Kritik aus der Politik

Hamburger Ruderclubs verzichten aus Tradition auf Frauen

Der Vorstand des „Hamburger und Germania Ruder Club“ am Alsterufer will künftig „uneingeschränkt Frauen“ aufnehmen. Andere Ruderclubs wollen jedoch nicht nachziehen

Der Vorstand des „Hamburger und Germania Ruder Club“ am Alsterufer will künftig „uneingeschränkt Frauen“ aufnehmen. Andere Ruderclubs wollen jedoch nicht nachziehen

Foto: ValeriaWitters / Witters

Einige Rudervereine nehmen Damen grundsätzlich nicht auf. Grüne und CDU kritisieren das als diskriminierend.

Hamburg.  Männer bleiben manchmal gerne unter sich. Das ist nicht nur an Stammtischen und beim Fußballgucken häufig so – in Hamburg gibt es eine ganze Reihe elitärer Zirkel, in denen Frauen nicht Mitglied werden dürfen. Das gilt für den Anglo-German Club, auch einige Lions-Clubs nehmen keine Frauen auf und bei traditionsreichen Hamburger Ruderclubs gilt diese Regelung ebenfalls.

Während der Vorstand des „Hamburger und Germania Ruder Club“ am Alsterufer künftig „uneingeschränkt Frauen“ aufnehmen will (Das Abendblatt berichtete), sofern die Mitgliederversammlung im September zustimmt, kommt das auf der anderen Alsterseite bei „Allemannia von 1866“ nicht in Frage: „Wir werden auch künftig ein reiner Herren-Ruderclub bleiben und damit eine fast 150-jährige Tradition pflegen“, sagte der Vorsitzende Dirk Heinike dem Abendblatt.

Auch bei Allemannia, die rund 750 Mitglieder haben, gab es Bestrebungen, sich für Frauen zu öffnen. Doch diese scheiterten: Vor zehn Jahren habe es mal die Diskussion gegeben, ob auch weibliche Mitglieder aufgenommen werden sollen. Auf einer Versammlung sei es dann zur Abstimmung gekommen und mit knapper Mehrheit sei dieses Ansinnen abgelehnt worden, erinnert sich Heinike.

Männer wollen beim Rudern unter sich sein

Dem Vorsitzenden, der verheiratet ist und zwei Töchter hat, ist wichtig: „Wir wollen keine Frauen diskriminieren. Aber beim Rudersport ist es schön, einfach mal unter Männern zu sein.“

Schließlich gebe es auch Ruderclubs oder Fitnessstudios, die nur Frauen vorbehalten seien. Aber Heinike kann auch den Vorwurf verstehen, dass ein reiner Herrenclub nicht mehr zeitgemäß ist: „Doch in diesem Fall steht für uns die Tradition über der gesellschaftlichen Entwicklung.“

Da ist Mareike Engels, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, anderer Meinung: „Es ist mehr als überfällig, dass sich reine Herrenclubs auch für Frauen öffnen, egal ob im sportlichen oder in anderen gesellschaftlichen Bereichen“, sagt Mareike Engels. Die Politikerin kritisiert: „Wer an diesen Männerzirkeln festhalten möchte, der lebt in einer längst vergangenen Zeit. Auch Tradition rechtfertigt nicht die Diskriminierung von Frauen.“ Zum Rudern hat auch die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Franziska Grunwaldt eine Meinung: „Für mich gibt es keinen sachlichen Grund, Frauen aus dem Rudersport auszuschließen. Viele andere Vereine profitieren von einer gemischten Mitgliedschaft.“

"Natürlich ist es nicht mehr zeitgemäß"

Der Anglo-German Club am Harvestehuder Weg sieht sich als „unpolitischer Club, der ausschließlich der Förderung internationaler und insbesondere der deutsch-britischen Beziehungen zum Nutzen der Allgemeinheit dient.“ 1000 Mitglieder netzwerken hier, zum Beispiel beim „Herrenessen“. Frauen werden nicht aufgenommen.

In Hamburg und Umgebung gibt es 39 Lions-Clubs mit etwa 1100 Mitgliedern, die sich der Wohltätigkeit verschrieben haben. Von den 39 Club sind noch einige „reine Herrenclubs. Das sind meist die Clubs, die schon lange existieren und die an dieser Tradition festhalten“, sagt Edmund Krug, dritter Vize-Gouverneur im Distrikt 111 Nord. Auch der Club „Hamburg-Alster“, in dem Krug Mitglied ist, nimmt keine Damen auf.

Wenn sich die Herren einmal im Monat im Hotel Atlantic zum Mittagessen treffen, dann bleiben sie unter sich: „Natürlich ist das nicht mehr zeitgemäß und es kommen auch immer mal wieder intern Diskussionen auf, ob wir nicht auch Frauen aufnehmen sollen“, sagt Krug. Es gebe aber auch regelmäßig Abendveranstaltungen, bei denen die Ehefrauen mit eingeladen seien. Man wolle schließlich keine reiner Männerklüngel sein, so Krug.