Geschäftsidee

Entspanntes Essen: Wenn der Koch ins Haus kommt

La-Belle.Assiette-Chef Lukas Loers (l.) bei einem Dinner, dass  Koch Marcel Weiland zubereitet hat. Weilands Berufsweg führte über Lyon und Sylt nach Hamburg

La-Belle.Assiette-Chef Lukas Loers (l.) bei einem Dinner, dass Koch Marcel Weiland zubereitet hat. Weilands Berufsweg führte über Lyon und Sylt nach Hamburg

Foto: Marcelo Hernandez

La Belle Assiette vermittelt in Hamburg Profis am Herd für das schicke Dinner daheim. Ein Drei-Gänge-Menü gibt es für 49 Euro.

Hamburg. Lukas Loers ist ein Genießer. Oft steht er in seiner Küche in Ottensen, rollt Mürbeteig für eine Quiche Lorraine oder schmort Boeuf Bourguignon, am Wochenende stöbert er am liebsten auf dem Markt nach frischem Fisch oder Gemüse. Vielleicht nicht zufällig hat er eine Frau geheiratet, die aus der kulinarischen Hauptstadt Europas kommt, aus Lyon. Lukas Loers ist gerade aus Frankreich nach Hamburg gezogen.

Denn der junge Mann mit den braunen, welligen Haaren, ein eloquenter Gesprächspartner, hat eine Mission: Er startet in der Hansestadt eine Firma zum Mieten von Köchen und hat damit seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Lukas Loers ist neuer Geschäftsführer von La Belle Assiette Deutschland.

In Frankreich agiert dieses Start-up bereits sehr erfolgreich und hat schon 1,7 Millionen Euro von renommierten Geldgebern für seine Expansion eingesammelt. Die Geschäftsidee ist einfach: Privatleute können sich für das Dinner daheim Profiköche mieten, die einkaufen, kochen, die Speisen dann hübsch dekoriert servieren und anschließend sogar aufräumen. Der Gastgeber muss also nur noch genießen.

Warum Köche mitmachen - und Kunden genießen

Im Heimatland von La Belle Assiette (übersetzt: der schöne Teller) hat die Firma bereits 360 Köche zur Auswahl. Zeitungen wie „Les Echos“ oder „Le Figaro“ berichteten über das Private Dining. In Deutschland ist das Unternehmen erst vor zwei Monaten gestartet und konnte hier bisher 30 Köche für seine Idee gewinnen, davon am neuen Sitz der Bundeszentrale in Hamburg gut 20 Profis am Herd. „Wir bekommen viele Anfragen von Köchen“, freut sich Lukas Loers.

Der 29-Jährige wundert sich nicht über das Interesse: „In den Restaurants herrscht eine stressige Atmosphäre. Und die Branche verlangt Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden“. Bei La Belle Assiette hingegen bekämen die Praktiker die Gelegenheit, selbstständig zu arbeiten. „Wir machen die Köche zu Unternehmern.“

Und so funktioniert das Gourmet-Erlebnis für Zuhause: Auf der Internetseite unter labelleassiette.de können sich Interessierte die für eine Stadt zur Verfügung stehenden Köche ansehen, mitsamt ihrer Erfahrung in Restaurants, den Bewertungen anderer Kunden und Menüvorschlägen in verschiedenen Preiskategorien.

Ein Beispiel: Wenn man für ein Dinner in Hamburg einen Koch sucht, stößt man auf Philipp Stiller, der sich mit beruflichen Stationen unter anderem bei der Sturmhaube auf Sylt und einem Bild präsentiert. Der Kunde liest in Bewertungen anderer Gastgeber über Stiller, dass er „den Abend mit seiner sympathischen Art und dem tollen Essen zu etwas Besonderem gemacht und ein stimmiges Menü zusammengestellt hat“, und dass das Dessert „ein absolutes Träumchen“ war.

Der Service entlastet die Gastgeber, ist aber auch nicht billig: Wenn der Kunde ein Asia-Menü mit Frühlingsrollen, einem Gemüsecurry und einem karamellisierten Limettenparfait bucht, kostet das bei sechs Gästen 49 Euro pro Person, ohne Getränke. Der Koch bekommt für den Einkauf der Zutaten und seine Arbeit diese Summe ausbezahlt, abzüglich einer Provision von zwölf Prozent für den Vermittler La Belle Assiette.

Und warum Hamburg?

Die Firma hat sich Hamburg als deutsche Pilotstadt ausgesucht, weil hier die Marktchancen am besten erscheinen. Das Essen auswärts sei in der Hansestadt relativ teuer, argumentiert Loers. Bei mehr als drei Viertel der Restaurants zahle der Gast zwischen 20 und 39 Euro. Dagegen biete die Gründerhauptstadt Berlin sehr viel mehr günstige Ausgehmöglichkeiten. Außerdem experimentierten dort auch andere Anbieter in dem Markt der Mietköche, hat Loers, der nach einem internationalen Wirtschaftsstudium bei der Unternehmensberatung Deloitte gearbeitet hat, vor dem deutschen Start des Internetportals analysiert. Auch in den USA agieren bereits vergleichbare Firmen, zum Beispiel die New Yorker kitchensurfing oder kitchit aus San Francisco.

Neben der Zielgruppe der Gastgeber hat Loers auch die Attraktivität seines Portals für die Köche untersucht. So verdienten angestellte Köche zwischen 1500 und 2000 Euro. Selbst Küchenchefs kämen selten auf Gehälter von mehr als 3000 Euro im Monat. Da verwundert es kaum, dass sich auch Profis von renommierten Häusern bei La Belle Assiette registrieren.

Oft arbeiten sie auf selbstständiger Basis tagsüber im Restaurant und abends für das Vermittlungsportal. „Mit La belle Assiette kann ich mich kreativ ausleben und erhalte durch den direkten Kundenkontakt tolles Feedback für meine Arbeit“, sagt Fabian Huber, der neben seiner Tätigkeit für das junge französische Unternehmen auch im Hotel Vier Jahreszeiten kocht.

Die Köche stellen sich vor ihrem Engagement einer Jury

In Hamburg gehören zu seinen Kollegen etwa Henry Schilling mit Erfahrung in der Sterne-Küche des Louis C. Jacob oder Cyril Borel, der auch schon in der Orangerie des Maritim Timmendorfer Strand arbeitete. Borel bietet auf dem La-Assiette-Portal etwa ein Menü mit Hummerconsommé, Loup de mer (Wolfsbarsch) mit Topinamburpüree und einem Finale von Valrhona-Schokoladentarte mit Passionsfruchteis an. Für dieses Angebot bezahlt der Kunde 157 Euro pro Person bei sechs Gästen.

Für Lukas Loers gehört das Live Cooking zum Arbeitsalltag: Schließlich stellen sich die Köche vor ihrem Engagement bei seiner Firma stets einer Jury, bevor sie ihre Dienste der Öffentlichkeit im Internet anbieten. Dennoch nimmt der gebürtige Düsseldorfer immer noch gerne selbst den Kochlöffel in die Hand. Das ist er auch seiner französischen Feinschmeckerin schuldig, die gerade mit ihm zusammen nach Hamburg gezogen ist.