BSN medical

Leukoplast-Hersteller strebt Milliardenumsatz an

BSN-medical-Chef
Guido Oelkers will
das Wachstum ankurbeln

BSN-medical-Chef Guido Oelkers will das Wachstum ankurbeln

Foto: Roland Magunia

Hamburger BSN medical wächst vor allem durch Zukäufe weltweit. Besonders Südamerika sei ein wichtiger Markt.

Hamburg. Der Mann mag keinen Stillstand, sucht immer nach neuen Geschäften und Ideen. Seit Guido Oelkers vor 15 Monaten zum Hamburger Medizinproduktehersteller BSN medical (Leukoplast, Elastomull) kam, hat er das Unternehmen komplett umgebaut und maßgeblich vergrößert. So konnte Oelkers mehrere Firmen aus der Branche übernehmen. Ein wichtiger Zukauf war Sorbion aus Münster, die auf Produkte zur Behandlung chronischer Wunden spezialisiert sind. „Mit diesem Schritt stärken wir unser Portfolio in einem attraktiven Markt. Denn Sorbion ist technologisch gesehen eines der besten Unternehmen in dem Segment und hat mehr als 250 Patente. Die Übernahme hat unsere Innovationskraft gestärkt“, sagt Oelkers zufrieden.

Auch im Ausland sind die Hamburger aktiv: In Japan sind sie gewachsen, in Lateinamerika erwarten sie gerade die Genehmigung für einen Firmenzukauf. „Südamerika ist ein wichtiger Markt für uns“, sagt Oelkers. Das Geld für Übernahmen und Innovationen stammt aus eigenen Mitteln. Oelkers’ Marschrichtung lautet, sich ausschließlich auf die Kernbereiche des Unternehmens zu konzentrieren. Nach seinem Antritt als Chef hat er den Hamburger Wundspezialisten neu ausgerichtet. Dies kostete zunächst auch Arbeitsplätze: 150 Mitarbeiter, die nicht direkt in den neuen Kernfeldern tätig waren, mussten gehen.

„Wir haben danach das Team verstärkt, viele Mediziner, Wissenschaftler und Ingenieure eingestellt“, sagt Oelkers. Der Umsatz des Unternehmens, das der Beteiligungsgesellschaft EQT gehört, ist von 709 Millionen 2013 auf 762 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten hat sich seit der Umstrukturierung im vergangenen Jahr um 350 auf weltweit 5560 Mitarbeiter erhöht. Knapp 1000 davon arbeiten in Deutschland. 500 sind in Hamburg in der Zentrale, der Forschung und im Werk Hausbruch, in das allein 2014 vier Millionen Euro investiert wurden.

In der Hansestadt werden Produkte für die Wundversorgung hergestellt und unter anderem Innovationen für orthopädische Anwendungen entwickelt. Die Gesamtausgaben für die Übernahmen und Modernisierungen im Unternehmen liegen im dreistelligen Millionenbereich, so Oelkers. Schon jetzt ist BSN medical in Sparten wie der Versorgung von Knochenbrüchen und der Lymphologie Weltmarktführer. Aber Oelkers will mehr: „Wir wollen das Wachstum des Unternehmens beschleunigen“. Neu sind zum Beispiel Kompressionshandschuhe, die dreidimensional gestrickt wurden und eine deutlich verbesserte Passform und einen höheren Tragekomfort haben.

Auch in Schwellenländern wie Indien erwartet BSN medical starkes Wachstum

„Bei Kompressionstextilien liegen wir technologisch weltweit an der Spitze.“ Auch Biomaterialien, die große Ähnlichkeit mit den Strukturen des menschlichen Körpers haben, werden von dem Hamburger Unternehmen erforscht. „Unser erstes Produkt in diesem Bereich werden wir Ende des Jahres in den USA auf den Markt bringen“, sagt Oelkers. Amerika ist schließlich der weltweit größte und attraktivste Markt für Medizintechnik.

Und auch in Schwellenländern wie Indien, China, Brasilien oder Indonesien erwartet Oelkers ein starkes Wachstum. „Wir gründen seit 2013 stetig neue Gesellschaften. Bis Ende des Jahres werden es 13 sein, die BSN medical in Märkten wie Brasilien, China oder Australien vertreten werden. Schon jetzt machen wir 24 Prozent unseres Umsatzes in Schwellenländern.“ Das ist mehr als in Deutschland, wo nur noch 20 Prozent der Erlöse generiert werden. Und das Geschäft des Wundspezialisten soll durch die zunehmende Internationalisierung weiter wachsen. Das klare Ziel: Oelkers will innerhalb der nächsten fünf Jahre erstmals in der Geschichte des Unternehmens die Umsatzmilliarde erreichen.