Casa Alfredo

Polizei: Ercan D. könnte Koch mit Schutzgeld erpresst haben

Die Polizei hat in dem Restaurant Casa Alfredo an der Kirchenallee in St. Georg am Mittwochabend eine im Fußboden einbetonierte Leiche gefunden.

Die Polizei hat in dem Restaurant Casa Alfredo an der Kirchenallee in St. Georg am Mittwochabend eine im Fußboden einbetonierte Leiche gefunden.

Foto: Michael Arning

Nach Fund eines Erschossenen im Restaurant Casa Alfredo geht die Polizei davon aus, dass der 49-Jährige die Waffe selbst mitbrachte.

St. Georg.  Nach dem Fund der Leiche im Restaurant Casa Alfredo an der Kirchenallee ist gegen den Koch, 51, und Namensgeber der Gaststätte Haftbefehl wegen Totschlags erlassen worden. Dem Mann wird vorgeworfen, den 49 Jahre alten Ercan D. erschossen und im Boden des im Souterrain liegenden Restaurants versteckt zu haben. Bei der Mordkommission schließt man nicht aus, dass der 51-Jährige, der als Betreiber der Gaststätte auftritt, Ercan D. tötete, weil dieser von ihm Schutzgeld erpressen wollte.

Es ist die Vita des 49 Jahre alten Türken, die die Polizei zu der These bringt. Wegen Schutzgelderpressung hatte Ercan D. bereits in Untersuchungshaft gesessen. Auch sonst galt der Mann bei den Sicherheitsbehörden als Krimineller. Gegen ihn hatte es in der Vergangenheit zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Delikte, darunter Raub, gegeben. Der Tatverdächtige Alfredo S. wirkt gegen das Opfer wie ein „Unschuldslamm“. Er war zwar mal wegen „kleinerer Delikte“ in der Vergangenheit aufgefallen. Ein Krimineller, der echte Verbrechen begeht, war er nicht annähernd.

2011 wurde das Restaurant eröffnet. Seitdem stand Alfredo S. dort hinter dem Herd und bekochte die Gäste mit mediterranen Spezialitäten. Der Portugiese war lange in Italien und Frankreich gewesen und hatte, so erzählen ehemalige Gäste, viele Rezepte und Kochkniffe von dort mitgebracht. Der Laden lief, sagen Anwohner. Neben den Gerichten wurden im Casa Alfredo auch Kurse und kleine Koch-Events angeboten.

Ercan D. war Ende September verschwunden. Seine Brüder, bei denen er sich in Wilhelmsburg oft aufhielt, hatten ihn am 9. Oktober als vermisst gemeldet. Sie selbst suchten auch. Im Bereich des Hauptbahnhofs klebten sie selbstgemachte Handzettel an Laternenmasten, die ein Bild von Ercan D. in Trainingsjacke und Jeans zeigen, der dort mit seinem Spitznamen „Cincin“ genannt wird. Einer dieser Zettel wurde sogar direkt vor dem Casa Alfredo an einem Mast angebracht und mit Klebeband fixiert.

Bei der Polizei war der Fall zunächst als reine Vermisstensache behandelt worden. Weil aber die Angehörigen steif und fest dabei blieben, dass „Cincin“ nicht einfach verschwinden und den Kontakt zu ihnen abbrechen würde, übernahm die Mordkommission den Fall. Dort kam man schnell auf das Restaurant an der Kirchenallee. Es soll der letzte bekannte Aufenthaltsort des 49-Jährigen gewesen sein.

Brachte Ercan die Waffe selber mit?

Nachdem Alfredo noch auf der Facebook-Seite postete, „Neuer Boden im Casa! Kommt und überzeugt Euch selbst. Eure Füße werden begeistert sein“, drängte sich bei den Ermittlern der Verdacht auf, dass der Verschwundene darunter zu suchen ist. Die Staatsanwaltschaft erwirkte einen Durchsuchungsbefehl. Am Mittwochvormittag rückte die Mordkommission mit Leichenspürhunden und schwerem Gerät der Bereitschaftspolizei an. Die Hunde erschnüffelten sofort den Toten.

Der lag mehr als 30 Zentimeter tief in dem feuchten, lehmigen Boden, der mit einem Kalkgemisch aufgefüllt worden war. Kurz nachdem die Polizei angefangen hatte zu graben, stieg bereits Leichengeruch auf.

Die Obduktion ergab am Donnerstag, dass Ercan D. durch einen einzigen Kopfschuss getötet wurde. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Alfredo S., so hieß es in Polizeikreisen, will die Waffe versenkt haben.

Es wird nicht ausgeschlossen, dass das Opfer die Schusswaffe selbst mit in das Restaurant gebracht hatte, Alfredo S. in ihren Besitz gelangte und den tödlichen Schuss abgab. Hätte der Mann sich die Waffe vorsätzlich besorgt und geplant den 49-Jährigen zu töten, hätte der Haftbefehl auf Mord und nicht Totschlag gelautet.