Elpphilharmonie

1300 Menschen können die Plaza gleichzeitig gratis besuchen

Kultursenatorin Kisseler präsentierte die fast fertige Plaza. Eröffnung im Herbst 2016. Video zeigt beeindruckende Aussichtsplattform.

Hamburg. Unter all den Orten, die jeder Hamburger und jeder Hamburg-Besucher einmal gesehen haben muss, wird dieser ganz weit vorn sein: Am Kaiserkai in der HafenCity von Osten her den riesigen Backsteinklotz am Ende der Landzunge betreten, mit einer gebogenen, 82 Meter langen Rolltreppe durch eine raffiniert beleuchtete Röhre ins sechste Stockwerk fahren, um 180 Grad wenden und mit einer weiteren Rolltreppe bis in den achten Stock gleiten – und dann nur noch staunen. Willkommen auf der Plaza der Elbphilharmonie!

Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) hatte sich oft vorgestellt, wie er wohl sein würde, dieser öffentliche Ort inmitten eines Konzerthauses, der schon im November 2016 allen Bürgern zugänglich sein soll. Aber in dem Moment, als am Freitag quasi der Vorhang fiel, war die sonst wahrlich nicht um Worte verlegene Senatorin beinah sprachlos. „Es bleibt einem die Spucke weg“, sagte Kisseler. „Das ist genau der Grad an Überwältigung, den ich jedem wünsche, der zukünftig die Plaza der Elbphilharmonie besucht.“

Die Plaza ist mit 4000 Quadratmetern fast so groß wie der Rathausmarkt

Dabei beeindruckt die Fläche, die mit rund 4000 Quadratmetern fast so groß ist wie der Rathausmarkt, nicht durch den einen „Wow“-Effekt, sondern durch eine Fülle an architektonischen Raffinessen. Wer in 37 Metern Höhe die Schnittstelle zwischen dem historischen Kaispeicher und dem darauf gesetzten Neubau erreicht, betritt eigens dafür im Kohleofen gebrannte Ziegelsteine (188.000 Stück) – eine Reminiszenz an die alte Speicherfassade. Darüber spannt sich der gigantische Neubau mit seinen geschwungenen Decken, schiefen Wänden, gebogenen Fenstern, verspiegelten Gängen und den schneckenförmigen Treppen, die wie Gehörgänge in die Konzertsäle führen – das alles getragen von wenigen grazilen Betonsäulen, die fast alle schräg stehen, ausnahmsweise übrigens aus statischen und weniger aus ästhetischen Gründen.

Und dann ist da natürlich der Blick. Ob elbabwärts in Richtung Landungsbrücken, Richtung Süden über Hafenindustrie und Musicaltheater bis zu den Harburger Bergen, nach Osten über die HafenCity oder nach Norden auf die Innenstadt mit den Kirchtürmen – die an drei Seiten vom Wasser umspülte Elbphilharmonie bietet immer atemberaubende Ausblicke.

Finden Sie es richtig, dass Besucher der Elbphilharmonie-Plaza ein Ticket lösen müssen?

„Die Plaza ist die Schnittstelle zwischen dem alten Kaispeicher als Teil des Hafens und dem neuen Konzerthaus der Stadt“, sagte Ascan Mergen-thaler, zuständiger Architekt bei Herzog & de Meuron. „Hier spürt man, wie sich quasi die festliche Welt über den archaischen Klotz spannt.“ Stephan Deußer, Projektleiter beim Baukonzern Hochtief, betonte, dass die Ideen der Schweizer Architekten die Ingenieure und Arbeiter „nicht nur einige Nerven gekostet, sondern auch vor große Herausforderungen gestellt“ hätten. „Es gibt hier kaum eine gerade Kante“, sagte Deußer und verwies auf die „Wind-schotts“, jene sechs Meter hohen und rahmenlosen Glaselemente, die an den bogenförmigen Ausschnitten der Fassade die Besucher vor allzu viel Wind schützen sollen und sich bei Bedarf ferngesteuert öffnen lassen.

Auch Christoph Lieben-Seutter, als Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle der künftige Hausherr, zeigte sich überwältigt vom En­trée seiner neuen Spielstätte: „Alle Computersimulationen, die wir gesehen haben, können nicht annähernd das vermitteln, was man fühlt, wenn man jetzt hier oben steht.“ Die Plaza sei für ihn „eine tolle Motivation“.

Allerdings wird dieser Ort seinem Team, das die Eröffnung am 11. Januar 2017 plant, noch eine äußerst knifflige Aufgabe bescheren: die Steuerung der Besucherströme. Denn die Elbphilharmonie verfügt nicht nur über drei Säle mit insgesamt fast 3000 Plätzen, sondern darüber hinaus auch über ein Hotel mit 250 Zimmern, 45 Luxuswohnungen, ein Parkhaus mit gut 500 Stellplätzen und eben jene Plaza samt Gastronomie und Souvenirshop.

Tickets sind gratis, aber im Vorverkauf wird eine Schutzgebühr erhoben

Wegen der spektakulären Lage und Architektur werden daher nicht nur jeden Tag Hunderte oder Tausende Konzertbesucher und Hotelgäste erwartet, sondern ein Vielfaches an Neugierigen – und sie alle werden sich auf der Plaza drängen. Das ist zum einen politisch gewollt, denn nicht erst seit die Baukosten für die Stadt auf 789 Millionen Euro gestiegen sind, betont der Senat stets, dass es sich um ein Gebäude „für alle Hamburger“ handele. Zum anderen wirft es Probleme auf: Denn auf der Plaza dürfen sich aus Sicherheitsgründen maximal 2800 Personen aufhalten. Die Verantwortlichen wollen aber nur 1300 Menschen gleichzeitig auf die Plaza lassen, weil es sonst zu eng werde.

Um das kontrollieren zu können, müssen sich auch „normale“ Besucher ein Ticket für die Plaza besorgen. Dafür wird es im Eingangsbereich außerhalb des Gebäudes Automaten geben. Diese Tickets, das betonte Kultursenatorin Kisseler, werden kostenlos sein. Wer sich eine Karte im Internet bestellt, wird aber vermutlich eine kleine Schutzgebühr zahlen müssen – im Gespräch ist ein Betrag zwischen 0,50 und 1,50 Euro. So soll verhindert werden, dass Ticketinhaber diese verfallen lassen oder weiterverkaufen.

Kisseler sagte, dass man „noch nicht auf jede Detailfrage eine Antwort“ habe. Viele Abläufe müssten sich erst einspielen. Wie knifflig die Sache ist, zeigt sich auch daran, dass das Ticketcenter für die Konzertbesucher anfangs auf der Plaza sein sollte, dann außerhalb des Gebäudes und schließlich doch wieder ins Gebäude verlegt wurde, nun aber ins Erdgeschoss .

Unklar ist auch noch, wer letztlich die Verantwortung für die Besucherströme haben wird. Die Lage ist etwas verworren: Das Gebäude gehört (bis auf die Wohnungen) der Stadt, Betreiber des Konzertbereichs wird die HamburgMusik GmbH unter Lieben-Seutter sein, und das Facility Management, also der technische Unterhalt des Gebäudes, ist für 20 Jahre an die Spie GmbH vergeben. Eine Doppelzuständigkeit für Konzertgäste einerseits und Plaza-Besucher andererseits soll es aber auf keinen Fall geben. Wahrscheinlichste Lösung ist daher, dass HamburgMusik alles aus einer Hand managt und dafür finanzielle und personelle Unterstützung bekommt.