Kriminalität

Wohnmobile werden besonders häufig in Hamburg gestohlen

Da war die Welt der Hamburger Familie noch in Ordnung: Lisa und Raffaele Ardente mit ihren Kindern Giolina und Massimo vor ihrem Wohnmobil

Da war die Welt der Hamburger Familie noch in Ordnung: Lisa und Raffaele Ardente mit ihren Kindern Giolina und Massimo vor ihrem Wohnmobil

Foto: privat

Die meisten Autos werden im Bezirk Nord und im Bezirk Mitte gestohlen. Lesen Sie hier, warum Camper bei Dieben so beliebt sind.

hamburg.  Für Raffaele Ardente war sein Wohnmobil mehr als ein Fahrzeug. Er sagt: „Es war mein eigentliches Zuhause.“ Allein deshalb, weil mit dem Campingwagen so viele Erinnerungen verknüpft sind – an die schönen Urlaube mit der Familie, die langen Touren durch Italien, Frankreich, Norwegen und Dänemark. Zuletzt waren die Ardentes mit ihrem Bürstner Ixeo IT-666 durch Korsika und Sardinien gereist, vor gut einer Woche ging es zurück nach Hamburg. Nach dem Traumurlaub dann der Albtraum: Drei Tage nach ihrer Rückkehr haben unbekannte Diebe das Wohnmobil gestohlen. Sie kamen, als die Ardentes schliefen – vermutlich haben sie das Wohnmobil außer Landes geschafft.

Der Verlust von Familie Ardente ist kein Einzelfall. Generell sind hochwertige Fahrzeuge bei Autodieben heiß begehrt. Luxuswagen wie der BMW x6 stehen seit Jahren an der Spitze der am häufigsten gestohlenen Modelle in Deutschland. In Hamburg werden die meisten Autos im Bezirk Nord und im Bezirk Mitte gestohlen, die wenigsten im Bezirk Bergedorf. Genauere, stadtteilbezogene Zahlen gibt es nicht. Die Hamburger Polizei führt auch keine Statistik über die einzelnen Autotypen.

Dabei werden Kleinbusse, die auch als Camper genutzt werden, nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) häufig gestohlen. Auf Platz neun und zehn der am meisten gestohlenen Fahrzeuge rangieren die VW-Modelle T4 Caravelle Multivan TDI oder der T5 Multivan California 1.9 TDI. 14.000 bis 19.000 Euro Schadenssumme zahlen die Versicherer im Schnitt an die Eigentümer dieser Modelle aus.

Um Geld geht es in solchen Fällen aber eher weniger. Soziale Netzwerke wie Facebook sind voll von Aufrufen zur Mithilfe. Da wird verzweifelt nach Wohnmobil „Dethleff“ gesucht, gestohlen am 15. Juli am Ohkampring in Fuhlsbüttel. Und die Besitzer von „Mo“, einem in die Jahre gekommenen VW T4, der an der Lutterothstraße (Eimsbüttel) gestohlen wurde, versprechen auf ihrer Facebook-Seite die „fetteste Party“, wenn sie nur ihren Bus zurückbekommen. Andere Betroffene werden noch deutlicher: „Menschen, die Busse klauen, schubsen auch kleine Kätzchen.“ Der Diebstahl von Campern ist beim ADAC Hansa ein Dauerbrenner. „Die Fahrzeuge sind bei Dieben sehr beliebt, weil sie kaum an Wert verlieren“, sagt Sprecher Christian Hieff.

Die Täter seien hoch spezialisiert und in der Lage, das Modell inklusive „gewünschter“ Ausstattung zu liefern. Die meisten gestohlenen Autos verschwänden nach wie vor in Richtung Osteuropa, wo sie verkauft oder – welch ein Albtraum für jeden Autoliebhaber – zerlegt würden, zumal sich die Einzelteile gut auf dem Ersatzteilmarkt versetzen ließen, sagt Hieff. Buchstäblich zerlegt ist auch der Traum von Raffaele Ardente, seiner Frau Lisa, 33, den Kindern Giolina, 9, und Massimo, 6. Für sie war das Campen ein bisschen wie fliegen. Familienvater Raffaele Ardente machte mit dem schicken Gefährt seinen Traum vom freien, individuellen, naturverbundenen Urlaub wahr.

Mit dem Wohnmobil verschwand auch eine Kamera voller Urlaubserinnerungen

Herumzufahren, zu übernachten, wo es Spaß macht, und dann gleich weiter zum nächsten Ziel. „Das Wohnmobil war für mich mein wahres Heim, auf Hotelzimmer hatte ich nie Lust“, sagt der 34-Jährige, der das Café Fele in Hoheluft-West betreibt. „Dass es jetzt weg ist, das tut wirklich weh.“

Vor vier Jahren hatte sich die Familie das Wohnmobil zugelegt. Raffaele Ardente weiß es noch genau: Vier Tage nach seinem 31. Geburtstag stand der nagelneue Bürstner vor dem Haus. Die Familie steckte viel Geld in den Ausbau. Das Wohnmobil wurde mit einem Bad, einer Fußbodenheizung und einem Hub-Bett aufgerüstet. Mit den Extras kamen die Ardentes auf einen Gesamtpreis von mehr als 50.000 Euro.

Das viele Geld ist jetzt nicht ihr einziges Problem: Weil sie den Camper nach dem Urlaub nicht komplett ausgeräumt hatten, sind eine ganze Reihe von lieb gewonnenen Sachen verloren. Ein gerade erst gekaufter Elektroroller im Wert von 1000 Euro beispielsweise oder eine Videokamera mit ihren Urlaubserinnerungen. Alles weg.

In welcher Höhe der Schaden von der Versicherung reguliert wird, steht noch nicht fest. Hoffnung, das Wohnmobil wiederzusehen, hat Raffaele kaum – zumal die Aufklärungsquote der Polizei bei Kfz-Diebstählen bei nur rund elf Prozent liegt.