Georgswerder

Schwere Vorwürfe gegen Rutschen-Betreiber

Das „City Slide Event“ in Georgswerder endete chaotisch: Zahlreiche Besucher verletzten sich, es gab zu wenige Getränke und kaum Sonnenschutz gegen die Gluthitze

Georgswerder.  Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen, Kreislaufkollapse – nach dem City Slide Event auf dem Energieberg mit vielen Verletzten (das Abendblatt berichtete) beschweren sich Besucher nun über die Organisation und die Durchführung der Veranstaltung. In der Kritik stehen vor allem die mangelhaften Vorkehrungen gegen die Gluthitze am Sonnabend.

Da endete bei Temperaturen von 36 Grad für viele Besucher die nur zweistündige Rutschpartie (Eintritt: ab 20 Euro) nicht im Adrenalin-Himmel, sondern im Krankenhaus: Die Palette der Verletzungen reichte nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) von Sonnenstichen, über Verbrennungen durch das aufgeheizte Gummi der Rutschen bis hin zu Knochenbrüchen. Vor allem am Ende des steilen Streckenteils, im Bassin, sei es zu Karambolagen zwischen frisch gerutschten und nachfolgenden Besuchern gekommen. Allein am Sonnabend leistete das DRK mehr als 100-mal Hilfe wegen Hitzebeschwerden und beförderte 21 Menschen ins Krankenhaus. Die Diagnosen: eine Kniefraktur, ein Sprunggelenksbruch, zwei Unterarmfrakturen, drei allgemeine Verletzungen, ein Nasenbeinbruch, vier Gehirnerschütterungen, eine Schnittverletzung, eine Verbrennung und sieben Kreislaufschwächen. Der Sonntag hingegen verlief deutlich störungsfreier.

City Slide kommt aus den USA, die City Slide Event GmbH hat den Trend nach Deutschland geholt. Das Hamburger Event mit zwei 200 Meter langen Rutschbahnen auf dem Energieberg war nach dem City Slide in München Ende Juni erst das zweite in der Geschichte des Unternehmens. Über eine sehr ebene, dann plötzlich sehr steile Piste sausten die Besucher mit irrwitzigem Tempo in ein Auffangbecken. „Der Einsatzleiter des DRK hat mir nur von einem Nasenbeinbruch erzählt, aber so etwas gehört zu den Verletzungen, die etwa auch im Freibad vorkommen können“, sagt Veranstaltungsleiter Benedikt Held. Hätte er von Verletzungen „über das vertretbare Maß hinaus“ erfahren, hätte er die Veranstaltung „nicht weiterlaufen“ lassen. DRK-Einsatzleiter Florian Weidner hingegen sagt: „Ich habe Herrn Held berichtet, dass es mehrere Frakturen, darunter einen Nasenbeinbruch, gegeben hat.“

Strafanzeigen hat die Polizei bisher nicht registriert. Auf der Facebook-Seite von City Slide haben sich aber etliche Besucher beschwert. Zu wenig habe City Slide gegen die Hitze auf dem schattenlosen Gelände getan, zu lang seien die Wartezeiten vor den Rutschen gewesen – weil schlicht zu viele Tickets verkauft worden seien, so der Tenor. Offenbar hat der Veranstalter negative Einträge gelöscht, was wiederum Kritik hervorrief. In einem Kommentar heißt es: „Die Rutsche ist erst sehr flach, wird dann auf einmal megasteil, sodass man einfach zu schnell in die Menschenmenge rast.“ Und weiter: „Wir sind mit Spaß dahingegangen & haben das Event mit einem vierstündigen Krankenhausbesuch beendet.“

Auch Luca, 15, hat negative Erfahrungen gemacht. Sie sei beim Anlaufnehmen gestürzt, habe dann in der prallen Sonne eine halbe Stunde auf die „völlig überforderten Sanitäter“ gewartet. Sie habe nun eine Bänderdehnung, müsse zwei Wochen auf Krücken laufen. Zudem berichteten „Slider“ über Unebenheiten und Steine im Boden. Held: „Das kann nicht sein, wir sind die Strecke vorher abgelaufen, die Rutschen wiesen nach dem Event keine Beschädigungen auf.“

Viele Menschen kippten wegen der Hitze um. Es seien aber ausreichend Getränke verteilt worden, sagt Held. Man habe gewusst, dass es heiß wird, aber nicht geahnt wie extrem. Schon im Vorfeld seien alle leihbaren Sonnenschirme vergriffen gewesen. Weil wegen der Hitze zweimal die Wasserpumpen für die Rutschen ausgefallen seien, habe man für rund 25 Minuten unterbrechen müssen. Mit der Folge, dass die Schlange vor den Rutschen länger geworden sei. Um für die Wartenden die Zeit in der Sonne zu verkürzen, habe man den Abstand zwischen den Rutschern verringert. Auch deshalb könne es im Auffangbecken zu Kollisionen gekommen sein, räumt Held ein.

Die Situation war so angespannt, dass das DRK seine Kräfte von 15 auf 38 und von zwei auf sechs Rettungswagen erhöhte. Schließlich griff die Feuerwehr ein, die den Verlauf der Veranstaltung mit wachsender Sorge verfolgt hatte. Auf Betreiben der Wehr hin habe man den Wasserfluss kurz vor der Steilfahrt verringert, um so das Tempo herauszunehmen, sagt Held. Außerdem seien zwei Ordner in dem Auffangbecken postiert worden. Helds Fazit: Hätte die Technik mitgespielt, wäre man auch mit den 3000 Besuchern am Sonnabend fertig geworden. Das Chaos-Event endete um 19 Uhr, eine Stunde vor dem offiziellen Ende. Es sei ein Unwetter im Anmarsch, hieß es. Das war nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich waren alle Ordner wegen der Hitze am Ende ihrer Kräfte angelangt.