Neueröffnung

Adenauers Enkel kommt mit seiner Mode nach Hamburg

Konrad Adenauers Enkel Andreas mit Frau Gertrudis und Hund

Konrad Adenauers Enkel Andreas mit Frau Gertrudis und Hund

Foto: Adenauer

Der Nachfahre des ersten Bundeskanzlers entwirft Kleidung für die Küste. Jetzt gibt es das Label "Adenauer & Co" auch in Hamburg.

Hamburg.  In die Politik wollte er nicht gehen, obwohl er dank seines Nachnamens für eine politische Karriere prädestiniert gewesen wäre. Sein 1967 verstorbener Großvater war Konrad Adenauer, der 14 Jahre lang als erster Kanzler in der Nachkriegszeit die Bundesrepublik entscheidend prägte. Doch Andreas Adenauer hatte schon als kleiner Junge ein Faible für Mode. Seine Leidenschaft machte er später zum Beruf. Adenauer betreibt derzeit 13 Boutiquen unter dem Namen Adenauer & Co. The German Beach House Company. Nun kommt das Unternehmen mit einer Filiale nach Hamburg.

Noch sieht es nach Baustelle aus. Doch sein 14. Geschäft wird Adenauer an diesem Donnerstag an der Gerhof­straße in der Nähe des Gänsemarkts eröffnen. Die Chefin des neuen Ladens, Anna Carene Frobenius, hat von Adenauer die Lizenz zur Eröffnung von Geschäften in Hamburg erhalten. Sie investiert in ihren ersten Laden einen sechsstelligen Betrag. Mit an Bord sind die Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg, die Haspa als Kreditgeber und der Investor Kai Teute als einer der Geldgeber. Frobenius ist im Einzelhandel bekannt. Sie hat ihre Ausbildung bei dem Unternehmen 7 For all Mankind an der Poststraße mit Auszeichnung bei der Handelskammer absolviert, bekam ein Begabtenstipendium und war unter anderem Ladenmanagerin bei Navyboot. Die Eröffnung weiterer Filialen des Labels Adenauer & Co. in Hamburg schließt sie mittelfristig nicht aus.

Der 53-jährige Adenauer hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Schon in jungen Jahren betrieb er drei Boutiquen. Um diese kümmerte er sich mehr als um sein Studium der Betriebswirtschaftlehre. Der junge Mann zog die Reißleine und schmiss das Studium. Er tingelte mit seinen Kreationen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen als Handelsvertreter, entwarf Bekleidung, die er an Modegeschäfte verkaufte. 2010 gründete Adenauer sein eigenes Unternehmen. „Die Familie hat mir erlaubt, den berühmten Namen für mein Geschäft zu verwenden“, sagt er.

Jetzt will Andreas Adenauer richtig Gas geben. „Wir sehen ein Potenzial in Deutschland von bis zu 120 Filialen. Aber wir wollen besonders bleiben, darum verkaufen wir kaum im Fachhandel“, sagt er. Die Läden werden meist an Partnerbetriebe vergeben, die die Bekleidung des Textilunternehmens verkaufen. Der Umsatz, der derzeit bei zehn Millionen Euro pro Jahr liegt, soll künftig kräftig steigen.

Produktion vor allem in Europa

Seine Mode lässt Adenauer von Nähereien vor allem in Europa (70 Prozent) herstellen. „Wir wollen fair produzieren“, sagt der Firmenchef. Die Betriebe befinden sich in Griechenland, der Türkei, Portugal und Italien. An­dreas Adenauer liebt das Meer, die Sonne und den Wind. „Dazu passt unsere Marke Beach House Company“, sagt er. Wann immer Adenauer Zeit hat, fährt er an die Nord- oder Ostsee, gern auch mal auf eine der Inseln dort – und genießt die frische Brise. Seine Mode passt sich seinen Vorlieben an. Am Arbeitsplatz favorisiert er Anzüge oder Jeans aus eigener Herstellung. Am Strand dagegen greift er zu Sweater, kurzen Hosen, Hoodies, also Kapuzenpullover, Surfer-Shirts und Regenjacken, die er unter dem Namen Adenauer & Co. entwirft. „Das packt man meistens ein, wenn man an die deutsche Küste fährt“, sagt Adenauer aus eigener Erfahrung. Auch Softshelljacken und andere vor Wind schützende Bekleidung hat sein Unternehmen im Outdoor-Sortiment.

„Bei den Entwürfen denke ich an Strandfarben und Sonnenuntergänge“, sagt der Designer, in dessen Mode die Farbe Schwarz nicht auftaucht. Heitere Farben wie Orange und Gelb, Grün und Pink sollen dominieren. „Wir wollen anders, vor allem fröhlicher sein als andere.“ Seine Läden sehen aus wie Strandhäuser mit verwitterten Holzplankenfassaden und urigem Mobiliar. „Wir machen eben die Lieblingsteile fürs Wochenende, für ein entspanntes Lebensgefühl“, so der Modemacher.

Sweatshirts bis 159 Euro, Jeans bis 159 Euro

Vermutlich auch in diesem Jahr wird Adenauer am zweiten Weihnachtstag nach Rhöndorf zum Zennigsweg 8a reisen, wo sein Opa Konrad Adenauer in der Nachkriegszeit gewohnt hat. „Trefft euch nach meinem Tod jedes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag“, soll der CDU-Politiker bestimmt haben. „Bis zu 100 Personen kommen da leicht zusammen“, so der Enkel, der sich stark mit dem Ländlichen verbunden fühlt. Er hat sich in der Eifel mit seiner karibisch-spanischen Frau Gertrudis ein 150 Jahre altes Fachwerkhaus mit Restaurant gekauft und es zum Familiensitz umgebaut.

Mit seiner Kollektion bewegt sich Adenauer im gehobenen Preissegment. Sweatshirts mit dem Schriftzug „Adenauer & Co 1876“, das Geburtsjahr von Konrad Adenauer, kosten 99 bis 159 Euro, Jeans 139 bis 159 Euro.

Auch exklusivere Modehäuser wie Breuninger in Stuttgart und Wöhrl in München vertreiben die Kollektionen aus Meerbusch im Rheinland. „Ich möchte in die Toplagen mit gutem Lebensgefühl – keine Masse“, sagt Adenauer. In Hamburg hat er seine Toplage nun gefunden.