Georgswerder

Warum City Slide keine Platzmiete bezahlen musste

Besucher erheben schwere Vorwürfe gegen Rutschen-Betreiber

Besucher erheben schwere Vorwürfe gegen Rutschen-Betreiber

Foto: Roland Magunia

City Slide musste für die Platznutzung keinen Cent bezahlen und dürfte so ein sehr gutes Geschäft gemacht haben. Was dahinter steckt

Hamburg. Für den Veranstalter des City Slide auf dem Energieberg dürfte es ein Bombengeschäft gewesen sein: Fast 4000 Besucher zählte die City-Slide Event GmbH am Sonnabend und Sonntag in Georgswerder. In mehreren „Wellen“ schlitterten dort Besucher für jeweils zwei Stunden über die beiden 200 Meter langen Rutschen – bei Eintrittspreisen ab 20 Euro. Der Clou: Der Platz auf dem Energieberg der Stadtreinigung hat das Unternehmen keinen Cent gekostet.

„Wir haben dem Veranstalter die Fläche unentgeltlich zur Verfügung gestellt“, sagt Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung. An Events auf dem Berg, selbst wenn sie kommerziell sind, dürfe die Stadtreinigung nicht mitverdienen. „So sind die Auflagen der EU.“ Unter anderem fördert die EU das Informationszentrum auf dem Energieberg. Die Stadtreinigung suche sich die Veranstaltungen auf der früheren Mülldeponie sehr gut aus, das liege auch an den baulichen Einschränkungen. So dürften etwa keine Erdnägel in den Boden getrieben werden, weil 200.000 Tonnen hochgiftiger Müll unter der früheren Deponie Georgswerder lagern. Zum Schutz vor Regenwasser dichten mehrere Lagen Folie und Erde die Deponie ab. Inzwischen ist aus der Giftschleuder ein Energielieferant für 4000 Haushalte und die Kupferhütte Aurubis geworden. Energie wird aus Photovoltaik-, zwei Windkraftanlagen und den Zersetzungsprozessen im Innern des Berges gewonnen. Diesen positiven Wandel will die Stadtreinigung auch öffentlich kommunizieren, deshalb habe man sich für den City Slide entschieden. Allerdings erwarte die Stadtreinigung auch, dass alle Events dort „professionell durchgeführt werden“, so Fiedler.

Zahlreiche Menschen verletzten sich

Doch an Professionalität hat es dem Veranstalter nach Auffassung vieler Besucher gemangelt. Auf Facebook hagelte es Beschwerden: City-Slide habe nicht genug gegen die Gluthitze auf dem schattenlosen Gelände unternommen, das Gefälle auf der zweiten Hälfte sei zu stark gewesen, zu wenige Sanitäter hätten sich um die Verletzten gekümmert, die Zahl der Besucher habe die Kapazität der Rutschen überschritten. Vor allem das lange Anstehen bei Temperaturen um 36 Grad sei zur Tortur geworden. Wie berichtet kamen am Sonnabend 21 Besucher mit Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen und Kreislaufkollaps ins Krankenhaus. Vor allem unten, im Auffangbecken, war es zu heftigen Karambolagen gekommen.

Der TÜV hat die Rutschen übrigens nicht abgenommen. „Bei den Rutschen handelt es sich um ein aufblasbares Spielgerät“, sagt Veranstaltungsleiter Benedikt Held dem Abendblatt. Der TÜV Rheinland habe aber die Konstruktion der Rutsche begleitet, sie müsse nur nicht vor jedem Event geprüft werden. Zwar habe man in Hamburg nicht mit so gravierenden, hitzebedingten Auswirkungen auf Technik und Personal gerechnet. „Doch wir wollen es nicht darauf schieben: In der Organisation ist einiges nicht so gelaufen, wie es sollte“, sagte Held und warb um Verständnis: Der City Slide in Hamburg sei der zweite in der jungen Geschichte des Unternehmens gewesen. „Ein Stück weit hat uns die Erfahrung gefehlt.“ Natürlich müssten künftig Knochenbrüche vermieden werden. Man müsse auch darüber nachdenken, weniger Besucher an die Rutschen zu lassen.

Ursprünglich wollte City-Slide die Rutschen auf der Mönckebergstraße aufbauen, das Bezirksamt Mitte erteilte aber keine Genehmigung. „Wir wollen 2016 wieder nach Hamburg“, so Held. Aber wohl nicht auf den Energieberg, auch wenn keine Platzmiete fällig wird. Allein die baulichen Auflagen hätten sich hier als „sehr hinderlich“ erwiesen.