Hamburg

Raue Rocksongs und sanfte Balladen in der Hitze der Nacht

Energiebündel Ryan Adams, hire bei einem Konzert in London

Energiebündel Ryan Adams, hire bei einem Konzert in London

Foto: dpa Picture-Alliance / Yui Mok / picture alliance / empics

Ryan Adams überzeugte beim Konzert im seit Wochen ausverkauften Docks. Posing gehört für den 40-Jährigen auch zu einer guten Bühnenshow.

Hamburg.  Am vergangenen Wochenende spielte er beim Glastonbury Festival, am kommenden steht er in Roskilde auf der Bühne. Zwischendrin fand Ryan Adams noch Zeit für ein einziges Deutschland-Konzert im seit Wochen ausverkauften Docks. Der Sänger und Gitarrist aus Jacksonville/North Carolina wird meistens dem Alternative Country zugerechnet, doch an diesem Abend gibt er mit seiner fünfköpfige Band den Rocker.

Lange hat man keinen Gitarristen mehr gesehen, der die Gitarre hochreißt, sich bis kurz vorm Umfallen nach hinten biegt und in dieser kippeligen Haltung ein Solo nach dem anderen raushaut. Aber Posing gehört für den 40-Jährigen auch zu einer guten Bühnenshow – und die liefert Adams in dem stickigen Club am Spielbudenplatz ab.

Adams eröffnet das Konzert mit „Gimme Something Good“, dem Opener seines aktuellen Studioalbums. Die Nummer gibt die Linie des Abends vor. Es dominieren raue, Riff-basierte Rocksongs, wie sie in den 80er-Jahren von Bands wie Hüsker Dü oder den Replacements gespielt wurden. Von Punk jedoch ist Adams noch ein ganzes Stück entfernt, dafür sind seine Lieder zu harmonisch aufgebaut. Aber auch den Blues findet man in diesen Songs, unüberhörbar zum Beispiel in „Peaceful Valley“.

Das Lied hat er mit seiner früheren Band, den Cardinals, aufgenommen. Im Docks macht er daraus eine Retrorock-Nummer mit Gitarren- und Orgelsolo. Mit so einem Stück hätte er Ende der 60er-Jahre sicher schon in Woodstock Furore gemacht. Die Assoziation an die Mutter aller Festivals ist naheliegend, denn die Orgel ist mit einer großen US-Flagge geschmückt, doch statt der Sterne prangt oben links das Peace-Zeichen, 1969 so etwas wie die Marke der Woodstock-Generation.

Immer wieder nimmt Adams zwischendrin das Tempo aus diesem energetischen Auftritt heraus, so als wollte er sich, seiner Band und auch dem Publikum eine Pause in der Glutofenhitze des Docks geben. Dann stimmt er Balladen wie zum Beispiel „Dirty Rain“ an. Auch in dieser Kunst ist Adams ein Meister, weil er auch ein ausdrucksstarker Sänger ist, der die nötige Empathie in diese ruhigen Nummern legen kann. Auch ein bisschen Country hat er an diesem Abend im Programm wie das schöne „Oh My Sweet Carolina“, eine Hommage an seine Heimat im Süden der USA.

Doch die meisten Stücke an diesem Abend sind Uptempo-Nummern, die Adams und seine Band lässig über die Rampe bringen. Das heterogene Publikum – zwischen 20 und 50 – feiert den US-Musiker, der seit vielen Jahren nicht mehr in Hamburg gastiert hat. Doch so mitreißend Adams’ Konzert auch ist, am Ende des Abends ist man froh, auf dem Spielbudenplatz frische und etwas kühlere Luft atmen zu können als im überheizten Docks.