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Firmen für alle Felle! Der Service für Vierbeiner

Foto: Marcelo Hernandez

Unternehmen wie Leinentausch oder TierHelden bieten Service rund um die Betreuung von Hunden. Viele Internetseiten vermitteln Sitter

Hamburg.  Ausgelassen tollen Holly und Mano über die Wiese im Hohenbuchenpark. Zwischendurch gibt es Leckerli bei Delia, dann ist Ausruhen und Schmusen im Gras angesagt, bevor die beiden Energiebündel wieder loslaufen. Delia Seubert ist Hundesitterin und betreut stunden- und tageweise die Tiere anderer Hamburger. „Wenn die Leute arbeiten müssen, krank sind oder in den Urlaub fahren, kontaktieren sie mich“, sagt die 26-Jährige über ihre Einsätze.

Die junge Mutter ist mit Hunden aufgewachsen, hat Mischling Mano aus schlechten Verhältnissen in Spanien gerettet und kann sich ein Leben ohne die treuen Begleiter nicht mehr vorstellen. Während ihrer Ausbildung in Berlin ist sie auf das Onlineangebot von Leinentausch gestoßen, einem Vermittler von Hundesittern im Internet. „In Berlin ist diese Betreuung schon so alltäglich, dass ständig ganze Busse voller Hunde zu den Auslaufwiesen gefahren werden“, sagt die Tierfreundin und krault Holly die Ohren.

Hundekitas sind in vielen Stadtteilen schon etabliert

Zwar ist der Trend in Hamburg noch nicht so weit verbreitet wie in der Hauptstadt, aber auch an Alster und Elbe werden die Möglichkeiten für Hundehalter, Sitter für ihre Mitbewohner zu finden, immer vielfältiger. Zahlreiche Dienstleister stürzen sich auf den Markt der Vermittlung von Hundebetreuern, dazu gibt es in vielen Stadtteilen Hundekitas. Die Probleme der Hundehalter, die arbeiten, wegen Krankheit oder Urlaub weniger Zeit für den Vierbeiner haben, versuchen insbesondere neue digitale Serviceportale zu lösen. In Hamburg sind Anbieter wie Mein Hund Dein Hund, TierHelden, hundeservice-deutschland oder Leinentausch aktiv. Denn immerhin 60.000 Hunde sind zwischen Harburg und Hummelsbüttel registriert.

Die Hundesitter-Portale etablieren sich als Lösung für alle, die nicht auf Betreuung in großen Gruppen setzen wollen. Das Prinzip der Internetseiten ähnelt sich: Sie führen Hundebesitzer und -betreuer individuell zusammen und nehmen dafür meist eine Provision (siehe rechts). Der Halter definiert auf dem Portal seinen Bedarf an Betreuungszeit. Der Hundesitter markiert in einem Kalender auf der Seite, wann er Freiraum für den Vierbeiner hat. Gleichzeitig kann der Kunde in dem Suchsystem online sehen, wo welcher Hundesitter seine Dienste anbietet. Fotos der Menschen und Hunde sowie kleine Geschichten über die Gründe für die Nutzung des Services erleichtern das erste Beschnuppern der Spiel- und Kuschelpartner.

Bei TierHelden wird eine Gebühr von rund zehn Euro fällig, wenn der Hundebesitzer den ausgewählten Betreuer kontaktieren möchte. Unter der Adresse tierhelden.de sind für den Suchbegriff „Hamburg“ Dutzende Einträge zu finden, von Gassigehern wie Studenten oder Auszubildenden bis zu professionellen Tierpensionen.

