Urteil

Mord aus Ärger über Sex-Panne: Haftstrafe für 23-Jährigen

Aus nächster Nähe erschoss er einen Mitarbeiter der Billstedter "Relax Bar". Jetzt wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Neustadt. Weil er mit der Liebesleistung einer Prostituierten unzufrieden war, hat ein 23 Jahre alter Mann einen Wirtschafter der Billstedter „Relax Bar“ Mitte März aus nächster Nähe erschossen. Insgesamt sieben Mal feuerte er auf sein Opfer. Das Landgericht hat den Mann am Dienstag wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt.

Baftjar H. muss nur deshalb nicht lebenslänglich hinter Gitter, weil das Gericht von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit ausgeht. In jener Nacht war der Angeklagte, trotz eines Alkoholwertes von nur 1,5 Promille, nach den Feststellungen sturzbetrunken – vermutlich weil der Moslem sonst nie Alkohol trinkt. Auslöser für die brutale Tat war der Sex mit einer Prostituierten, der aus der Sicht des 23-Jährigen unbefriedigend verlaufen sei. Laut Gericht musste sich Baftjar H. während des Akts übergeben, die Prostituierte brach darauf ab und hatte dem im Zimmer wartenden Mann möglicherweise einen „Ersatz“ zugesagt. Als das nicht geschah, habe er die 40 Euro Liebeslohn von dem Wirtschafter zurückgefordert, so das Gericht.

Er hatte insgesamt 13 Patronen eingesteckt

Das Geld verweigerte ihm der 25-Jährige Familienvater jedoch nach Rücksprache mit der Prostituierten: Denn Liebesdienste seien sehr wohl erbracht worden. Kurz verließ Baftjar H. die Bar, kehrte aus Verärgerung mit einer Waffe zurück und schoss aus einer Distanz von maximal 50 Zentimeter, so feige wie kaltblütig, auf Kopf und Rumpf seines Opfers, das ahnungslos an der Bar saß. Zunächst schoss er die gesamte Trommel leer, fünf Patronen. Dann lud er nach Überzeugung des Gerichts noch einmal nach und gab zwei weitere Schüsse auf den sterbenden 25-Jährigen ab.

Für den Mann, der zwei Kinder hinterlässt, kam jede Hilfe zu spät. Nicht nachweisbar, aber laut Gericht durchaus denkbar, habe sich Baftjar H. auch noch an der Prostituierten rächen wollen. Er hatte insgesamt 13 Patronen eingesteckt. Sie befand sich aber zum Tatzeitpunkt bei einem Freier im Obergeschoss. Baftjar H. stellte sich nach dem Mord auf der Polizeiwache an der Möllner Landstraße.

"Es war eine Hinrichtung"

Dem Gericht erzählte der Angeklagte eine mindestens in Teilen erfundene Geschichte. So habe er im Auto eines Bekannten, mit dem er das Bordell verlassen hatte, aus Zorn über die vermeintliche Schmach so heftig auf das Armaturenbrett gehauen, dass das Handschuhfach aufklappte, darin: die Tatwaffe. Mit dem Revolver sei er zur Relax-Bar zurückgekehrt, und dort eskalierte dann der Streit mit dem 25-Jährigen. Nur: Kein Augenzeuge habe diese Version bestätigt, sie enthielte eine Reihe von „Schutzbehauptungen“, so das Gericht.

„Es war eine Hinrichtung“, urteilte der Vorsitzende Richter. Die Hemmschwelle, ein Leben sinnlos auszulöschen, sei bei dem Angeklagten äußerst niedrig. „Sie stellen für andere eine erhebliche Gefahr dar. Dagegen müssen Sie unbedingt etwas tun, lassen Sie sich therapeutisch helfen.“