Winterhude

Was Mediziner ratenHamburgerin stirbt nach Wespenstich

Tragödie im Sportclub. Kliniken verzeichnen in diesem Jahr mehr Patienten mit Beschwerden

Winterhude. Nachdem eine 42-jährige Hamburgerin an einem Wespenstich gestorben ist, warnen Experten vor den gefährlichen Folgen von Insektenstichen. Das gilt umso mehr, als sich die Wespen dank idealer Wetterbedingungen – ein kurzer Winter, ein warmer Frühling – in diesem Jahr hervorragend vermehren konnten. Forscher sprechen von einem „Superjahr“ für Wespen.

Der Zuwachs bei den Wespenvölkern zeigt sich auch in den Notaufnahmen der Hamburger Asklepios Kliniken: „In diesem Jahr sind spürbar mehr Patienten mit Beschwerden nach Insektenstichen zu uns gekommen“, sagte Kliniksprecher Matthias Eberenz. „Allein im AK Barmbek mussten im Sommer zwei Betroffene nach Wespenstichen kurzzeitig intensivmedizinisch behandelt werden.“

Vier Prozent der Deutschen leiden unter einer Insektengiftallergie

Besonders tragisch ist der Fall der Hamburgerin: Am 22. August saß die dreifache Mutter am Pool der Gaststätte des Harvestehuder Tennis- und Hockey-Clubs. Gegen 16.30 Uhr passierte es. Eine Wespe stach sie in die Achsel. Die 42-Jährige stand noch auf und bat um ein Glas Wasser, weil ihr schwindlig war. Zwei andere Clubmitglieder erkannten den Ernst der Lage sofort und alarmierten um 16.34 Uhr den Rettungsdienst. Kurz bevor der Notarzt eintraf, erlitt die Frau einen Krampfanfall. Sie wurde noch am Unfallort reanimiert, dann brachte sie ein Rettungswagen mit Blaulicht in die Asklepios Klinik Barmbek. Dort fiel sie ins Koma und starb vier Tage später. „Es geschehen Dinge, die wir nicht begreifen können“, heißt es in der Traueranzeige im Abendblatt.

Derart heftige Reaktionen nach Insektenstichen sind sehr selten. Pro Jahr, so gibt das Statistische Bundesamt an, sterben in Deutschland zehn bis 40 Menschen nach Wespen- und Bienenstichen. Vier Prozent der Deutschen leiden unter einer systemischen Insektengiftallergie, ein Viertel der Bevölkerung klagt nach einem Stich zumindest über schwere Hautreaktionen. Rund 3000 Allergiker müssen pro Jahr notärztlich behandelt werden. Deutlich seltener sind allergische Reaktionen auf Bremsen- und Mückenstiche sowie Ameisenbisse. Während sich bei vielen Menschen ein Wespenstich durch Rötungen, Schwellungen und Juckreiz bemerkbar macht, sind die Folgen für Allergiker schwerwiegender. Minuten nach dem Stich treten Symptome wie Quaddeln am ganzen Körper auf, manchmal schwillt das Gesicht an, es kann zu Schwindelgefühlen und Herzrasen, zu Schluckbeschwerden, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen kommen.

In besonders schweren Fällen versagt nach dem Stich der Kreislauf

Folgen auf einen ersten Wespenstich meist nur leichte Beschwerden, können die Reaktionen nach einem weiteren Stich zu einem späteren Zeitpunkt viel gravierender ausfallen – sogar ein anaphylaktischer Schock ist möglich. Bei dieser Überreaktion des Immunsystems kann es zu Atemstillstand und Kreislaufversagen kommen. Wer weiß, dass er gegen Wespen allergisch ist, sollte deshalb immer ein Notfallset mit Cortisonspritzen und Antihistaminspritzen parat haben.

Die 42-jährige Hamburgerin wusste offenbar nichts von ihrer Allergie. Sie war eine Woche zuvor von einer Wespe gestochen worden. Beim zweiten Stich am 22. August erlitt sie dann gleich einen anaphylaktischen Schock.

Die Trauerfeier für die Hamburgerin, die drei kleine Kinder hinterlässt, fand gestern auf dem Friedhof Ohlsdorf statt. Neben ihren Angehörigen nahmen 300 Mitglieder des Harvestehuder Tennis- und Hockey-Clubs Abschied.

Eine Insektenallergie lässt sich mittels eines Hauttests nachweisen, mit einem „Prick-Test“ oder einem Intrakutantest. Dabei wird eine geringe Menge Insektengift in die oberen und mittleren Hautschichten eingebracht.
Behandeln
lässt sich eine Allergie durch eine Hyposensibilisierung, dabei wird das Allergen in steigenden Dosen – teils über Jahre – verabreicht, damit sich der Körper daran gewöhnt.
Grundsätzlich
sollten Allergiker Gefahrensituationen im Alltag meiden, beispielsweise im Sommer kein Essen und keine Getränke draußen verzehren und Fenster tagsüber geschlossen halten.
Wer von einer Biene
gestochen wurde, sollte den Stachel nicht herausziehen, sondern wegkratzen. Grund: Durch das Ziehen wird zusätzlich Gift freigesetzt.