Hamburg

30.000 Radler legen Autoverkehr lahm

Die 20. Fahrradsternfahrt für den Klimaschutz fand parallel zu Halbmarathon und A-7-Sperrung statt

Hamburg.  Er sei kurz davor umzufallen, sagte Ralf Lüdeke. Und das nicht, weil er sich vor Schwäche nicht mehr auf seinem Rennrad halten könne, sondern weil das Tempo so langsam sei, dass er damit fast umkippe. Er nahm es mit Humor, dass er am Sonntag versehentlich in die Fahrradsternfahrt geraten war und nur langsam fahren konnte. Bei der 20. Auflage der Fahrradsternfahrt waren in Hamburg 30.000 Radfahrer dabei.

Üblicherweise sind der 55-Jährige und seine beiden Freunde mit ihren Rennrädern im Schnitt mit 33 Kilometern pro Stunde unterwegs. Dicht hinter den Tourenleitern und der Polizei war allerdings nicht mehr als Tempo 15 drin. Schließlich sollten die 12.000 Radfahrer hinter Lüdeke, die sich für die Route über die Köhlbrandbrücke entschieden hatten, mithalten können.

Damit dieser kilometerlange Fahrradfahrerwurm nicht zu sehr auseinandergerissen wurde, musste die Geschwindigkeit immer wieder gedrosselt werden. Sehr gemächlich ging es also über die Köhlbrandbrücke, über die Autobahn 255, die Elbbrücken und die Amsinckstraße bis zur Abschlusskundgebung auf dem Jungfernstieg.

Dort, wo sonst Lastwagen und Autos fahren, war nur das Surren der Gangschaltungen zu hören. Wie ein Bienenschwarm summte das Feld der Radfahrer über den Köhlbrand. Die Brücke war für den Autoverkehr gesperrt worden. Auch wenn die Polizei das nicht erlaubte, blieben immer wieder Radfahrer am Fahrbahnrand stehen, um von hier oben aus Fotos zu machen. Wann hat man dafür schon die Gelegenheit? „Das ist doch total cool“, sagte Jana von Poblotzki, 24, nach der Fahrt über die Köhlbrandbrücke. Vor allem die Abfahrt sei richtig toll gewesen. Etwas rasanter als der Rest der Fahrt. Nur um dieses einmal erleben zu können, habe sie an der Sternfahrt teilgenommen, sagte die Studentin.

Die Teilnehmer waren von 60 Startpunkten aus durch die Stadt geradelt und auf vier Hauptrouten in der Innenstadt angekommen. Dabei ging es bei der Sternfahrt natürlich um mehr als nur darum, auf den Fahrspuren der Autos an den wartenden Autofahrern vorbeiradeln zu können. Unter dem Motto „Rad fahren – Klima schützen“ wollen die Radfahrer zum bundesweiten Aktionstag „Mobil ohne Auto“ für bessere Radverkehrsbedingungen demonstrieren und zeigen, dass man auch ohne Auto gut von A nach B kommt. Und das wollen anscheinend immer mehr Menschen: 8000 mehr Radfahrer als im Vorjahr konnte Veranstalter Uwe Jancke zählen, der deshalb „restlos zufrieden“ war. Es gab nur wenige Unfälle und Krankenwageneinsätze. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) versprach bei der Kundgebung dann auch: „Hamburg hat das Potenzial, in ein paar Jahren den Titel Fahrradstadt zu tragen.“

Trotz Vollsperrung der Autobahn 7 und weiteren Behinderungen durch den Halbmarathon und der Fahrradsternfahrt war die Polizei mit der Verkehrslage zufrieden. Ein Sprecher: „Durch die frühen Ankündigungen konnte sich der Großteil der Autofahrer auf die Behinderungen einstellen.“