Hamburg

Was für ein Hundeleben

In Hamburg leben 230.496 Kinder unter 14 Jahren. Fast genauso hoch ist die Zahl von Hunden und Katzen in unserer Stadt. Dazu kommen noch Hasen, Meerschweinchen, Fische, Vögel, Reptilien und viele andere Tiere. Schätzungen zu Folge leben insgesamt etwa 710.000 Haustiere in Hamburger Wohnungen und Häusern, und es werden stetig mehr. Aber nicht nur die Anzahl der tierischen Gefährten, auch die Ausgaben für sie steigen von Jahr zu Jahr. Bundesweit wurden 2014 etwa neun Milliarden Euro für Futter, Zubehör oder Tierarztrechnungen ausgegeben und damit 1,5 Milliarden Euro mehr als noch vor zehn Jahren. Die Angebote und Dienstleistungen rund ums Tier werden hierbei immer umfangreicher und auch ungewöhnlicher: So gibt es mittlerweile nicht nur ein fünfstöckiges Wohnhaus für Mäuse, sondern auch ein Wasserbett für Katzen. Statt zum einfachen Hundefriseur geht’s heute zum Groomer, wo waschen, trimmen, föhnen schnell mal 80 Euro kosten kann. Und wem in puncto Betreuung eine Tier-Tagesmutter nicht ausreicht, der kann seinen Liebling auch in ein Tierhotel mit Schwimmbad für rund 100 Euro die Nacht einchecken. Auch kulinarisch gibt es heute kaum etwas, das es nicht gibt: Von Leberwursteis über Hundebier aus Rindfleischbrühe bis hin zur Lachspraline in Bioqualität. Es gibt Anbieter für Tiergeburtstagsfeiern ebenso wie Tierpsychologen. Und für den liebeshungrigen Rüden stehen daheim Latexhundesexpuppen mit den Namen Naomi oder Jacqueline bereit.

Apropos Namen: Früher typische Namen wie Bello, Rex oder Waldi hört man heute kaum noch, stattdessen Kindernamen wie Benny und Finn, Nelli und Emma. Kommen dann noch die ganzen Kosenamen hinzu, weiß man oft nicht, ob mit Schmusetiger, Liebling oder Dicker nun der Kater, das Kind oder der Ehemann gemeint ist. Werden Haustiere also zunehmend zu einem Kind- und Partnerersatz? Nun, zumindest sind mehr als vier von fünf von uns davon überzeugt, dass durch die Versingelung unserer Gesellschaft die Bedeutung von Haustieren in Zukunft zunehmen wird. Einige Promis leben dieses schon vor: So hat die kleine Chihuahua-Hündin Tinkerbell von Paris Hilton schon zahlreiche Partner miterlebt und auf das mittlerweile verstobene Hängebauchschwein Max von George Clooney blickten viele weibliche Fans stets eifersüchtig – teilte es sich doch jahrelang das Bett mit dem Frauenschwarm. Eines der derzeit bekanntesten Haustiere ist die Birmakatze Choupette des Modezars Karl Lagerfeld. Dieser wundert sich manchmal selbst über die Liebe zu seiner Katze und würde diese am liebsten sogar heiraten. Entsprechend gut geht es dem Tier: zwei Dienstmädchen und ein Bodyguard stehen rund um die Uhr bereit und zum (Fr-)Essen werden fünf Gerichte serviert. Über die Katze gibt es einen Wikipedia-Artikel, sie hat ihre eigene Facebook Seite, auf Twitter folgen ihr 90.000 Follower. Bei all dieser Popularität wundert es nicht, dass die 128-seitige Biografie „Choupette - The Private Life of a High-Flying Fashion Cat“ jetzt auch auf Deutsch erschien.

Ob nun Lagerfelds Katze oder Nachbars Hund, weshalb lieben wir unsere Haustiere so sehr? Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von der beruhigenden Wirkung über die fast durchgängig gute Laune der Tiere bis hin zur Strukturierung des Alltags. Aber sicherlich helfen Hund und Katze auch gegen Einsamkeit, schenken uns Zuneigung und geben uns eine Aufgabe, etwa wenn die Kinder aus dem Haus sind oder der Partner verstorben ist.

Mein Ausblick: In den nächsten Jahren wird sich in Hamburg die Kinder- und Enkellosigkeit ebenso wie die Zahl der Singlehaushalte erhöhen. Haustiere werden daher noch häufiger zum besten Freund des Menschen. Und falls sie zu früh sterben? In den USA gibt es bereits den ersten Anbieter für das Klonen von Hunden: Für 100.000 Dollar wird der geliebte Vierbeiner einfach reproduziert.