Wilhelmsburg

Reetdachhaus in Flammen

Historisches Gebäude am Obergeorgswerder Deich fast vollständig zerstört. Rauch beeinträchtigt Verkehr auf der A 1

Wilhelmsburg.  Es überstand die Bomben des Zweiten Weltkriegs und auch, als das Autobahnkreuz Hamburg Süd gebaut wurde, legte man die Fahrstreifen der A 1 und des Zubringers von der A 255 links und rechts an dem 1885 erbauten Reetdachhaus vorbei. Doch den Flammen konnte es nicht trotzen. Das historische Wirtschafts- und Wohngebäude ist in der Nacht zu Freitag komplett ausgebrannt.

Es war eine Bewohnerin, die gegen 23.30 Uhr das Feuer bemerkte. Die Frau alarmierte die Feuerwehr und warnte dann die anderen Bewohner des Gebäudes, vorwiegend Saisonarbeiter aus Südosteuropa und Polen. Alle brachten sich rechtzeitig in Sicherheit. Das Gebäude dagegen wurde fast vollständig zerstört. Als die ersten Löschfahrzeuge eintrafen, brannte das Reetdach des 200 Quadratmeter großen Gebäudes lichterloh. Meterhoch schlugen die Flammen in den Nachthimmel. Rauch vernebelte die angrenzende Autobahn so stark, dass über den Verkehrsfunk gewarnt wurde.

„Die Einsatzzentrale hat wegen der vielen Anrufe, auch von auf der Autobahn vorbeifahrenden Autofahrern, schnell zweiten Alarm gegeben“, sagt Thorsten Grams, Sprecher der Hamburger Feuerwehr. 65 Mann, darunter Angehörige mehrerer freiwilligen Wehren, rückten an. Massiv wurde Wasser eingesetzt, um das Feuer unter Kon­trolle zu bekommen. Dabei wurde auch ein Teleskopmastfahrzeug als Löschplattform genutzt. Später setzte die Feuerwehr Löschschaum ein, um Brandnester im Stroh zu ersticken.

„Die zwölf Bewohner des Hauses wurden zunächst im Großraumrettungswagen untergebracht“, sagt Grams. Drei von ihnen kamen später privat unter. Neun Bewohner quartierte das Bezirksamt Mitte zunächst in einem Wilhelmsburger Hotel ein. Am Freitagmorgen rückten Brandermittler der Kripo an. „Die Beamten konnten das Gebäude zunächst nicht betreten, weil Einsturzgefahr besteht“, sagt Hauptkommissarin Karina Sadowsky. Das Dach ist ausgebrannt, nur noch die verkohlten Holzbalken und der gemauerte Kamin ragen in den Himmel. Der Bereich darunter ist vom Löschwasser durchnässt. Der Brandort wurde für die Spurensicherung beschlagnahmt und eingezäunt. Hinweise, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, gab es zunächst nicht. „Die Frau, die das Feuer gemeldet hat, hatte Flammen aus dem Dachbereich schlagen gesehen“, so eine Beamtin. Möglich wäre auch ein technischer Defekt als Auslöser.

Das vor 130 Jahren fertig gestellte Gebäude steht auf der Liste der Kulturdenkmäler. Ob es zu retten ist und wieder aufgebaut werden kann, stand zunächst nicht fest.