Harburg

Wenn ein Wassertropfen zu einem ganzen Labor wird

Vassiliki (v.l.)
Miriam und Laura
von der katholischen
Stadtteilschule
Harburg
kennen sich aus mit
Tröpfchenexperimenten

Vassiliki (v.l.) Miriam und Laura von der katholischen Stadtteilschule Harburg kennen sich aus mit Tröpfchenexperimenten

Foto: Klaus Bodig / HA

Harburg.  Ein Tropfen genügt, um Großes zu bewirken. Kevin, elf, schiebt ein kleines Stückchen süßes Brot in einen Tropfen Jodlösung. Er möchte so herausfinden, ob das Brot Stärke enthält. Weil es sich in der Jodlösung schwarz färbt, ist der Beweis für Stärke erbracht. Das Experiment passt auf einen Tropfenobjektträger, der nur ein paar Zentimeter lang ist. Die Färbung des Brotes lässt sich erst durch ein Vergrößerungsglas richtig erkennen.

Für seinen naturwissenschaftlichen Unterricht hat Chemie- und Biologielehrer Stephan Matussek von der katholischen Stadtteilschule Harburg eine völlig neue Experimentiertechnik entwickelt, die bereits deutschlandweit von anderen Schulen kopiert wird – das „Lab in a drop“. Wenn ein Wassertropfen zum Labor wird.

Statt große Mengen an Wasser und Chemikalien in Reagenzgläsern zu vermischen, um den Anteil von Stärke in Lebensmitteln festzustellen, um Salzsäure zu neutralisieren oder um den Zucker im Brötchen nachzuweisen, kommt Lehrer Matussek bei seinem Unterricht mit jeweils einem Tropfen aus. Und bei Feststoffen genügen kleine Kristallkörner. Eine Revolution des Chemieunterrichtes sei das. Denn: „Das Gefäß ist der Tropfen, nicht das Reagenzglas. Wir erreichen eine 100 bis 1000-fache Verringerung des Verbrauches an Wasser und der Chemikalien um den Faktor drei bis vier“, sagt Matussek. In Sachen Nachhaltigkeit liegt er damit ganz weit vorn. Sondermüll fällt keiner mehr an, weil sich die paar Tropfen einfach wegspülen lassen.

Schüler entwickeln mit ihrem Lehrer Versuche im Miniformat weiter

Die chemischen Reaktionen bleiben dieselben: Auch bei geringen Mengen entstehen Knallgase oder stinkender Schwefelwasserstoff. Unter der Lupe lässt sich sogar alles noch besser erkennen. Seine Schüler experimentieren schon seit mehr als fünf Jahren mit der Methode „Lab in a drop“ und haben mehr als 100 Versuche gemeinsam mit ihrem Lehrer entwickelt. Schülerinnen wie Miriam, Laura und Vassiliki aus der Oberstufe sind Experten auf diesem Gebiet und bilden ihrerseits inzwischen Lehrer aus. Bei einem dieser Workshops war auch Gesine Liese, Leiterin der Kinderforscher an der Technischen Universität Harburg dabei, um sich Anregungen zu holen. Lehrer aus Berlin, Bremen, Walsrode erkundigen sich inzwischen bei Stephan Matussek und seinen Schülern nach ihrer Art der Experimente im Mini-Format. Er hat das Unterrichtssystem mit Mikro-Labortechnik aus der Arzneimittelforschung so weit entwickelt, dass er es unter dem Namen „Lab in a drop“ an andere Schulen weitergibt.