Hamburg

Finanzkrieg an der Uni: KulturCampus vor dem Aus

Empörung über die Kürzung und das drohende Aus für die bei Studenten beliebten Kulturkurse. AStA weist die Vorwürfe zurück.

Rotherbaum.  Zwischen dem links-grünen AStA (Allgemeiner Studentenausschuss) und den anderen Hochschulgruppen der Uni Hamburg gibt es Streit über die künftige Finanzierung der seit Jahren angebotenen Kulturkurse. Der AStA, quasi die gewählte Regierung der Studenten, hat einen Haushaltsplanentwurf erarbeitet, über den das Studierendenparlament (StuPa) demnächst abstimmt. Der aktuelle Entwurf sieht für das Winter- und Sommersemester 2015/16 nur noch 5000 Euro für den Betrieb der Kulturkurse vor, die gemeinsam von Studierenden und dem gemeinnützigen Verein KulturCampus e. V. betrieben werden.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten über KulturCampus die Möglichkeit, unter 100 Kursen auszuwählen, darunter aus den Bereichen Kunst, Theater, Tanz, Sprache und Weiterbildung. In der Vergangenheit war das Programm gut angenommen worden.

Nach Einschätzung von KulturCampus sind die jetzt eingeplanten 5000 Euro viel zu wenig Geld zum Weitermachen, zumal mit dem AStA ursprünglich 18.000 Euro vereinbart waren. „Ein für Studierende erschwingliches Kursprogramm lässt sich auf dieser Grundlage nicht durchführen“, heißt es auf der Homepage. Und weiter: „Vor diesem Hintergrund müssen wir ankündigen, dass ab dem Wintersemester 2015/16 voraussichtlich keinerlei Kurse mehr angeboten werden können. Wir sind sehr traurig über den Wegfall des wichtigsten studentischen Kulturangebots an der Uni Hamburg.“

Die Empörung über die Kürzung und das drohende Aus für die Kulturkurse hat im Uni-Parlament nun zu einer ungewöhnlichen Koalition geführt, die den AStA massiv angreift. Die Vertreter des eher CDU-nahen Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), der Juso-Hochschulgruppe und der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) haben eine gemeinsame Erklärung verfasst, in der sie dem AStA unter anderem vorwerfen, die durch die Kürzung eingesparten 13.000 Euro für „eigene Ideologie“ zu verwenden.

In der Erklärung wird dem AStA unter anderem vorgeworfen, 150.000 Euro für Personalkosten, 15.000 Euro für Demonstrationen und 5000 Euro für die Anti-Olympia-Kampagne „NOlympia“ auszugeben. „Der AStA zerschlägt gewachsene Strukturen und verhindert studentisches Engagement“, kritisieren Ramon Weilinger (RCDS), Anna-Lena Gross (Jusos) und Benjamin Krala (LHG).

AStA-Sprecher Oliver Vornfeld weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet den KulturCampus als „undurchsichtig. Oft war nicht klar, wohin das Geld eigentlich ging“. Außerdem werde der AStA ein mit rund 10.000 Euro bezuschusstes eigenes Kulturprogramm auflegen. Der AStA will dann Kurse wie beispielsweise „Meditation“ und „Stressabbau“ eher politisch ausgestalten, weil aus seiner Sicht die Ursachen für den steigenden Wunsch nach solchen Kursen auch im politisch-gesellschaftlich Bereich liegen.

Im Internet wurde mittlerweile eine Petition zum Erhalt des „politisch unabhängigen Kursprogramms“ gestartet, bei der sich Studierende mit KulturCampus solidarisieren können.