Rocker-Veranstaltung

Wegen des Lärms bei den Harley Days gibt es Krach

Geliebt und gehasst: Bei den Harley Days prallen Befürworter und Gegner unversöhnlich aufeinander – vor allem wegen des Lärms

Geliebt und gehasst: Bei den Harley Days prallen Befürworter und Gegner unversöhnlich aufeinander – vor allem wegen des Lärms

Foto: Andreas Laible

Begeisterte Fans, aber auch viel Kritik – Polizei zählt zahlreiche Verstöße gegen Vorschriften und Tempolimits.

Hamburg. Früher besaß er neun Harley-Davidsons. Jetzt fährt er nur noch zwei. „Man wird ja schließlich älter“, sagt Harald Luther augenzwinkernd und gewiss auch im Bewusstsein, dass er deutlich jünger wirkt als seine 85 Lenze, die der Motorrad-Veteran zählt. Sein bestes Stück hat der Duvenstedter für die Harley Days 2015 aufpoliert, ein Shovel Police Trike von 1959, eine Rarität, „an dem es kein Teil gibt, das nicht original ist“, sagt Luther stolz. „Da steckt viel Liebe und viel Arbeit drin.“ Mit der weißen Schönheit führt das Harley-Urgestein die diesjährige Abschlussparade an, gemeinsam mit dem Schwimm-Olympioniken Markus Deibler, einem Rekordhalter auf 100 Meter Lagen. Mit dem 25-jährigen Ausnahme-Schwimmer soll die Olympia-Bewerbung Hamburgs unterstützt werden.

Es funkelt, es vibriert, es fasziniert. Zumindest die zahllosen Harley-Fans, die auf ihren Maschinen bei der Abschlussparade vom Großmarkt aus durch den Hafen, über die Köhlbrandbrücke und zurück zur HafenCity bis nach St. Pauli fahren. Und es begeistert auch viele der Zuschauer, die das Spektakel vom Straßenrand oder von Brücken aus beobachten. Doch der typische Harley-Sound, den mancher so liebt, stört andere als Lärm ganz gewaltig, ebenso wie die Mengen von Abgasen, die sich in der Stadt ausbreiten.

Der Umweltverband Nabu kritisierte die Harley Days in Hamburg scharf. Die Einwohner der Stadt seien bereits zahlreichen unvermeidbaren Belastungen durch Bahn-, Flug- oder Straßenverkehrslärm ausgesetzt. „Dass aber vielen Hamburgern mit behördlichem Segen eine wirklich völlig entbehrliche Verlärmung durch mehrere Tausend laute Motorräder zugemutet wird, ist angesichts der bekannten gesundheitlichen Risiken völlig unverständlich“, sagte Malte Siegert vom Nabu. Eine vergleichsweise kleine Minderheit lebe ihre „pure Lebensfreude“ in extremem Maße auf Kosten einer schweigenden Mehrheit aus.

Hans-Jörg Schmidt-Trenz, selbst Motorradfahrer und Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, sagte dagegen: „Die Veranstaltung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor insbesondere für Hotellerie und Handel. Die Harley Days sind eine der wenigen Großveranstaltungen in Hamburg, die alle Schichten der Gesellschaft interessieren. Campingplätze sind genau so ausgebucht wie Fünf-Sterne Hotels. Wir begrüßen die Bemühungen des Veranstalters, Belastung anderer durch Lärm oder anderes so gering wie möglich zu halten.“ Um die Hamburger durch den Lärm der Harley-Days nicht zu sehr zu belästigen, hatten die Veranstalter die Kampagne „Respekt für Hamburg“ gestartet. Die Biker sollten Wohngebiete meiden und ihre Motoren möglichst wenig aufheulen lassen.

Doch das klappte bei Weitem nicht immer. Das Schaulaufen der Harley-Ritter auf der Reeperbahn erreichte am Sonnabendnachmittag seinen Höhepunkt. Einige Piloten meinten dort, Stärke demonstrieren zu müssen, indem sie ihre Schalldämpfer außer Betrieb setzten oder Fehlzündungen produzierten. Bis Mitternacht war die Polizei in dem Bereich mit 40 Mann im Einsatz. Sie kontrollierte 83 Motorräder, neun Fahrverbote wurden ausgesprochen. Zuvor hatte die Polizei 37 Biker bei der Anreise auf der Raststätte Stillhorn kontrolliert: 15 Umbauten wurden beanstandet sowie fünf Abgasanlagen, drei Bremsen und drei Beleuchtungen. Ein Biker, 57, fuhr ohne Führerschein ein nicht zugelassenes Fahrzeug, zwei weitere Biker durften wegen zu lauter Abgasanlagen nicht weiterfahren.

Am Klingberg in der Innenstadt wurden 97 Harleys überprüft. Zwei Piloten hatten zu viel Alkohol getrunken, zudem bemängelte die Polizei 22 Abgasanlagen, neun Bremsen, 52 Beleuchtungen und 51 sonstige Umbauten. Fünf Harleys wurden aus dem Verkehr gezogen. „Das zeigt, dass etwa jedes zweite Fahrzeug nicht den Vorschriften entsprach“, sagte Polizeisprecher An­dreas Schöpflin. Es wurden mehrere Fahrverbote wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen erteilt. Besonders krass: Ein Harley-Fahrer war im Stadtgebiet mit Tempo 120 unterwegs, ein anderer wurde mit 160 Kilometern pro Stunde geblitzt, wo Tempo 80 gilt.

Doch bei der Schlussparade ging es eher gemächlich zu. Sehen und gesehen werden, war bei manchen die Devise, mit gestylten Maschinen, glitzernden Anbauten und kultiger Kluft mit Helmen mit Hörnern oder Fellen. So auch Werner Berchtold, der aus Zürich mit seiner Harley-Davidson Ultra Limited angereist war. „Jedes Jahr mache ich auch eine Amerika-Tour, erzählt der 66-Jährige, der „schon immer ein Harley-Fan war“, wie er sagt.

Verena Hinz fährt seit drei Jahren eine Harley, „weil sie so schön ist“, sagt die 46-Jährige, „und weil ich den besonderen Sound mag“. Peter Rusch, 72, fährt eine E-Glide, ein Sondermodell, war mit der Maschine „schon in ganz Europa und in Amerika. Und ich will dieses Jahr nach China.“ Einer der Jüngsten ist sicherlich Oliver Janus, 9, der bei seinem Vater Marius auf dem Sozius einer Roadking mitfährt, aber selber Ambitionen hat: „Papa“, sagte er, „wenn du älter bist und ich auch, dann kriege ich doch sicher deine Harley!“