Stellingen

Todesursache des Tigerbabys geklärt

Eines der in Hagenbeck geborenen Jungen erlag einer Gehirnhautentzündung. Woran sein Geschwisterchen starb, bleibt aber ein Rätsel

Stellingen. Als das Amurtigerweibchen Maruschka im vergangenen Mai zwei Tigerwelpen zur Welt brachte, war die Aufregung in Hagenbecks Tierpark groß. Die Geburt der Welpen galt als Sensation. Die tragische Ernüchterung folgte jedoch nur wenige Wochen später: Erst starb ein Junges, wenige Tage darauf das zweite. Nun ist geklärt, woran zumindest eines der Welpen starb.

„Das Tigerjunge ist an einer Nabelinfektion erkrankt, die zu einem Abszess in der Leber geführt hat“, sagte eine Sprecherin des Tierparks. „Der Abszess hat sich dann im ganzen Körper ausgebreitet und zu einer tödlichen Gehirnhautentzündung geführt.“ Das hatte Tierärztin Adriane Prahl bei der Obduktion des verstorbenen Welpen herausgefunden.

Die Todesursache für das zuerst verstorbene Junge konnte sie allerdings nicht klären. „Nachdem es verstorben ist, hat die Tigermutter Maruschka das Kleine noch in der Wurfbox aufgefressen“, sagt die Sprecherin. Was grausam klingt, ist in der Natur allerdings üblich. Wenn ein Junges stirbt, fressen Raubkatzen es in der Regel auf, um die Höhle zu reinigen.

Nur wenige Tage nachdem das zweite Junge starb, erkrankte auch Tigervater Lailek an einer Entzündung im zentralen Nervensystem sowie einer starken Rückenmarkschädigung und verstarb ebenfalls. Einen Zusammenhang zwischen dem Tod des Tigervaters und den Jungen halten die Tierärzte aber nicht für wahrscheinlich.

Warum die Tigerbabys letztlich erkrankten, bleibt offenbar ein Rätsel. Denn Tigermutter Maruschka ist kerngesund. Weil seinerzeit niemand die Wurfbox der Tiger betreten durfte und das Muttertier mit ihrem Nachwuchs nur über einen Monitor beobachtet werden konnte, hatten Ärzte und Pfleger keine Möglichkeit, die Jungen zu retten. Doch schon vor der spektakulären Geburt der Amurtiger hat der Tierpark vor zu großer Euphorie gewarnt. Die Sterblichkeitsrate bei Tigerbabys ist im ersten Lebensmonat sehr hoch. Insbesondere erste Würfe – so wie bei Lailek und Maruschka – sind gefährdet.

Amurtiger zählen zu den stark gefährdeten Arten, weltweit durchstreifen nur noch 450 Exemplare nach Expertenangabe ihren natürlichen Lebensraum im Osten Russlands sowie in den Grenzgebieten Chinas und Nordkoreas. Auch deshalb arbeiten europäische Zoos an der Arterhaltung, etwa 260 Tiere leben hier in Gefangenschaft.