Hamburg

Zu klein und zu teuer – Touristeninformation vor dem Aus

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Ulrich Gassdorf
Kioske, die Souvenirs anbieten, und Bratwurststände nutzen die Fläche in den grünen Pavillons auf dem Rathausmarkt

Kioske, die Souvenirs anbieten, und Bratwurststände nutzen die Fläche in den grünen Pavillons auf dem Rathausmarkt

Foto: HA / Andreas Laible

Entwurf für geplante Tourismusinformation auf dem Rathausmarkt ist wirtschaftlich nicht umsetzbar. Neuer Standort muss her.

Altstadt.  Der Rathausmarkt ist der wohl prominenteste Platz in der Hansestadt. Ein idealer Ort also für eine repräsentative Tourismusinformation, die baulich in die in den 80er-Jahren errichteten, denkmalsgeschützten grünen Pavillons integriert werden soll. Für Sommer 2017 war die Eröffnung geplant. So hatte es Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) schon 2013 angekündigt. Finanziert werden sollte der rund sechs Millionen Euro teure Umbau aus der Bettensteuer – ein zentrales Projekt der Tourismusstadt Hamburg. Doch nach Abendblatt-Informationen stehen diese Pläne vor dem Aus.

Hinter den Kulissen gibt es unüberbrückbare Differenzen, man könnte auch sagen: ziemlichen Streit. Der Eröffnungstermin im Sommer 2017 kann nicht mehr gehalten werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Stadt offiziell von einer Tourismusinformation auf dem Rathausmarkt verabschiedet. Denn diese wäre wirtschaftlich nicht tragbar.

Probleme mit dem Sieger-Entwurf

Stein des Anstoßes ist das Ergebnis des Architektenwettbewerbs, den die städtische Sprinkenhof GmbH europaweit ausgeschrieben hatte. Eigentlich sollte bereits Anfang des Jahres öffentlich präsentiert werden, welcher der 14 Teilnehmer den Zuschlag erhält. Aber bislang gab es keine öffentliche Verkündung.

Fakt ist: Nach langen Diskussionen und auch nicht einstimmig hatte das Preisgericht einen Favoriten erkoren. Dabei handelt es sich um einen gemeinsamen Entwurf der Hamburger Coido Architekten und Studio Swes mit Sitz in Sevilla (wir berichteten).

Der Entwurf sieht jedoch weniger Platz vor, als die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) und ihre Partner benötigen. 600 Quadratmeter waren ursprünglich vorgesehen. Die beiden Architektenbüros haben jedoch in ihrem Entwurf weniger als 400 Qua­dratmeter eingeplant. Das ist wohl vor allem den strengen Denkmalschutzauflagen geschuldet.

Hamburg Tourismus hat den Architektenentwurf daraufhin selbst überarbeiten lassen und dabei auch Außenflächen mit einbezogen, um mehr Platz zu schaffen. Oberbaudirektor Jörn Walter, der auch im Preis­gericht saß, kritisiert dieses Vorgehen: „Die HHT hat nach dem offiziellen Architektenwettbewerb ein nicht an dem Verfahren beteiligtes Architektenbüro mit der Überarbeitung beauftragt. Das ist nicht akzeptabel und deshalb auch nicht relevant.“

Dem Oberbaudirektor ist wichtig: „Der Rathausmarkt ist der zentrale Platz Hamburgs, der nur unter besonderer Berücksichtigung seiner denkmalgeschützten Gestalt fortentwickelt werden kann.“ Das Preisgericht habe sich auf einen guten Entwurf geeinigt, der eine verträgliche Basis für die Unterbauung der Rathausarkaden darstelle und aus Sicht des Denkmalschutzes, des Städtebaus sowie des Urheberrechts der ursprüng­lichen Architekten ein sehr gutes Ergebnis gefunden habe.

Weniger Fläche - höhere Kosten

Hamburg Tourismus hofft immer noch auf eine Lösung des Konflikts. Geschäftsführer Dietrich von Albedyll betont: „Wir haben uns lediglich bei der Prüfung der Machbarkeit beraten lassen und keinen neuen Entwurf in Auftrag gegeben.“ Allerdings ist für von Albedyll das zentrale Thema: „Mit der reduzierten Nutzfläche lässt sich eine Tourismusinformation mit der von uns angestrebten hohen Servicequalität nicht realisieren, vor allem in Bezug auf die erwartete Kundenfrequenz.“ Auch die Wirtschaftlichkeit sei dann nicht mehr gegeben, so von Albedyll.

Auf dem auf 600 Quadratmeter ausgelegten Konzept wollte sich Hamburg Tourismus Partner wie Gas­tronomie und ein HVV-Büro mit auf die Fläche holen. Bei dieser Variante würde der Betrieb der Tourismusinformation jährlich etwa 600.000 Euro kosten. Wenn nun deutlich weniger Platz zur Verfügung steht, könnten keine „Untermieter“ mehr mit einziehen – und die Kosten würden auf etwa eine Million Euro pro Jahr anwachsen.

Diese deutliche Kostensteigerung würde die zuständige Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) nicht mittragen. Auf Abendblatt-Anfrage wollte sich Tourismus-Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren nicht detailliert zu dem Vorgang äußern. Er sagte lediglich: „Wir werden keine Tourismusinformation bauen, die für uns wirtschaftlich von Anfang an nicht tragbar ist.“ Gleichwohl machte Rieckhof aber klar: „Wir brauchen eine repräsentative Anlaufstelle für Touristen in Hamburg – und zwar in zentraler Lage.“

Bleibt nur die Suche nach einem neuen Standort?

Das Argument der Wirtschaftlichkeit kennt Oberbaudirektor Walter, aber: „Wir wollen hier eine Touris­musinformation an einem würdigen Ort bauen. Aber es kann nicht sein, dass dabei jetzt die Nebenflächen, die die HHT an Gastronomie oder Souvenirläden vermieten möchte, eine übergeordnete Rolle bei den Flächenplanungen spielen.“

Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Elbmetropole dringend eine repräsentative Anlaufstelle benötigt. Denn Hamburg verzeichnet mehr als zwölf Millionen Übernachtungen pro Jahr, hat aber lediglich zwei eher unscheinbare offizielle Tourismusinformationen am Flughafen und am Hauptbahnhof. Nun muss sich die Stadt wohl auf die Suche nach einem neuen zentralen Standort machen.

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