Tabakkonzern

BAT streicht in Hamburg jeden neunten Job

BAT-Chef
Ralf
Wittenberg:
„Wir müssen 50
Stellen abbauen“

BAT-Chef Ralf Wittenberg: „Wir müssen 50 Stellen abbauen“

Foto: Andreas Laible / HA

Bei dem Tabakkonzern müssen 50 Mitarbeiter gehen. Auch Mitbewerber Reemtsma hat vor Kurzem sein Personal reduziert.

Hamburg.  Ralf Wittenberg muss derzeit schwere Entscheidungen treffen. Der Deutschlandchef von British American Tobacco (BAT) muss in der Hamburger Zentrale 50 von 450 Stellen abbauen. „Wir hatten eine Umstrukturierung international auf Konzernebene, und da haben wir entschieden, das Gruppenbereiche wie IT oder der internationale Tabakeinkauf von Hamburg nach London verlagert werden. Das bedeutet, dass wir rund 50 Stellen abbauen müssen“, sagt Wittenberg. Es gebe zwei Sozialpläne und auch Angebote an die Mitarbeiter, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Auch der Hamburger Mitbewerber Reemtsma hat jüngst den Rotstift gezückt. 31 Mitarbeitern wurde gekündigt, weitere 30 Beschäftigte gingen in den Vorruhestand, wie das Unternehmen dem Abendblatt bestätigte. Als Gründe wurden eine Neuzuordnung von Themenfeldern und Strukturveränderungen genannt. Reemtsma, eine Tochter des britischen Tabakkonzerns Imperial Tobacco, ist seit 2010 stark von 750 auf zuletzt 1100 Beschäftigten gewachsen.

BAT steht derzeit vor weiteren Herausforderungen: Nachdem 2014 die neue EU-Tabakproduktenrichtlinie in Kraft gesetzt wurde, muss die Branche bis 20. Mai 2016 sämtliche Fabriken in Deutschland so umrüsten, dass 65 Prozent der Packungsoberfläche mit Warnhinweisen bedruckt werden können. „Allein der Austausch der Druckpatronen in den Werken belastet die Branche mit mehr als 100 Millionen Euro“, sagt Wittenberg. Als Konsequenz daraus folge, dass rund 9000 Artikel zum 20. Mai 2016 umgestellt werden müssen. „Doch das kann die Branche nicht schaffen. Wir brauchen mindestens zwölf Monate Zeit, um diese Regulierung umzusetzen,“ sagt Wittenberg, der gleichzeitig Vorsitzender des Deutschen Zigarettenverbandes ist. Durch diese Vorgaben würden die Zigarettenfabriken gefährdet. In Frage stehe auch der Bestand des BAT-Werks in Bayreuth. Die Gewerkschaft NGG versuche nun zusammen mit BAT das Schlimmste zu verhindern.

Wittenberg beklagt zudem, dass Mentholzigaretten in Deutschland bereits 2016 vom Markt verschwinden sollen, in anderen EU-Staaten aber bis 2020 verkauft werden dürfen. Auch das gefährde das Werk in Bayern. „Wir können keine Mentholzigaretten mehr ins EU-Ausland exportieren.“ Auch andere charakteristische Aromen dürften in den Glimmstängeln nicht mehr enthalten sein. Zudem soll es in Deutschland neben einem Werbeverbot für Zigaretten auch eines für E-Zigaretten geben.

British American Tobacco klagt auf EU-Ebene gegen die neue Verordnung. Sie würde „in die verfassungsrechtlich garantierten Freiheiten der Hersteller eingreifen“. Deutschland profitiert übrigens von den Rauchern. 2014 betrugen die Nettoeinnahmen des Staates aus der Tabaksteuer 14,3 Milliarden Euro. Zugleich steigt die Anzahl der unversteuerten Zigaretten kräftig. Im zweiten Quartal dieses Jahres war im bundesweiten Durchschnitt mehr als jede sechste Zigarette nicht versteuert.

Die Zigarettenhersteller finden derweil weniger Abnehmer: 2001 rauchten noch 28 Prozent der minderjährigen Deutschen. Nach Angabe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sank diese Zahl 2014 erstmals auf unter zehn Prozent.