Hamburg

Wenn die Gewächsbox mit dem Handy spricht

Jennifer Schneider hat ihre Gewächsbox
mit Sensoren versehen

Jennifer Schneider hat ihre Gewächsbox mit Sensoren versehen

Foto: Klaus Bodig

Junge Hamburger Unternehmen haben Produkte entwickelt, bei denen die Nachhaltigkeit im Zentrum steht. Die EU hilft bei der Umsetzung.

Hamburg. Das Smartphone klingelt, eine Nachricht erscheint auf dem Display: „Der Aluminium-Recyclingkreislauf der Dose, die Sie vor Kurzem weggeworfen haben, ist vollendet. Das daraus hergestellte Produkt befindet sich in Ihrer Nähe.“ Klingt futuristisch? Könnte aber schon bald Realität sein. Denn an diesem Projekt arbeiten Martin Jaehnert und sein Team seit rund einem Jahr.

„Wir möchten Menschen zum Recycling motivieren, indem der gesamte Prozess der Abfalltrennung Spaß macht und sich auch lohnt“, sagt der Gründer des Hamburger Start-ups „Binee“. Der Clou: Wenn die Verbraucher ihre getrennten Abfälle wie Plastik, Papier oder Glas in die smarten Binee-Mülltonnen werfen, müssen sie ihr Smartphone damit verbinden und das System schreibt ihnen Geld über die App gut. Danach können sie den Weg ihres „Abfalls“ weiter verfolgen.

Mit dieser Idee nimmt Jaehnert am europäischen Förderprogramm „SpeedUp! Europe“ teil. 100 Projekte aus 13 Ländern wurden dafür ausgewählt - davon kommen 42 Teams allein aus der Hansestadt und rund 60 aus Deutschland. Damit ist Hamburg der große Gewinner dieses EU-Förderprogramms für junge Unternehmen.

Die ausgewählten Start-Ups realisieren Geschäftsideen zu drei Themengebieten: intelligente Stadt, erneuerbare Energie und digitale Landwirtschaft.

Mit Letzterem befasst sich Agrarökonomin Jennifer Schneider. „Obwohl viele Stadt-Menschen den direkten Kontakt zur Landwirtschaft verloren haben, legen viele von ihnen großen Wert auf gesundes Essen, weil sie sich der Bedeutung nachhaltigen und natürlichen Anbaus bewusst sind“, sagt die Hamburgerin und erklärt die Idee hinter „Family Farming“: Schneider hat eine kleine Gewächsbox für den Balkon oder die Terrasse mit Sensoren versehen, die Daten über Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht und Nährstoffe liefern. Die App bietet dem Hobbygärtner dann die nötigen Hilfestellungen auf der Basis der gewonnenen Daten. Das Ziel: Stadtmenschen sollen durch das Anbauen von Gemüse in kleinen Mengen eine neue Wertschätzung für gesunde Lebensmittel bekommen.

Dafür erhielt Jennifer Schneiders Team eine Anschubfinanzierung von 50.000 Euro. Hinzu kommen bis zu 20.000 Euro von der EU für die ersten Produktionsschritte. „Die EU möchte mit diesem Projekt Innovationen aus Europa fördern und stark für den globalen Markt machen“, sagt Stefan Stengel, Initiator und Direktor des Programms in Deutschland. Die Fördergelder müssen weder zurückgezahlt noch in Anteile umgewandelt werden. „Ohne diesen finanziellen und emotionalen Anstoß hätten wir unsere Idee nicht realisieren können“, sagt Binee-Gründer Jaehnert. Im November folgt die Abschlusskonferenz des Programms, ebenfalls in Hamburg. Dann erhalten die fünf besten Start-Ups insgesamt 500.000 Euro als weitere Finanzierung.