Führungswechsel

Görtz-Chef verlässt Hamburger Schuhkette

Thorsten Hermelink führte Görtz fast vier Jahre lang

Thorsten Hermelink führte Görtz fast vier Jahre lang

Foto: Andreas Laible

Managerin für Nachfolge im Gespräch. Hamburger Traditionsunternehmen schafft Vertriebslinie Görtz 17 ab.

Hamburg.  Das traditionsreiche Hamburger Schuhhaus Görtz kommt nicht zur Ruhe: Mitten in der laufenden Umstrukturierung geht mit Thorsten Hermelink einer der wichtigsten Gestalter des Umbaus von Bord. Der 46 Jahre alte Geschäftsführer habe darum gebeten, ihn Ende Oktober aus seinem Vertrag zu entlassen, heißt es in einer internen Mitarbeiterinformation, die dem Abendblatt vorliegt. „Er wird zu einem branchenfremden Unternehmen wechseln, um sich dort einer neuen Aufgabe zu stellen.“

Eigentlich wäre der Vertrag Hermelinks noch bis 2018 gelaufen. Die bisherigen Aufgaben des Managers sollen vorübergehend von den beiden anderen Geschäftsführern von Görtz mit übernommen werden. Dabei soll sich Christian Moritz um die Führung des Einkaufs und der Eigenmarken kümmern, während der erst vor wenigen Monaten an Bord geholte Finanzchef Stephan Tendam auch noch die Verantwortung für das Personal übernimmt. Zugleich sucht Görtz nach einem Nachfolger für Hermelink. „Dabei kann es durchaus sein, dass wir uns für eine Frau entscheiden“, sagte Miteigentümer Ludwig Görtz dem Abendblatt. „Für ein modeorientiertes Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in der Belegschaft wäre das eine gute Wahl.“ Entscheidend sei allerdings die Qualifikation.

Den Weggang Hermelinks bedauerte Ludwig Görtz. „In seinen fast vier Jahren bei uns hat er gemeinsam mit seinen Kollegen in der Geschäftsführung die Firma geschickt durch die Restrukturierungsjahre geführt.“ Streit mit den Eigentümern oder Differenzen innerhalb der Führungsriege habe es nicht gegeben. „Wir haben mit Thorsten Hermelink in der schwierigen Zeit der Umstrukturierung immer vertrauensvoll zusammengearbeitet“, erklärte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Joachim Martens. „Es ist ihm gelungen, die Herzen der Beschäftigten zu gewinnen.“ Auch Martens sprach sich für eine Frau als Nachfolgerin aus.

Die Hamburger Schuhkette mit ihren rund 3200 Mitarbeitern und 160 Filialen hat eine schwere Krise mit roten Zahlen hinter sich. Um wieder in die Gewinnzone zu kommen, hatte Geschäftsführer Hermelink die Zentrale verkleinern und Läden schließen müssen. Auch unrentable Beteiligungen im Ausland wurden abgestoßen. Zudem holten die Eigentümer erstmals in der Unternehmensgeschichte mit dem Münchner Finanzinvestor Afinum einen externen Teilhaber an Bord.

Mittlerweile ist Görtz zwar in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt, der Umbau ist allerdings noch immer nicht abgeschlossen. So ist das Unternehmen nach Abendblatt-Informationen gerade dabei, sich von der Vertriebslinie Görtz 17 zu verabschieden. Mit der einst von Ludwig Görtz eingeführten Marke sollten ursprünglich besonders modeaffine junge Frauen angesprochen werden. Doch diese Zielgruppe kauft heute vor allem im Internet, etwa bei dem aggressiven Onlinehändler Zalando. Nach diversen Versuchen, Görtz 17 neu zu positionieren, hat man sich nun offenbar dazu entschlossen, die Marke ganz aufzugeben und die bestehenden Läden in normale Görtz-Geschäfte umzuflaggen. Bei etwa der Hälfte der ursprünglich rund 70 Läden ist dies schon geschehen. In den vergangenen Jahren waren im Zuge der Restrukturierung auch schon diverse Standorte geschlossen worden.

Um im hart umkämpften Internethandel wieder wettbewerbsfähiger zu werden, will Görtz in den kommenden Wochen auch mit einem überarbeiteten Onlineshop an den Start gehen. Dazu wurde eine eigene Abteilung für den in früheren Jahren ausgelagerten Bereich geschaffen, und es wurden neue Mitarbeiter eingestellt.

Insgesamt hat Görtz im ersten Halbjahr dieses Jahres ein leichtes Umsatzminus hinnehmen müssen, konnte sich aber immer noch besser entwickeln als der gesamte deutsche Schuhmarkt, der aufgrund der Wetterkapriolen gut drei Prozent verlor. Der Gewinn konnte gegen den Trend sogar gesteigert werden.

Nicht gerade übersichtlicher ist die Lage bei Görtz auf der Eigentümerseite geworden. So haben sowohl Ludwig als auch sein Bruder Friedrich Görtz ihre eigenen Anteile kürzlich jeweils an ihre drei Kinder weitergereicht. Hintergrund sollen steuerrechtliche Erwägungen gewesen sein. Ludwig Görtz hat nur noch einen kleinen Anteil behalten, der es ihm ermöglicht, weiter als Mitglied des Verwaltungsrats die Geschicke des Unternehmens mitzubestimmen. Den Vorsitz des Kontrollgremiums hatte der 80-Jährige schon Anfang des Jahres aus Altersgründen an den früheren Tchibo- und Takko-Manager Stephan Swinka abgetreten.

Auch nach diesen Veränderungen hält die Familie Görtz 60 Prozent an der Kette, die restlichen 40 Prozent liegen bei dem Finanzinvestor Afinum. Die Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse sollen durch die neuen Eigentümer aus dem Familienkreis allerdings nicht einfacher geworden sein.