Wilhelmsburg

Plakate von München 1972 – Bilder eines besseren Deutschlands

Eine Ausstellung zeigt die Münchner Olympiaplakate von 1972

Wilhelmsburg.  Alles begann mit einer Examensarbeit: Ein einheit­liches Erscheinungsbild für die Olympischen Jugendwinterspiele 2012 in Innsbruck wollte Julia Heitmann schaffen, so, wie es 40 Jahre zuvor Otl Aicher, dem Gestaltungsbeauftragten der Münchner Spiele 1972, auf so besondere Weise gelungen war. „Eher zum Spaß“ ersteigerte Heitmann, 32, eines der Plakate, die Aicher geschaffen hatte – und war von der Farben- und Formensprache fasziniert: „Die geometrischen Herausforderungen haben mich einfach nicht losgelassen.“

Binnen weniger Wochen beschaffte die Hamburger Gestalterin und frühere Leistungsruderin sämtliche 21 Plakate. Sie prägten das Bild der bunten „Regenbogenspiele“, mit dem der NS-Widerständler Aicher der Welt ein neues, weltoffenes Deutschland vorführen wollte, in klarer Abgrenzung zu den politisch missbrauchten Spielen von Berlin 1936. Grundlage war jeweils eine Fotografie, die dann durch Verstärkung der Kontraste und Zugabe bestimmter Farben so verfremdet wurde, dass die Bilder dadurch eine eigentümliche Tiefe und Ausdruckskraft erhielten, die auch heute noch nachwirken.

Heitmanns Privatsammlung ist jetzt in einer Ausstellung im Wilhelmsburger Wälderhaus zu sehen (Am Inselpark 19, mittwochs bis sonntags, jeweils 10 bis 17 Uhr), dazu weitere Memorabilien wie Broschüren, Regenbogensticker und mehrere Exemplare von Waldi, dem bunt gestreiften Maskottchenhund der Spiele.

An diesem Sonntag findet um 15 Uhr eine Bilderführung mit der Kuratorin statt. Anschließend wird der Film „Visions of Eight“ gezeigt, in dem acht Regisseure ihren Blick auf die Spiele in München festgehalten haben, die so fröhlich begannen und durch das Attentat eine tragische Wende erfuhren.

Die Eintrittskarte für das Science Center Wald gilt auch für die Sonderausstellung, die noch bis zum 17. Januar geöffnet ist.