Neustadt

Kirche bietet Roma Beratung an

Flüchtlinge im Michel müssen individuelle Situation offenlegen – Pröpstin verweist auf Gesetzesrahmen

Neustadt. Die rund 40 Roma, die sich seit einer Woche im Gemeindehaus des Hamburger Michel aufhalten, können nicht mit einer dauerhaften Unterbringung in dem Kirchenhaus rechnen. „Als Kirche können wir nur innerhalb des gesetzlichen Rahmens nach Möglichkeiten suchen, um von Abschiebung bedrohten Familien zu helfen“, sagte Pröpstin Ulrike Murmann am Donnerstag. „Wenn sich herausstellt, dass Verfahren sich als aussichtslos erweisen, dann sind auch wir an den Grenzen unserer Möglichkeiten angekommen.“

Am Donnerstag vergangener Woche hatten die rund 40 Roma Zuflucht im Michel gesucht, um ihrer drohenden Abschiebung in einen der Balkanstaaten zuvorzukommen. Sie begründeten ihren Schritt mit der Diskriminierung in ihrer Heimat. Murmann hatte am Mittwochabend mit Vertretern aus der Gruppe gesprochen. Dabei habe sie den Roma-Familien die Hilfe durch die kirchliche Beratungsstelle angeboten, um zu schauen, ob es Abschiebungshindernisse gebe, hieß es in der Erklärung weiter.

Während der Zeit der Prüfung würden die Familien unterstützt, müssten aber Angaben zur Person machen. „Wir sind übereingekommen, dass die Roma-Familien mit der Kirche zusammenarbeiten und ihre individuelle Situation uns gegenüber offenlegen.“ Die Michel-Gemeinde und der Kirchenkreis gewährten allerdings kein Kirchenasyl, hieß es ausdrücklich. Es handele sich um humanitäre Hilfe.

Aus der Innenbehörde hieß es am Donnerstag lediglich, man arbeite eng mit der Kirche zusammen, werde aber das Gemeindehaus als Schutzraum respektieren. Voraussetzung, um den Aufenthaltsstatus der Personen zu prüfen, sei die Offenlegung der Personalien.

Ein Ergebnis der am Mittwoch begonnenen Zählung der Flüchtlinge in den vier Erstaufnahmeeinrichtungen lag am Donnerstag noch nicht vor. Bei der vorerst einmaligen Aktion sei es darum gegangen, die Zahl unbelegter Betten festzustellen, hieß es aus der Innenbehörde. In den vergangenen Wochen sei ein Teil der Flüchtlinge aus Hamburg abgereist, ohne sich abzumelden. Es gehe jetzt darum, jedes freie Bett für die Unterbringung neu ankommender Flüchtlinge zu nutzen.