Millionen erforderlich gewesen.

Das Aus für das Tochterunternehmen hatte sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet. Fieberhaft hatte Yapital-Chef Berg mit verschiedenen Partnern verhandelt, um die Kundenbasis zu vergrößern. Doch Interessenten wie etwa die Sparkassen-Finanzgruppe hatten nach ersten Verhandlungen abgewinkt. „Wir waren bis zuletzt optimistisch, aber leider hat es letztlich nicht gepasst“, sagt Berg. Die Luft für Yapital war im Otto-Konzern auch deshalb dünn geworden, weil sich Unternehmenschef Hans-Otto Schrader dauerhafte Verlustbringer nicht mehr leisten kann und will. Nachdem der Versandhändler im Geschäftsjahr 2014/15 erstmals einen Vorsteuerverlust von 125 Millionen Euro ausweisen musste, hatte Schrader diverse unrentable Tochtergesellschaften auf den Prüfstand gestellt. Der Konzern hat auch schon kleinere Modemarken in Frankreich sowie die Tochter Otto Office abgestoßen.

In dem noch überschaubaren Markt für Online-Bezahldienste wollen unter anderem der US-Pionier Paypal, die Zahlungsplattformen Mastercard und Visa mitmischen. Die deutschen Banken bringen nach langer Vorbereitung ihr eigenes System für Online-Zahlungen Paydirekt an den Start. Zudem dürften die Smartphone-Bezahldienste von Apple und Samsung mit der Zeit auch nach Deutschland kommen.

Noch ist das Bezahlen per Smartphone eher umständlich

In Hamburg hatte im August vergangenen Jahres die Deutsche Telekom ihre Smartphone-App myWallet (zu Deutsch: meine Geldbörse) vorgestellt, über die sich unter anderem bei Karstadt, beim Juwelier Christ oder McDonald’s bezahlen lässt. Die Telekom setzt dabei auf die sogenannte Nahfeldkommunikation (Near Field Communication, kurz NFC), über die aktuelle Smartphones Kontakt zu den Bezahlterminals in den Geschäften aufnehmen können. Otto hatte für Yapital hingegen QR-Codes verwendet, die beim Bezahlen eingescannt werden sollten.

Grundsätzlich kranken alle Smartphone-Bezahlsysteme allerdings daran, dass sie nur begrenzt verbreitet sind und dass die Nutzer viele persönliche Daten wie etwa die Bankverbindung von sich preisgeben müssen. Hinzu kommt, dass die Deutschen besonders stark am Bargeld hängen und generell skeptisch sind, wenn es um die Einführung neuer Bezahlmethoden geht.