Hamburg

Gammel-Fisch in Altonaer Restaurant: Küchenchef vor Gericht

Auf dem Teller eines Gastes landete eine verdorbene Rotzunge. Jetzt musste sich der Küchenchef vor Gericht verantworten.

Hamburg. Küchenchef – irgendwie sei er das schon gewesen, irgendwie aber auch nicht, denn in seinem Arbeitsvertrag stand, dass er lediglich als Koch angestellt war. Wieso sollte er also allein die Verantwortung für den Schlamassel tragen? Malte C. wittert einen Komplott der Kollegen gegen sich, die ihm die Geschichte mit dem Fisch in die Schuhe schieben wollten. Jene Sache, die ihn am Mittwoch vor die Amtsrichterin in Altona gebracht hat. „Das stinkt doch zum Himmel“, findet Malte C., 34. Und da wären wir beim Thema.

Zwei Jahre liegt die Sache mit dem Fisch schon zurück. Kurz erzählt: Auf dem Teller eines Gastes in einem Fisch-Restaurant am Hafen landet eine verdorbene Rotzunge. Der empörte Gast alarmiert, bevor auch nur ein Bissen in seinen Mund wandert, das Gesundheitsamt, das Proben vom Fisch zieht und ermittelt: Die Rotzunge war ein Gammel-Fisch. Aber eigentlich hätte es des Aufwands gar nicht bedurft. Denn der Fisch war sichtlich so hinüber, dass sich die Kellnerin zunächst weigerte, erzählt Malte C., die Rotzunge zu servieren. Doch dann habe der Koch ein Machtwort gesprochen: „Raus damit!“ Der Koch hat bereits eine Geldbuße für sein Versagen gezahlt.

Weil sich Malte C. weigerte, einen Strafbefehl über 1000 Euro zu akzeptieren, ist der Fall doch vor Gericht gelandet. Und da prallen zwei Welten und Verständnisebenen aufeinander: eine theoretisch-juristische und die vom Arbeitsalltag geprägte Sicht des Gastronomen. Malte C. hatte an jenem Tag frei, doch er hatte – als zuständiger Küchenchef – niemanden bestimmt, der für ihn die frisch eingehende Fischware überprüfte. Nach Auffassung der Richterin und der Staatsanwältin lag genau da der Fehler. Malte C. hingegen versteht die Welt nicht: Er habe an jenem Tag frei gehabt. Warum hätte denn er für Ersatz auf seiner Position sorgen müssen und nicht sein Chef? Und außerdem: Wenn der Koch den erkenntlich verdorbenen Fisch durchwinkt – warum sei das sein Problem?

Am Ende wird das Verfahren eingestellt, gegen eine Geldbuße von 1000 Euro, die an den Hospiz-Verein Kinderleben fließt. Ein guter Adressat für eine Spende, so Malte C. „Damit kann ich noch am besten leben.“