Offshore-Windindustrie

Hamburger Reeder verdienen an Windparks

Ein Mitarbeiter des Windparks alpha ventus erklimmt die Leiter vom Bootshaltepunkt auf das Windrad. Reedereien verdienen am Transport des Personals

Ein Mitarbeiter des Windparks alpha ventus erklimmt die Leiter vom Bootshaltepunkt auf das Windrad. Reedereien verdienen am Transport des Personals

Foto: alpha ventus

Rund 20 deutsche Unternehmen transportieren Anlagenteile oder bringen Mechaniker zu den Rotoren auf See.

Hamburg.  Offshore-Wind boomt. Deutlich mehr als die Hälfte der in deutschen Meereswindparks installierten Leistung kam in diesem Jahr hinzu. Von den regen Bautätigkeiten vor allem in der Nordsee profitieren zahlreiche Küstenstädte, in denen Anlagenkomponenten gebaut, getestet oder verschifft werden. Und auch für die Schifffahrt haben sich neue Geschäftsfelder aufgetan. So schaffen Hamburger Schlepper Material heran, andere Reedereien transportieren Arbeiter in die Windparks und sind Teil einer Rettungskette für potenzielle Unfälle. „Etwa 20 deutsche Reedereien engagieren sich im Offshore-Geschäft“, sagt Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder (VDR).

Die Hamburger Bugsier-Reederei macht mit Zulieferdiensten für die Offshore-Windindustrie heute etwa zehn Prozent ihrer Umsätze, sagt Sven Schröder, der bei der Reederei für das Kerngeschäft Hafenschleppdienste und neue Geschäftsbereiche zuständig ist. „Wenn man die Entscheidung träfe, in Spezialschiffe zu investieren, wäre der Umsatz wesentlich höher. Bis jetzt haben wir uns dagegen entschieden, denn wir beschäftigen deutsche Seeleute zu deutschen Tarifen. Damit haben wir gegenüber Mitbewerbern aus den Niederlanden, Großbritannien, Belgien und Dänemark kaum eine Chance.“

Bugsier-Schlepper sind als küstennahe Zulieferer im Einsatz, transportieren Teile zu den Häfen, in denen die großen Errichterschiffe stationiert sind. Schröder: „Zwei unserer Schlepper bringen seit Monaten Turmsegmente und sogenannte Transition Pieces (Elemente, die das Fundament mit dem Turm verbinden, die Red.) von Rostock und Aalborg nach Esbjerg.“

Vor allem die Schifffahrtsdienste für die Wartung und Reparatur der Anlagen seien für Reedereien „ein interessantes neues Standbein, das unabhängig von konjunkturellen Schwankungen ist“, sagt Christof Schwaner. Jede einzelne Windenergieanlage müsse alle ein bis zwei Wochen inspiziert und gewartet werden. „Für einen Windpark mit 80 Anlagen heißt das, dass Sie zehn Rotoren pro Tag mit zwei Wartungstechnikern anfahren müssen.“

Die ostfriesischen Reedereien Frisia Offshore und Ems Offshore sind im Crew-Transport aktiv, ebenso die FRS Flensburg, die unter anderem auch den „Halunder-Jet“ betreibt, der Hamburg, Cuxhaven und Helgoland verbindet – und von der Insel aus touristische Ausflüge zu einem nahegelegenen Windpark anbietet. Bereits im Oktober 2012 stellte die FRS Windcat Offshore Logistics, ein Joint Venture von FRS mit dem niederländisch-britischen Unternehmen Windcat Workboats, den Katamaran „Windcat 28“ in den Dienst. Er bringt Wartungspersonal von Rostock-Warnemünde zu den 21 Rotoren des Ostsee-Windparks Baltic 1 und kann zwölf Personen aufnehmen.

Das Offshore-Geschäft bietet kleineren Reedereien eine große Chance

Im Dezember 2013 folgte „Windcat 34“, der von Sassnitz aus die Transportdienste zum Windpark Baltic II vor Rügen übernahm. Dort drehen sich 80 Rotoren. „Unser dritter Katamaran ist nun auch bei Baltic II aktiv“, sagt Unternehmenssprecherin Birte Dettmers. Ein weiteres, größeres Schiff für den Crew-Transport sei derzeit in Bau, so Dettmers. Es soll 24 Techniker transportieren können und in der Nordsee eingesetzt werden.

Beim Personaltransport kommen zwei Schiffstypen zum Einsatz: Der kleinere ist quasi ein Wassertaxi, das die Wartungstechniker zu ihren Einsatzorten bringt. Dazu zählen die „Windcats“ der FRS. Die zweite Kategorie sind deutlich größere „Mutterschiffe“ (Accommodation Vessel), die in küstenfernen Windparks operieren. Auf diesen Schiffen können die Techniker auch übernachten. Für die Crew-Transporter mussten neue Regeln geschaffen werden, damit die Fahrzeuge nicht als Passagierschiffe gelten und deren Sicherheitsanforderungen unterliegen. „Schiffe, die mehr als zwölf Personen transportieren, wurden bisher als Passagierschiffe eingeordnet“, sagt Schwaner. „Seit November 2014 gibt es verbindliche nationale Vorschriften für den Transport von Spezialkräften in die Windparks der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ). Die Passagierzahl wurde auf 24 Personen verdoppelt und die neue Kategorie ,industrielles Personal‘ eingeführt – das reduziert die Kosten für die Reedereien und verbessert ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

„Das Offshore-Geschäft biete gerade kleineren Reedereien „eine große Chance, ihr Know-how einzusetzen und damit einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu leisten“, urteilt Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDR. Die Reeder bewegen sich in einem Geschäftsfeld, das mindestens im Bereich Wartung und Instandhaltung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig ist. Denn die Windparks sind auf eine Lebensdauer von mindestens 20, einige auch auf 30 Jahre ausgelegt.