Komponistin

Hamburgerin Bruni schreibt Musik, die sogar der Papst mag

Gloria Bruni ist Zahnärztin, Sängerin und vor allem Komponistin. Sie bezeichnet sich als Vagabundin und glückliche Wahl-Hamburgerin

Gloria Bruni ist Zahnärztin, Sängerin und vor allem Komponistin. Sie bezeichnet sich als Vagabundin und glückliche Wahl-Hamburgerin

Foto: Marcelo Hernandez

Gloria Bruni hat sich als Komponistin durchgesetzt. Das Jüngste Projekt´der Wahl-Hamburgerin ist Lessings Ringparabel.

Hamburg.  Es ist schwierig, etwas über Gloria Bruni zu schreiben, das nichts mit Musik zu tun hat. Der Satz von dem Beruf als Berufung passt zu ihr, Bruni arbeitet nicht als Sängerin und Komponistin, sie ist es. Im fließenden, orangefarbenen Kleid und übergeworfenem Schultertuch erscheint Bruni auf dem Neuen Jungfernstieg, sie redet schnell, lacht laut, und die Begrüßung kommt auf Italienisch. In Mailand hat sie elf Jahre lang gelebt, ist dabei immer wieder nach Deutschland gependelt. „Ich bin glückliche Wahl-Hamburgerin“, sagt Bruni, übrigens ein Künstlername, den sie aber mit Selbstverständlichkeit trägt. Sie arbeitet nicht als Gloria Bruni, sie ist es. „Freie Zeit hat man als Künstler eigentlich nie, Ideen kommen ja immer“, sagt sie.

Gerade war die Komponistin in Minsk, dort wurde ihre Ringparabel gezeigt, die an Lessings „Nathan der Weise“ angelehnt ist und in der Laeiszhalle uraufgeführt wurde. „Die Ringparabel ist aktueller denn je. In dieser Zeit, in der es immer mehr Krisen um uns herum gibt, halte ich es für meine Aufgabe, mit meiner Musik zum Frieden beizutragen“, sagt Bruni, die sich bei einer Aufführung in Istanbul in dieser Ansicht bestätigt sah. „Am selben Tag begannen die Demonstrationen auf dem Taksim-Platz.“

Nachdem sie sich an den Tisch gesetzt und ein Wasser mit Zitronensaft bestellt hat, wird Gloria Brunis Stimme ruhiger. Auch wenn die Tochter eines Vaters aus Pommern und einer Mutter aus Schlesien de facto immer an ihre Musik und damit an die Arbeit denke, habe sie kein Problem damit, auch mal ihr Handy abzuschalten. „Ich will nicht die Gejagte des Internets sein“, sagt sie. Nur wenn eine Aufführung anstehe, dann sei sie nicht mehr ansprechbar. Das gilt insbesondere für Projekte mit Kindern. Bruni schrieb mit der Autorin Ursel Scheffler die Kinderoper „Pinocchio“. Ein „Salve Regina“ auf Arabisch komponierte sie für einen Kinderchor mit muslimischen, jüdischen und christlichen Mitgliedern.

In einer Phase, in der sie hauptsächlich sang, weil ihr ihre alten Stücke nicht mehr gefielen, beschloss Bruni, den Hörern „große klassische Musik“ nahezubringen, und zwar mit einem Musical. „,Dornenvögel‘ spielt im Vatikan und eignet sich perfekt. Das hätte Puccini auch ausgesucht, wenn er noch gelebt hätte.“ Für das Musical der aus­tralischen Autorin Colleen McCullough schrieb die Hamburgerin 96 verschiedene Stücke, 48 kamen in das Musical. „Sie mochte meine Musik lieber als die von Andrew Lloyd Webber“, sagt Bruni.

McCullough ist inzwischen verstorben, auf der Beerdigung sang Bruni im strömenden Regen für ihre Freundin. Ihr Repertoire umfasst viele kirchliche Stücke. „Dazu kam ich allerdings wie die Jungfrau zum Kinde.“ Ein katholischer Priester habe zufällig eines ihrer Stücke gehört und es dem Vatikan vorgetragen. Nachdem „Requiem a Roma“ vor Papst Johannes Paul II. uraufgeführt worden war, folgten andere kirchliche Stücke.

Die Liebe zur Musik liegt in Brunis Familie, war aber immer irgendwie verhindert. Da war ihr Großvater, der Pianist werden wollte, aber Schuldirektor wurde; ihr Vater, der Physiker, der sich das Akkordeonspielen selbst beibrachte, und ihre Mutter, aus deren Traum vom Leben einer Sängerin nach dem Krieg nichts wurde. Bruni selbst, die im Harz aufwuchs, studierte zunächst in Hamburg Gesang, Komposition und Zahnmedizin. „Meine Eltern sagten: Du kannst machen, was du willst, aber mach auch etwas Vernünftiges.“ Also ging sie in Vorlesungen und sang abends in Bars zum Klavier Songs von Barbra Streisand und Liza Minnelli.

Dass Gloria Bruni als Zahnärztin praktiziert hat, ist Jahrzehnte her. Der Vorteil der Arbeit: „Als Frau unter Komponisten war es anfangs nicht leicht, während ich als Zahnärztin und Sängerin nie Probleme hatte.“ Ihr bester Kritiker ist ihr Ehemann, ein Unternehmer. „Mein Mann hat gute Ohren: Was ihm gefällt, mögen die meisten Menschen im Publikum“, sagt Gloria Bruni, die eine erwachsene Tochter hat, die Cello spielt. „Ich bin ,nur‘ Sopranistin. Meine Tochter hat eine Mezzoso­pranstimme. Das ist etwas wirklich Besonderes.“ Während Mann und Tochter Brunis sich sehr eng mit Hamburg verbunden fühlen, bezeichnet sie selbst sich als Vagabundin. „Wo auch immer ich lebe, gefällt es mir. Meine Musik kann ich überall komponieren.“