Große Bleichen

Kaisergalerie eingeweiht: Hamburg hat eine neue Edelpassage

Einkaufen, wo früher Heidi Kabel auf der Bühne stand: Die Kaisergalerie verströmt ein historisches Ambiente

Einkaufen, wo früher Heidi Kabel auf der Bühne stand: Die Kaisergalerie verströmt ein historisches Ambiente

Foto: Michael Rauhe / HA

Die Shoppingmetropole Hamburg ist um weiteren Anlaufpunkt in der Innenstadt reicher. Senatorin Stapelfeldt: "Ein Publikumsmagnet".

Hamburg. Seit Mittwoch ist die Shoppingmetropole Hamburg um einen weiteren Anlaufpunkt in der Innenstadt reicher. Die Kaisergalerie an den Großen Bleichen wurde offiziell eingeweiht – nicht in einem Neubau, sondern in einer Immobilie mit Geschichte: Das im Jahr 1902 gegründete Ohnsorg-Theater war hier seit 1936 beheimatet. Die Spielstätte ist 2011 an den Heidi-Kabel-Platz am Hauptbahnhof umgezogen – seither wurde das einstige Theater zu einer Edelpassage umgestaltet.

Immerhin vier Jahre dauerten die Bauarbeiten in dem 1907 errichteten denkmalgeschützten Gebäude: „Dieses Projekt war eine echte Herzensangelegenheit und durch die Denkmalschutzauflagen sehr anspruchsvoll. Doch die Mühe hat sich gelohnt, das Ergebnis kann sich sehen lassen“, sagte Frank G. Schmidt, Vorstand der Quantum Immobilien AG.

Das Hamburger Unternehmen hat das Projekt gemeinsam mit der alstria office Reit-AG realisiert. Insgesamt wurden in den Umbau und die Kernsanierung rund 20 Millionen Euro investiert: Die imposanten Sandsteinsäulen wurden aufwendig restauriert, steinerne Kaiserkronen freigelegt und ein heller Terrazzoboden verlegt. Die Kassettendecken, an denen spanische Kronleuchter hängen, sind bis zu 7,50 Meter hoch. Die lichtdurchflutete, 82 Meter lange Passage verbindet die Großen Bleichen mit dem Steg am Fleet.

Der Namensgeber für die Edelpassage ist Kaiser Wilhelm I. Als seine Majestät im Jahr 1881 zum ersten Mal die Hansestadt besuchte, gab der Hamburger Senat an eben diesem Ort ein Abendessen zu seinen Ehren.

100 Gäste kamen zur Eröffnung

Zur Eröffnung am Mittwoch kamen mehr als 100 Gäste, darunter auch Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). „Die Kaisergalerie ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man ein historisches Bauwerk optimal revitalisieren kann. Solche Projekte sorgen für eine kontinuierliche Aufwertung der Innenstadt und sind hervorragende Publikumsmagnete“, sagte sie. Quantum-Vorstand Schmidt ergänzte: „Wir sind stolz auf das neue Gesicht der Kaisergalerie, das Erbe und Moderne hervorragend harmonisiert.“

Bereits im vergangenen Jahr haben hier die ersten Läden eröffnet, inzwischen sind alle zwölf Geschäfte vermietet. Insgesamt sind 3400 Quadratmeter Einzelhandelsfläche und 13.000 Qua­dratmeter Bürofläche im Zuge des Umbaus entstanden.

Dort, wo einst die legendäre Heidi Kabel oder Henry Vahl auf der Bühne standen und das Publikum begeisterten, werden nun Waren im Luxussegment angeboten: Karl Lagerfeld – der gebürtige Hamburger lebt in Paris – hat hier sein erstes Geschäft in der Hansestadt eröffnet. Die englische Kultmarke Reiss präsentiert den ersten deutschen Laden in der Kaisergalerie. Kate, Herzogin von Cambridge und Frau von Prinz William, gehört in England zu den Kunden des Modelabels.

Es ist die elfte Einkaufspassage der Innenstadt

Auch der Hoflieferant des schwedischen Königshauses Stenströms hat hier den ersten deutschen Flagship-Store aufgemacht. Die Modemarke Escada ist ebenfalls mit einem Geschäft vertreten. Auch der traditionsreiche Herrenausstatter Braun hat eine Fläche über zwei Ebenen angemietet. Direkt gegenüber hat sich Uzwei – ein Ableger von Unger am Neuen Wall – angesiedelt.

Hamburg sei eine der beliebtesten Shoppingmetropolen Europas. Für die touristische Vermarktung gehöre das Einkaufserlebnis daher zu den Hauptthemen, sagte Hamburg Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll dem Abendblatt. Deshalb sei die Kaisergalerie ein Gewinn für die Hansestadt.

In der Hamburger Innenstadt gibt es inzwischen elf Einkaufspassagen – in unmittelbarer Nachbarschaft der Kaisergalerie das Hanse-Viertel, die Galleria und das Kaufmannshaus. „Die Vielzahl und Individualität der Einkaufspassagen zeichnet Hamburg aus und ist so in keiner anderen deutschen Großstadt zu finden“, sagt Citymanagerin Brigitte Engler. Für die Kaisergalerie spreche, dass sich hier edle Marken in einem historischen Ambiente präsentieren, so Engler. Das sei ein ganz besonderes Einkaufserlebnis. „Mit der Kaisergalerie gibt es einen weiteren Anlass für einen Besuch in der Innenstadt.“

Herrenausstatter eröffnet einen Flagship-Store

Nach der offiziellen Einweihung der Kaisergalerie steht in der Nachbarschaft ein weiteres Bauvorhaben an: Dort, wo einst das Thalia-Haus stand, baut die Aachener Grundvermögen, die zur Katholischen Kirche gehört, ein neues Geschäftshaus. Die Fertigstellung ist für Ende 2016 geplant. 2300 Quadratemeter Büroflächen entstehen dort. Der Mietvertrag für das Erdgeschoss und die erste Etage ist bereits unterschrieben: Dort eröffnet der Münchener Herrenausstatter Eckerle, der zur Hirmer Unternehmensgruppe gehört, auf rund 2000 Quadratmetern einen Flagship-Store. Die Aachener Grundvermögen investiert rund 15,5 Millionen in das Bauvorhaben.