Umweltsenator Kerstan

Kopenhagen und Hamburg kooperieren bei Energiepolitik

Umweltsenator Jens Kerstan in Kopenhagen

Umweltsenator Jens Kerstan in Kopenhagen

Foto: MRauhe@wmg.loc / jmw

Senator Kerstan hofft auf „Beginn einer großen Freundschaft“. Preiserhöhungen für Kunden durch Netzrückkauf nicht ausgeschlossen.

Kopenhagen/ Hamburg. Hamburg und Kopenhagen haben eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Energiepolitik vereinbart. Zum Abschluss der dreitägigen Reise von Hamburgs Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) unterzeichneten beide Seiten am Mittwoch ein „Memorandum of Understanding". Danach wollen beide Städte in Sachen erneuerbare Energien die Kooperation stärken – etwa durch jährliche Treffen von Energie-Unternehmen und Verwaltung aus beiden Regionen und gegenseitige Beratung. Er hoffe dass dies „der Beginn einer großen Freundschaft“ sei, sagte Kerstan in seiner frei auf Englisch gehaltenen Rede bei einer dänisch-hamburgischen Konferenz zum Thema Fernwärme.

„Ich bin froh, dass wir diese Reise gemacht haben. Wir haben viele Anregungen mitgenommen“ so Kerstans Fazit am Ende des dreitägigen Besuchs. „In Deutschland konzentriert sich die Debatte bei der Energiewende ja sehr auf Strom, Dänemark ist hier den entgegengesetzten Weg über den Wärmesektor gegangen. Hier gab es über die vergangenen Jahrzehnte eine sehr kontinuierliche Politik, die sich auf Wärmenetze konzentriert hat.“ Von diesen Erfahrungen könne Hamburg profitieren, da der Wärmebereich mit dem Kauf des Fernwärmenetzes jetzt „einer unserer Schwerpunkte ist“, so Kerstan. „Wir wollen hier Kooperationspartner finden, auch die Unternehmen, die mitgefahren sind, haben hier gute Gespräche geführt.“ Zwar wolle und könne man die dirigistische dänische Politik so nicht übernehmen. Gleichwohl gebe es hier viel zu lernen – etwa über dezentrale Wärmeversorgung ganzer Stadtteile.

„Ich finde es auch sehr spannend, wie es hier gelungen ist, die Bevölkerung bei großen Projekten mitzunehmen“, sagte der Senator. „In Dänemark gibt es beim Bau von Anlagen großen Konsens und meist nur eine Handvoll Einwendungen. Es geht jetzt auch in Hamburg darum, einen Konsens zu suchen. Das dänische Beispiel zeigt, dass alle davon profitieren, wenn nicht alle paar Jahre eine neue Zeit eingeleitet wird.“

Eine „Patentlösung“ für die anstehenden Entscheidungen in Hamburg habe man aber auch in Dänemark nicht gefunden, so Kerstan. Bis Jahresende muss entschieden werden, ob Hamburg zusammen mit Vattenfall in Wedel ein neues Gas-und-Dampf-Kraftwerk baut oder stattdessen beginnt, das Fernwärmenetz so umzurüsten, dass die Versorgung auch durch kleinere, dezentrale Kraftwerke gesichert werden kann. In diesem Fall müsse zum Übergang das alte Kohlkraftwerk Wedel länger in Betrieb bleiben, räumte Kerstan ein.

Auch das vom Senat in Auftrag gegebene Gutachten bei der Firma BET hatte keine klare Empfehlung ausgesprochen. Die Experten hatten aber darauf hingewiesen, dass die Kosten für die Fernwärme durch den Umbau auf jeden Fall steigen werden. „Wir wollen eine Lösung finden, die die Kosten für die Kunden nicht erhöhen“, sagte Kerstan am Mittwoch. „Ob das am Ende gelingt oder es bei den Preisen dann doch Erhöhungen gibt, das hängt dann davon ab, für welche Lösung man sich entscheidet.“ Der Senat sei aber durch den Volksentscheid nicht nur gebunden, das Fernwärmenetz zurückzukaufen, sondern dies auch umweltfreundlich und sozial verträglich zu gestalten. „Das bedeutet, dass wir dafür sorgen müssen, dass die Preise nicht durch die Decke gehen. Und das werden wir auch sicherstellen.“

Auch Hamburgs SPD-Bürgermeister Olaf Scholz will die Kooperation mit Kopenhagen weiter stärken. Er reist Anfang November in die dänische Hauptstadt.