Zwischenruf

Ein hilfsbereiter Hanseat

Manchmal sind die Hamburger mit ihrer liebenswerten Spleenigkeit einfach unglaublich. Kürzlich gab es an der Parkstraße, Ecke Golfstraße, im feinen Othmarschen ungewöhnlich viel Unruhe. Ein Trupp Bauarbeiter hatte sich verfahren und hielt bei laufendem Motor eine immer größer werdende Gruppe Anwohner mit holprigen Fragen und unverständlichen Gesten auf Trab. Viele wollten helfen, aber mit der Verständigung klappte es nicht recht. Die Männer kamen offenbar von sehr weit her und wirkten vor lauter Frust so angeschlagen wie ihr Kleinbus.

Im allgemeinen Gewusel trat er auf – ein Mann, den man oberflächlich betrachtet wohl als stieseligen Elbvorortler geschmäht hätte. Mit sparsamen Gesten sorgte er routiniert für Ruhe, blickte über den Rand seiner Lesebrille, stellte dann in unterschiedlichen Sprachen ein paar Fragen und klärte schließlich die Lage. „Klarer Fall, Sie wollen in die Golfstraße, aber in die von Wentorf. Geben Sie mir mal ihr Navi, ich speicher’ Ihnen den Weg ein.“

Dann kam das Beste: Der Herr verbeugte sich knapp und sagte: „Angenehme Weiterreise, meine Herren. Viel Erfolg – und machen Sie sich man keinen Stress.“ Ich schwöre: Alle Beteiligten starrten ihn völlig entgeistert an.

Doch der ungewöhnliche Helfer guckte schon längst wieder freundlich-zerstreut in den Hamburger Himmel, zog an seiner Pfeife und schlenderte von dannen. Weltoffen, gelassen, zupackend und vor allem: effizient. Dieser Einsatz hatte Stil.