Schlechtes Wetter

Beachclubs und Freizeitparks im Norden trotzen grauem Himmel

Der Heide Park in Soltau

Der Heide Park in Soltau

Foto: Heide Park

Für Firmen gibt es die Möglichkeit, sich mit einer Regenversicherung gegen schlechtes Wetter abzusichern. Was die Betriebe im Norden sagen.

Hamburg. Der Name ist Programm: „28 Grad“ nennt sich der Beachclub in Wedel am Elbstrand und wirbt mit „Südseefeeling“. Bei den Temperaturen in dieser Jahreszeit, die sich zwar Sommer nennt, jedoch eher an Spätherbst erinnert, ist dieses Gefühl allerdings nur schwer zu erreichen. „Das Wetter ist für uns bisher alles andere als optimal“, sagt Sandra Burtzick, Eventmanagerin des Clubs. Existentiell sei die Bedrohung zwar nicht, da sich das „28 Grad“ mit im Vorfeld gebuchten Veranstaltungen über Wasser hält, die dann in mit Heizpilzen ausgestatteten Zelten stattfinden. Immerhin an rund der Hälfte aller Tage seit der Saisoneröffnung im April sei der Beachclub im normalen Betrieb geschlossen geblieben – und das wirke sich im Umsatz deutlich aus.

Ähnlich verhält es sich auch im Hamburg Del Mar Beachclub. Auch das Sandparadies an den Landungsbrücken hatte nur an knapp der Hälfte aller Tage geöffnet. Existenzbedrohend ist die Wetterlage jedoch nicht, da auch dieser Betrieb mit Veranstaltungen gut gebucht ist, sagte Inhaber Harry Holtmann.

Doch für Firmen, die auf Sonne angewiesen sind, gibt es die Möglichkeit, sich mit einer Regenversicherung gegen schlechtes Wetter abzusichern. Für die Wedeler Beachclub-Mannagerin Burtzick ist ein solcher Schutz zwar keine Option, sie habe von dieser Möglichkeit auch noch nie gehört, sagte sie.

Dennoch haben diese Policen, die früher nur in der Landwirtschaft üblich waren, laut Versicherern Hochkonjunktur. Anfragen für den Wetterschutz kommen inzwischen vor allem von Reiseveranstaltern, aus der Gastronomie, aber auch aus dem Einzelhandel, für den das Wetter ebenfalls zum Geschäftsrisiko geworden ist: Ist der Winter zu warm, kann ein Skigeschäft einpacken. Fällt der Sommer aus, bleibt ein Bademoden-Anbieter auf den Bikinis sitzen

„Umfragen zeigen, dass der Klimawandel von Firmen als eines der zehn größten Risiken für ihre Geschäftsentwicklung angesehen wird“, sagt Karsten Berlage, Experte für Wetterversicherungen bei der Allianz Risk Transfer. Auch Energieunternehmen federn Wetterschwankungen in der Regel mit einer Versicherung ab. Gerade für die Wind- und Sonnenenergie sind sie entscheidend für das Geschäft.

„Die extremen Wetterschwankungen haben zugenommen, wodurch Wetterrisiken immer stärker in den Vordergrund rücken“, sagt ein Sprecher des Versicherers HDI in Hannover. Seit der Einführung der Wetterversicherung „Klimarisk“ vor vier Jahren habe sich der Umsatz in dem Bereich versechsfacht. Auch die Allianz und der weltgrößte Rückversicherer MunichRe mit seinem Erstversicherer Ergo sehen die Policen gegen Wetterschwankungen als Wachstumsfeld – auch wenn es sich im Vergleich zu klassischen Produkten wie Schaden- und Krankenversicherungen noch um eine Nische handelt.

Den von der Zinsflaute geplagten Versicherern ist aber jeder Hoffnungsschimmer willkommen. „Wenn Sie einen Biergarten im Englischen Garten haben, können Sie sich bei uns gegen einen verregneten Sommer versichern“, warb MunichRe-Chef Nikolaus von Bomhard kürzlich vor seinen Aktionären. Nicht nur Naturkatastrophen könnten schwere Folgen haben.

Allerdings: Eine Vollkasko-Versicherung für Umsatzausfälle gibt es nicht – oder sie wäre unbezahlbar. Sinn der Angebote ist es vielmehr, extreme Einflüsse durch Wetterschwankungen aufzufangen und damit die Existenz zu sichern. „Wenn ein Geschäft für Bademoden an einem Tag 20 Badeanzüge weniger verkauft, weil es regnet, kann es das verkraften. Wenn aber der ganze Sommer verregnet ist und es am Ende tausende weniger sind, sieht die Lage schon anders aus“, sagt Allianz-Experte Berlage. Grundsätzlich richten sich die Kosten nach der Höhe der Eintrittswahrscheinlichkeit: Wenn sich ein Biergartenbetreiber beispielsweise für Umsatzausfälle ab dem 11. Regentag versichern möchte, muss er dafür mehr bezahlen als wenn die Police erst ab dem 16. Regentag greifen soll.

Inzwischen können sich auch Bootsverleiher oder Freizeitparks absichern – und dann ihren Kunden eine Schlechtwetter-Versicherung anbieten, die einspringt, wenn der Sonntagsausflug ins Wasser fällt. Der Heidepark in Soltau besitzt zwar keine Versicherung gegen Regen. Das Wetter der vergangenen Wochen hatte auch keine negativen Auswirkungen auf die Gästezahlen des Freizeitparks. Im Gegenteil: Die vielen regenfreien Tage mit Temperaturen um die 17 bis 20 Grad waren ideal für einen Besuch in dem Resort. Dafür gibt es für datierte Online-Tickets, die vorab über die Website gekauft wurden, eine Schönwetter-Garantie. Das heißt: Sollte es an dem Besuchstag mehr als eine Stunde am Stück regnen, erhalten die Gäste kostenlos ein Wiederkommer-Ticket. Sie können dann an einem Tag ihrer Wahl den Park in der Saison 2015 nochmals besuchen.

Das Outdoor-Lokal „barca“ an der Alster ist ebenfalls von Sonnenschein abhängig, hat aber einen Gastraum, der in diesem Sommer auch viel genutzt wird. Der Bootsverleih liegt an vielen Tagen jedoch brach. „Wir halten uns über Wasser, aber die Konkurrenz arbeitet schon viel mit Gutscheinen, um an Kunden zu kommen“, erklärt Inhaber Meik Glindemann. Versichern will er sich dennoch nicht gegen schlechtes Wetter. (fhe/dpa)