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Fischstäbchen-Hersteller: Wohin steuert Kapitänin Iglo?

FischstäbchenProduktion
von Iglo in Bremerhaven

FischstäbchenProduktion von Iglo in Bremerhaven

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Neue Deutschlandchefin Antje Schubert soll den mehrmals verkauften Fischstäbchen-Hersteller von Hamburg aus wieder voranbringen.

Hamburg.  Mit schwierigen Missionen hat Antje Schubert schon einige Erfahrung: Den Niederländern hat sie in den vergangenen Jahren Fischstäbchen und Tiefkühlkost schmackhaft gemacht und so das Geschäft für ihren Arbeitgeber Iglo kräftig ausgebaut. Nun soll die Managerin neue Ideen für den weitgehend gesättigten deutschen Markt entwickeln. Vor wenigen Tagen hat sie ihr Büro in der AlsterCity, einem gläsernen Hochhaus im Hamburger Stadtteil Barmbek, bezogen und verantwortet von hier aus die Aktivitäten des Tiefkühlkostherstellers in der Bundesrepublik. 1800 Mitarbeiter sind ihr unterstellt, etwa 100 davon in der Hansestadt.

Schubert kennt sich aus in der Nahrungsmittelindustrie, sie hat sich schon für Danone um Babynahrung gekümmert und für den Milka-Hersteller Kraft Foods (heute Mondelez) gearbeitet. Den Iglo-Chefposten übernimmt sie von Francesco Fattori, der nicht einmal eineinhalb Jahre an der Spitze von Iglo Deutschland stand und nun die Geschicke der Schwestermarke Findus in Italien leiten soll. Vor Fattori wurde das Geschäft in der Bundesrepublik ebenfalls von einer Frau, Martina Sandrock, geleitet, die die Gruppe aber im Frühjahr 2014 wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung verließ.

Die häufigen Führungswechsel haben vor allem mit den Veränderungen auf der Eigentümerseite von Iglo, aber auch mit der wechselnden Ausrichtung des Herstellers zu tun. Einst war Iglo Teil des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns Unilever. Der aber wollte sich auf weltweit funktionierende Marken wie Knorr, Langnese-Eis oder Dove konzentrieren und verkaufte daher die durchaus profitable und in Deutschland ausgesprochen beliebte Tiefkühlmarke an den britischen Finanzinvestor Permira für rund 1,7 Milliarden Euro.

Permira wiederum reichte das Unternehmen im Sommer dieses Jahres an Nomad Foods für 2,6 Milliarden Euro weiter. Der neue Eigentümer besteht selbst erst seit April 2014. Die Firma mit Sitz auf der britischen Jungferninsel Tortola wurde von zwei vermögenden US-Investoren als leere Unternehmenshülle einzig zu dem Zweck gegründet und an die Londoner Börse gebracht, um Firmen aus der Nahrungsmittelbranche aufzukaufen und so einen neuen Konzern zu schmieden.

Iglo und die Schwestermarken Birds Eye und Findus dienen dabei als Keimzelle für die weitere Expansion. Auf ganz ähnliche Weise bauten die Investoren auch schon andere Konsumgüterunternehmen wie etwa den US-Konzern Jarden auf, zu dem etwa der bayrische Skihersteller Völkl und andere Outdoormarken wie Marmot gehören, aber auch Kondome von Billy Boy und Putzmittel von Quickie.

In jedem Fall ist Nomad Foods auf massives Wachstum ausgelegt. Aus dem deutschen Markt kann dies von Iglo allerdings nur bedingt kommen, weil die Marke hier schon führend ist und der Markt kaum noch zulegt. 60 Jahre nach Einführung der Tiefkühlkost hat sich die Begeisterung der Bundesbürger für gefrorenen Fisch oder Gemüse etwas abgekühlt. Im vergangenen Jahr stieg der Pro-Kopf-Verbrauch nach Angaben des Deutschen Tiefkühlinstituts noch von 41,6 auf 42,2 Kilogramm, der Umsatz im Einzelhandel stagnierte aber, der Absatz war mit minus 1,1 Prozent sogar rückläufig.

Wie sich Iglo in diesem Umfeld in der Bundesrepublik schlägt, dazu macht das Unternehmen keine Angaben. Insgesamt sank der Umsatz der Gruppe mit ihren Hauptmärkten Großbritannien, Italien und Deutschland 2014 um 1,9 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) stagnierte bei knapp 300 Millionen Euro, wie aus dem zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Das ist eher dürftig, wenn man bedenkt, dass der oberste Iglo-Chef Elio Leoni Sceti Ende vergangenen Jahres noch die Devise ausgegeben hatte, den Umsatz bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Sceti ist im Zuge der Übernahme durch Nomad Foods allerdings auch von Bord gegangen, der neue Vorsitzende der Gruppe, Stéfan Descheemaeker, hat sich zu seinen Plänen noch nicht geäußert.

In Deutschland hat Iglo zuletzt von den früher beliebten Familienpackungen auf Singlegerichte umgestellt, um dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen. Diverse Pfannengerichte vom indischen Curry bis hin zum Pastagericht wurden auf den Markt gebracht. Beim Klassiker Fischstäbchen sind die Hamburger bemüht, dem Herausforderer Frosta Paroli zu bieten, der Iglo im vergangenen Jahr auf dem eigenen Terrain angegriffen hatte.

Nachdem die Bremerhavener versuchten, den Stäbchen mit dem Verzicht auf Zusatzstoffe das Image des ungesunden Fast Foods zu nehmen, hat nun auch Iglo nachgelegt und Stäbchen mit Vollkornpanade auf den Markt gebracht. Auf nachhaltig gefangenen Fisch setzen die Kontrahenten ohnehin schon seit Längerem.

Offen ist noch das Schicksal des rauschebärtigen Käpt’n Iglo, der Werbe­ikone des Konzerns. Nachdem Ex-Chefin Martina Sandrock noch versucht hatte, den Seemann weg von den Fischgerichten auch bei Tiefkühlgemüse vom Acker einzusetzen – was eher mäßig funktionierte – fristete er unter Nachfolger Francesco Fattori ein Schattendasein.

Die aktuelle Chefin Antje Schubert könnte den Käpt’n nun wieder rehabilitieren, wie aus dem Unternehmen zu hören ist. Sie wolle ihn aber auf den Einsatz in seinem angestammten Revier – der See – beschränken.