Hamburg

Biete Kleinod mit Potenzial

Matthias Schmoock

Tante Marthas Reihenhäuschen muss verkauft werden – und alle, die es kennen, sind platt. Denn was da als Exposé in einem Schaufenster hängt, spricht für einen Makler, der – positiv formuliert – viel Fantasie hat.

Aus der Drei-Zimmer-Klitsche ist ein „charmantes Townhaus mit Potenzial“ geworden. Der Heizungskeller wird als „Souterrain“ angepriesen, die von Betonwänden und Glasbausteinen eingefasste Mini-Terrasse als „Wintergarten“. Der Blick ins Grüne muss sich auf die Blumenkästen der Nachbarn beziehen, der auf den Autobahnzubringer wird gar nicht erst erwähnt. Verkehrsgünstig liegt das „Kleinod“, wie wahr – und das auch noch bei „historisierender“ Bausubstanz, sprich ganz einfachen Fenstern.

„Sanierungswürdig“ ist die zweitbeste Formulierung auf diesem Märchenblatt, Platz eins belegt: „Nähe Eppendorf“. Hm, war mir noch gar nicht aufgefallen. Naja, nicht nur Paartherapeuten wissen: Zuviel Nähe ist ja auch gar nicht so gut.

Vielleicht sollte ich dem Makler mal mein Auto anvertrauen, für das mir ein Höker neulich 500 Euro („eher weniger“) bot. Dieses historisierende Teil ist doch auch charmant und sanierungswürdig – und verfügt über jede Menge Potenzial. Und in Eppendorf hat das Kleinod auch schon oft geparkt. Nicht nur in der Nähe, sondern sogar mittendrin!