Hamburg

Das neue Rekordschiff der Feuerwehr für 15 Millionen Euro

Die Simulation zeigt das neue neue Löschboot für die Hamburger Feuerwehr

Die Simulation zeigt das neue neue Löschboot für die Hamburger Feuerwehr

Foto: Hamburg Port Authority

2017 soll das neue Löschboot fertig sein. Es wird den Anforderungen der modernsten Containerschiffe gerecht werden.

Hamburg. Noch ist der schwimmende Traum der Feuerwehr nur eine Illustration, ein technischer Entwurf. Doch schon bald wird er Realität: Vor Jahresende will der Senat den Bau eines Löschbootes für etwa 15 Millionen Euro europaweit ausschreiben. Das Schiff soll im Jahr 2017 die Ablösung der alten Flotte einläuten und wird das größte Einsatzboot in der Geschichte der Hamburger Feuerwehr. „Wir wollen eine maßgeschneiderte Lösung, die einer veränderten Gefahrenlage Rechnung trägt“, sagte Oberbranddirektor Klaus Maurer dem Hamburger Abendblatt.

Der Entwurf von Schiffsexperten der Hamburg Port Authority (HPA) und Feuerwehr sieht ein 40 Meter langes Schiff mit „einsatztaktischer Vollausstattung“ vor. So soll das Löschboot über sechs Wasserwerfer, teilweise mit mehr als 100 Metern Reichweite verfügen – die drei derzeit eingesetzten Boote „Schmidt“, „Krüger“ und „Repsold“ erreichen nicht einmal die Hälfte dieser Wurfweite. An Bord des neuen, zehn Meter breiten Schiffes ist die Besatzung durch eine Sicherheitskabine vor toxischem Rauch geschützt. Ein Kühlungsmechanismus soll das dichte Heranfahren an extrem heiße Brandherde auf See ermöglichen.

Die Feuerwehr erhofft sich von ihrem Flaggschiff, Brände an Containerschiffen und an Industrie- und Lagerhallen effektiver bekämpfen zu können. Bei den großen Containerschiffen der neuesten Generation reiche das Wasser aus den Rohren der Löschboote gerade einmal bis zur Reling, für Löschschaum sind sie nicht geeignet, immer wieder schlich sich Rost in die Mechanik. „Die Zeiten, mit diesen Booten unserem Anspruch gerecht werden zu können, sind vorbei“, sagt Feuerwehrchef Klaus Maurer.

Das Brandschutzkonzept der Lagerhäuser im Hafenbereich sei aber ausdrücklich auf Löscharbeiten von der Wasserseite ausgelegt. Praktisch jeder große Containerfrachter im Hafenbereich habe außerdem Gefahrengut geladen. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren kam es dabei vermehrt zur brenzligen Situationen:
Im Mai 2013 brach Feuer an Bord des Atomfrachters „Atlantic Cartier“ im Hamburger Hafen aus. Auch dank einer bordeigenen Löschanlage konnten eine Ausbreitung des Brandes verhindert werden.
Anfang Juni dieses Jahres geriet die mit 20.000 Tonnen Düngemittelstoffen beladene „Purple Beach“ vor Helgoland in Seenot, der austretende Giftqualm musste tagelang gelöscht werden. Rettungskräfte berichteten nach dem Einsatz, dass der ätzende Rauch des Frachters die herkömmliche Lackierung der Einsatzboote binnen Minuten abschälte.

Bei einer gefährlichen Großlage wäre die Hamburger Feuerwehr nicht gerüstet

Einen ähnlichen Vorfall in Hamburg, heißt es aus dem Sicherheitsapparat, „wäre angesichts der Stadtnähe des Hafens und der technischen Ausstattung der Rettungskräfte sehr schwer beherrschbar gewesen“.

Der rot-grüne Senat sicherte der Feuerwehr im Koalitionsvertrag zu, die „Erneuerung der Löschbootflotte zügig in Angriff zu nehmen“. Der Planentwurf zum ersten Schiff soll kurz nach der Sommerpause in der Bürgerschaft verabschiedet werden. Mittelfristig ist auch die Anschaffung zweier kleinerer Boote für jeweils etwa acht Millionen Euro geplant. „Es gibt eine große Einigkeit darüber, dass die derzeitige Ausstattung nicht tragbar ist. Deshalb wird dem Wunsch der Feuerwehr entsprochen werden“, heißt es aus dem Senat.

Die neuen Löschbote werden jeweils im Besitz der HPA bleiben und von der Feuerwehr gechartet werden. In einer Arbeitsgruppe wird derzeit eine neue Strategie zur Aufteilung der städtischen Bootsflotte mit 150 Schiffen erarbeitet. Die Idee: Durch die gemeinsame Nutzung von Booten, etwa von HPA und Polizei, und einheitliche Technik sollen Kosten gespart werden. Das große Löschboot soll nicht Teil dieses „Schiffs-Sharing“ sein. „Es muss bei einer Gefahrensituation verlässlich zur Verfügung stehen“, sagt Klaus Maurer.