Horner Rennbahn

Wie das Derby auch die „normalen“ Bürger begeistert

André Zielinski (38) und Stefan Wienke (41) aus Hamburg.

André Zielinski (38) und Stefan Wienke (41) aus Hamburg.

Foto: Beatrice Henke

An der Rennbahn tummelt sich die Prominenz. Doch es gibt genügend Zuschauer, die einfach nur zum Spaß kommen - und um ein paar Euro zu setzen.

Hamburg. Die beiden älteren Damen sitzen in ihren Campingstühlen am Rande der Horner Rennbahn. Die eine recherchiert und tüftelt, um möglichst erfolgreich bei ihren Wetten zu sein. Die andere, Karin Sauerland, ihre Schwester, entscheidet immer aus dem Bauch heraus und setzt nur auf Außenseiter.

Es ist nicht nur die High Society, die Hamburger Lokalprominenz oder HSV-Profis wie Dennis Diekmeier, der ein Bild von der Tribüne bei Instagram postet, die sich auf der Rennbahn die Ehre geben.

Dieses Jahr läuft es noch nicht so gut. Einst gewann Karin mit 2,50 DM Einsatz 3500 DM. Zum Pferdesport sind die beiden Schwestern gekommen, weil Bekannte sie einst mit zum Trabrennen genommen haben. Heute sitzen die weißhaarigen Frauen im Schatten an der Horner Rennbahn, fachsimpeln, lachen und haben Spaß.

Etwas weiter sitzen Stefan Wienke und André Zielinski. Die beiden haben mal in der Nähe der Rennbahn gewohnt. Vor zwei Jahren waren sie das erste Mal beim Turf. „Pferde finde ich einfach cool“, sagt Wienke. Er sei nicht gut im Wetten und komme nur zum Gag, so der 41-Jährige. Viele der Menschen kommen gerne an den Tagen mit freiem Eintritt, schauen einen Nachmittag vorbei und setzen geringe einstellige Beträge bei den Wetten.

Bei Julian Dick ist der Besuch Tradition. „Ich war mit vier Jahren das erste Mal hier“, sagt der 25-Jährige, der in der Nähe der Rennbahn aufgewachsen ist. Der Verfahrenstechnik-Student kommt jedes Jahr an zwei bis drei Tagen auf die Bahn. Mittlerweile hat er viele Freunde für den Pferdesport begeistert.

Die sechsjährige Mia-Mathilda Brenneis wurde von ihrer Oma, Annegret Brenneis, vor drei Jahren das erste Mal mitgenommen. Während die Großmutter noch nie auf einem Pferd gesessen hat, reitet die Enkeltochter und freut sich immer auf die Tiere. Und sie hat extra eine kleine rote Umhängetasche für die Gewinne mitgenommen. Oma Annegret setzt nie mehr als sechs Euro. An diesem Tag hat sie bisher nur Gewinne zu verzeichnen, sodass sich die kleine rote Tasche von Mia-Mathilda schon gut gefüllt hat. Richtig Ahnung habe sie aber nicht, sagt Annegret Brenneis. Die meisten Besucher stapeln tief. Es gehe um Spaß und nicht ums Geld.

Niclas Crownberg kommt seit über zehn Jahren jedes Mal extra aus Schweden auf die Horner Rennbahn. Eine Woche Urlaub macht der 46-Jährige aus Malmö zum Hamburger Derby in der Hansestadt. In seiner Heimat ist er Tipster beim schwedischen Pferderennen. Tipster geben Hinweise und Informationen für Sportwetten, die andere für ihre eigenen Zwecke nutzen können. Für Sonntag hat er noch keinen Tipp. Da die beiden Favoriten Nichtstarter sind, ist das Rennen für ihn offen. Von den überwiegend deutschen Pferden habe er außerdem keine Ahnung, gibt er zu. Sonntag zum Derby ist Crownberg aber auf jeden Fall an der Rennbahn.

Karin Sauerland und ihre Schwester werden zu Hause bleiben. Wenn es zu heiß ist, bleiben sie lieber daheim. Bis dahin sind die beiden an der Strecke schwer beschäftigt. Ein junger Mann kommt zielstrebig auf die beiden in ihren Campingstühlen zu: „Sie sehen aus, als hätten Sie Ahnung. Ich habe gewettet und irgendwas richtig. Was habe ich denn nun gewonnen?“ Die beiden Damen lachen und wenden ihre Blicke nach oben, dem jungen Mann zu und sind schon wieder im nächsten Gespräch.