Patriotische Gesellschaft

20 neue Gedenksteine in Hamburg erinnern an verfolgte Juden

Diese 20 Stolpersteine erinnern nun vor dem Gebäude der Patriotischen Gesellschaft an der Trostbrücke an verfolgte Juden

Diese 20 Stolpersteine erinnern nun vor dem Gebäude der Patriotischen Gesellschaft an der Trostbrücke an verfolgte Juden

Foto: Patriotische Gesellschaft

Vor dem Gebäude der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg erinnern seit Montag 20 Stolpersteine an ausgeschlossene jüdische Mitglieder.

Hamburg. Mit 20 Stolpersteinen erinnert die Hamburger Patriotische Gesellschaft seit gestern an ihre vor 80 Jahren ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder. Die Gedenksteine wurden nach einer Präsentation mehrerer Lebensgeschichten vor dem Gebäude der Gesellschaft nahe dem Rathaus enthüllt. Die 1765 von Bürgern gegründete Gesellschaft zur Förderung von Kunst, Bildung und Gewerbe hatte 1935 den sogenannten Arierparagrafen der Nazis übernommen. Wer jüdischer Abstammung war, musste die Gesellschaft verlassen.

Nach einer ersten Forschungsarbeit der Philosophin Marlis Roß hat eine Arbeitsgruppe der Gesellschaft eine weitere Publikation vorgelegt, in der die Schicksale der ausgeschlossenen Mitglieder vorgestellt werden. Darunter sind etwa der Tabakhändler Richard Carl Abraham, den die Gestapo 1942 in den Selbstmord trieb, oder der Kinderarzt Moritz Nordheim, der sich 1938 das Leben nahm.

Juden hatten in der Geschichte der Patriotischen Gesellschaft eine wichtige Rolle gespielt. Im Jahr 1800 war den Forschungen von Roß zufolge der Kaufmann Ernst Wertheim als erstes jüdisches Mitglied aufgenommen worden. Es folgten die Ärzte Joseph Levy, Joseph Hirsch Gerson und Daniel Veit. 1805 traten die Geschäftsmänner Joseph und Abraham Mendelssohn bei. Abraham Mendelssohn war Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) und Vater des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Die Übernahme des „Arierparagrafen“ wurde 1935, wenige Tag nach Verkündung der „Nürnberger Rassegesetze“, vom Vorstand der Patriotischen Gesellschaft beschlossen, 1936 wurde die neue Satzung von einer Mitgliederversammlung gebilligt. Maßgeblich vorangetrieben habe den VorBeschluss der damalige Vorsitzende.

Seit 2002 erinnern Stolpersteine im Hamburger Straßenpflaster an Opfer des Nazi-Regimes.