Hamburg

„Stand heute kann sich Hamburg die Bewerbung leisten“

Steuerzahlerbund diskutiert über Vorteile und Risiken einer Olympiakandidatur der Stadt

Hamburg. „Olympia in Hamburg: Lohnendes Investment oder finanzielles Va-banque-Spiel?“ Der Steuerzahlerbund Hamburg hatte diese Frage gestellt, und unter der Moderation Peter Ulrich Meyers, verantwortlich beim Abendblatt für Landespolitik, versuchten im Amerikazentrum Am Sandtorkai Sylvia Schenk (Transparency In­ternational Deutschland), Andreas Dressel (Vorsitzender SPD-Bürgerschaftsfraktion), Norbert Hackbusch (haushaltspolitischer Sprecher der Linken in der Bürgerschaft), Lorenz Palte (Vorsitzender des Bunds der Steuerzahler Hamburg) Antworten zu geben.

Sollte es wirklich bei den 1,2 Milliarden Euro bleiben, die Bürgermeister Olaf Scholz als Obergrenze für die Stadt bei den Olympiaausgaben festgelegt hat, glaubt Palte, „dass Stand heute die Mittel dafür vorhanden sein müssten, ohne dass andere Projekte darunter zu leiden hätten“. Hackbusch sah das wie erwartet kritischer, auch wenn er den vom Senat vorgelegten Finanzreport als „Schritt nach vorn“ bezeichnet. Dennoch sei vieles auf „Treu und Glauben“ aufgebaut, das Zahlenwerk verspreche mehr, als es halte, und nach wie vor sei das Internationale Olympische Komitee (IOC) in der Lage, in die Planungen einzugreifen. „Alles, was sicher scheint, ist damit nicht mehr sicher“, sagte Hackbusch.

Dem widersprach Schenk. Zwar habe das IOC in der Vergangenheit den Kardinalfehler gemacht, den Städten bei der Planung Olympia viel freie Hand zu lassen, und dabei unterschätzt, dass mancher Hang der Ausrichter zur Gigantonomie (Sotschi 2014) negativ auf das Produkt Olympia zurückfalle. Jetzt sei man aber bemüht, die Kostenschraube nach unten zu drehen. Schenk: „Das IOC ist zum Beispiel auf Tokio, Ausrichter der Sommer­spiele 2020, zugegangen und hat Einsparungen von einer Milliarde Euro vorgeschlagen.“ Zudem habe das IOC in Hinblick auf seine Reformagenda 2020 großes Interesse, dass sich Städte wie Hamburg künftig um Olympia bewerben. Diese zu überfordern, würde letztlich alle Anstrengungen zunichte machen, neue Kandidaten zu finden.

Einig waren sich alle Diskutanten, darin, dass es hilfreich wäre, könnte der Bund bis zum Referendum am 29. November klarstellen, welchen Anteil der Kosten er übernehmen will. 6,2 Milliarden Euro stehen bislang im Raum. „Sollte bis Mitte Februar, wenn erste verbindliche Dokumente beim IOC eingereicht werden müssen, keine Verständigung mit dem Bund erzielt sein, wird es keine Hamburger Olympiabewerbung geben“, sagte Dressel.

Strittig in der Runde, auch bei den 100 Zuhörern, war die Frage der Nachnutzung des Olympiastadions. Schenk, ehemalige Weltklasseläuferin über 800 Meter, brachte dabei einen neuen Vorschlag ein: „Nach den Spielen sollten dort nur Wohnungen entstehen und der Innenraum zum Park werden.“ (rg)