Rissen

Honig herstellen, Möbel bauen – Erfolg mit Schülerfirmen

Finnegan Oestmann
(vorn), Niklas
Oestmann (l.) und
Leo Scheel von der
Tischlerei
verschrauben die
Seitenwand für ein
Gartenhaus

Finnegan Oestmann (vorn), Niklas Oestmann (l.) und Leo Scheel von der Tischlerei verschrauben die Seitenwand für ein Gartenhaus

Foto: Klau Bodig / HA

Rissen.  Sie handeln mit Honig, Möbeln und Verpackungen. Außerdem organisieren sie Veranstaltungen, produzieren Texte und Fotos für Jahrbücher und Schülerzeitungen, und sie ernten Kartoffeln und verkaufen Apfelsaft aus eigener Produktion. Fünf Start-ups kann die Stadtteilschule Rissen vorweisen. Ziemlich beeindruckend, vor allem weil die Firmenbetreiber im Schnitt 14 und 15 Jahre alt sind.

Worüber sich manche Designer wochenlang den Kopf zerbrechen, war für Taswell, 16, und seine Mitschüler eine Sache von etwa einer Stunde. Dann wussten sie, wie die schweren Holzmöbel aussehen sollten, die jetzt auf dem Schulhof stehen. Zehn Stück haben sie bereits gebaut.

Viele Lehrer haben noch andere Berufe erlernt und bringen viel Erfahrung mit

Ein Lehrer hat sich gleich Sitze und Bänke für seinen Garten bei den schuleigenen Möbelbauern bestellt. „Die Idee ist, langfristig die Möbel auch an andere Schulen zu liefern“, sagt Dani Jacoby, die Abteilungsleiterin der Jahrgänge 9 bis 11. Für die neunten und zehnten Jahrgänge ist es verpflichtend, sich an den Schülerfirmen zu beteiligen, ihre Produkte und Dienstleistungen zur Marktreife zu bringen.

Sechs Stunden in der Woche sind sie einen Tag lang Firmeninhaber und arbeiten in den Schülerfirmen. Kreativität, Eigeninitiative, Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein werden nebenbei gefördert. Weil viele Lehrer an der Schule zusätzlich andere Ausbildungen haben, bringen sie Fachwissen mit ein. So ist ein Lehrer Hobbyimker – aus der Imker AG ist in den Jahren ein Start-up-Unternehmen geworden. Der Honig, „Rissen Gold“, wird auf dem jährlichen Herbstmarkt verkauft.

Frau Jacoby ist Textildesignern, ein anderer Kollege kommt aus dem metallverarbeitenden Gewerbe. Die Motivation bei den Schülern ist groß, weil sie ihre Dienstleitungen und Produkte nicht für sich anbieten, sondern sie tatsächlich innerhalb und außerhalb der Schule verkaufen. „Jetzt wollen wir versuchen, dass der örtliche Teehändler unseren Honig ins Sortiment aufnimmt“, sagt Bastian, 14. Ihm macht es Spaß, die Bienen zu schützen und den Honig herzustellen und zu verkaufen.

Die Lehrer geben die Start-ups vor, die Schüler bauen sie mit ihren Ideen aus. Ein Rissener Apotheker hatte den Schülern Pappschachteln abgenommen und sie als Geschenkverpackung verkauft. Weitere Aufträge sind in Planung. Und weitere Schülerfirmen sollen in Angriff genommen werden. Dany Jacoby: „Wir wollen mit Flüchtlingskindern Tischtennis-Schläger bauen und uns mehr im sozialen Bereich, in Altenheimen oder im Hospiz engagieren.“ Finanziert werden könnte dieses Engagement wiederum aus den Einnahmen der übrigen Schülerfirmen.