Das Portal Leinentausch, bei dem Delia Seubert registriert ist, erhält eine Vermittlungsprovision in Höhe von 15 Prozent vom Tagessatz des Hundesitters. Bei diesem Anbieter sind in Hamburg neben Delia Seubert gut 60 Betreuer registriert. Leinentausch unterstützt zwar auch kurzfristige Buchungsanfragen. Geschäftsführerin Vanessa Lewerenz-Bourmer empfiehlt aber – im Interesse der Tiere – sich frühzeitig zu kümmern. „Es hilft beiden Seiten, wenn die Halter den Hundesitter persönlich kennenlernen und den Vierbeiner auf eine Fremdbetreuung vorbereiten – schließlich müssen sich alle erst einmal ,beschnüffeln‘“.

Insgesamt 6,8 Millionen Hunde leben in Deutschland

Das Geschäft mit dem Sitterservice lohnt sich offenbar: Zwar belegen unter den 28,5 Millionen Haustieren in Deutschland Katzen den Spitzenrang, aber der Hund folgt mit 6,8 Millionen auf Platz zwei und eröffnet damit eine breite Zielgruppe von oft zahlungskräftigen Herrchen und Frauchen. Gut vier Milliarden Euro wurden 2014 laut Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe mit Tiernahrung, Bedarfsartikeln und Zubehör in der Bundesrepu­blik umgesetzt. Das war ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Service rund um den Hund bietet sich gerade in Großstädten an, wo besonders viele Singles und Berufstätige Dackel oder Dobermänner besitzen. Schließlich sind in immer mehr städtischen Haushalten beide Partner berufstätig. Gleichzeitig ist es keine Selbstverständlichkeit, den Hund mit ins Büro zu nehmen. Der vierbeinige Schreibtischvorleger wird höchstens in Start-ups oder in der Werbeszene toleriert. So haben am bundesweiten Aktionstag „Kollege Hund“ in diesem Jahr in Hamburg nur zwei Dutzend Firmen teilgenommen und die Mitarbeiter aufgefordert, so wie beim Girls and Boys Day einmal den besten Freund des Menschen mit an den Arbeitsplatz zu bringen.

Auch unter den Hundekitas gibt es in Hamburg einige Bewegung. Neue Anbieter kommen auf den Markt, andere geben auf, viele Gründer suchen hier das schnelle Geld, das es aber angesichts von teuren Mietflächen, Versicherungen und Personal meist nicht gibt. „Wir sind schon seit 15 Jahren auf dem Markt und haben einige Betreuungseinrichtungen kommen und gehen sehen“, sagt Berit Auge vom Hundekindergarten Das Revier. Bei Berit Auge, die sich nach einem Berufsweg in der Werbung mit der Kita selbstständig gemacht und sich damit einen Traum erfüllt hat, geht es um die Tagesbetreuung der Vierbeiner. Die Tiere werden ab acht Uhr morgens mit dem Transporter abgeholt. Nach einer Fahrt von ein bis zwei Stunden ist die Gruppe am Ziel: Der Hundekindergarten hat eine Wiese in Oejendorf gepachtet, wo sich die Schützlinge austoben können. Abends geht es heimwärts und gegen 18 oder 19 Uhr sind die Hunde wieder bei ihrer eigenen Familie. Kostenpunkt: 20 Euro am Tag, oder mit einer Monatskarte im Paket 300 Euro. Andere Anbieter unter den gut 150 in Hamburg registrierten Hunde-Einrichtungen sind die Pfötchenfarm im Süden der Stadt oder das Hundedorf Rellingen.

180 Euro im Monat werden für das Hundesitting fällig

Für Delia Seubert steht anders als bei vielen Kitas die Beschäftigung mit den einzelnen Hunden im Vordergrund. Die Heilerziehungspflegerin, die wegen ihres Nachwuchses momentan beruflich kürzer tritt, verbringt ihre Zeit gerne in Parks und im Alstertal und bekommt dafür auch noch Geld: Etwa 180 Euro verdient sie sich im Monat mit dem Hundesitting dazu. „Das ist für mich aber keine Pflicht, sondern macht mich total glücklich“, sagt die Tierliebhaberin und ruft nach Holly und Mano. Hechelnd kommen sie angerannt – zur nächsten Streichelrunde.